
Die besten ETFs: Vietnam wird zum Schwellenland hochgestuft
Vietnam wird zum Schwellenland hochgestuft. Mit ETFs können Anleger in den boomenden Markt investieren. Kapitalvorschriften für ausländische Anleger erschweren aber eine vollständige Abbildung des Marktes.
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Der Indexanbieter FTSE Russell hat Vietnam auf den Status eines Schwellenlandes hochgestuft. Damit verlässt das südostasiatische Land den Status des Frontier Markets am 21. September 2026 und steht künftig auf einer Stufe mit China, Indien und Indonesien. Im März steht zuvor noch eine Zwischenüberprüfung an.
Vietnam hat wichtige Reformen verabschiedet
Das Land hatte zuletzt einige für den Finanzmarkt wichtige Reformen verabschiedet, darunter die Abschaffung der vollständigen Vorausfinanzierungspflicht für Aktiengeschäfte ausländischer Investoren. "Die Neuklassifizierung Vietnams spiegelt wichtige Verbesserungen der Marktinfrastruktur wider", kommentierte FTSE Russell die eigene Entscheidung.
Der VN-Index (Vietnam Ho Chi Minh Stock Index) hat in diesem Jahr (gemessen an einem Differenzkontrakt) um rund 35 % zugelegt und insbesondere seit April eine beachtliche Rallye hingelegt - zumal vor dem Hintergrund der Zollstreitigkeiten, die Vietnam sehr direkt betreffen. US-Präsident Donald Trump belegte das Land mit einem Zoll von 20 Prozent auf Exporte in die USA und drohte mit weiteren Aufschlägen für chinesische Waren, die über Vietnam in die USA gelangen.
Dennoch verzeichnete der Aktienmarkt des Landes im August und September unterm Strich Mittelabflüsse, die durch Bloomberg auf 4 Mrd. USD taxiert werden. Die könnte sich nun umkehren: Analysten halten durch die Hochstufung, die die Aufnahme in neue Indizes und diese abbildenden ETFs mit sich bringt, Mittelzuflüsse im Bereich von bis zu 6 Mrd. USD für möglich.
"Bedeutende Wende" nach drei Jahren mit Mittelabflüssen
Linh Vu, Chefanalystin des vietnamesischen Vermögensverwalters Vinacapital, sieht darin einen Wendepunkt für das Land. "Auch wenn der Betrag absolut betrachtet nicht außergewöhnlich hoch erscheinen mag, stellt er eine bedeutende und positive Wende für Vietnam dar - insbesondere nach drei aufeinanderfolgenden Jahren mit Nettoabflüssen ausländischen Kapitals"
Wer in den vietnamesischen Aktienmarkt investieren möchte, muss etwas Zeit in die Suche nach passenden ETFs investieren. Der VinaCapital VN100 ETF (ISIN: VN0FUEVN1002) etwa ist für deutsche Anleger kaum zugänglich, da er in Vietnam zugelassen und ausschließlich dort notiert ist. Der ETF investiert in die 100 größten und liquidesten Aktien an der Ho Chi Minh Stock Exchange. Die jährliche Managementgebühr liegt bei 0,67 %. Für den Zugang ist ein Konto bei einem lokalen Broker notwendig, was für Ausländer mit einem recht komplizierten Prozedere verbunden ist.
Vietnam-ETFs sind rar
Einfacher zu handhaben sind hierzulande zugelassene ETF wie der Xtrackers FTSE Vietnam UCITS ETF (ISIN: LU0322252924, WKN: DBX1AG), der den FTSE Vietnam Index abbildet. Investiert wird in die größten und liquidesten Unternehmen, die in ausreichendem Umfang für ausländische Anleger verfügbar sind. Der knapp 350 Mio. USD schwere ETF zählt 32 Titel im Portfolio. Schwergewichte sind der Mischkonzern Vingroup, der Eisen- und Stahlhersteller Hoa Phat sowie der Immobilienentwickler Vinhomes. Zusammen machten diese drei Aktien zum letzten Quartalsende rund 37 % des Portfolios aus. Die jährliche Gebühr des ETFs beträgt 0,85 %.
Eine weitere Option ist der VanEck Vietnam ETF (ISIN: US92189F8178, WKN: A2AHKE), der den MarketVector Vietnam Local Index abbildet und derzeit 54 Positionen zählt und damit etwas breiter diversifiziert ist. Die jährlichen Gebühren betragen 0,68 %.
ETFs decken oft nur einen Teilmarkt ab
Bei allen Vietnam-ETFs gilt: Die Unternehmen, für die eine Obergrenze für ausländischen Besitz gilt, sind in westlichen ETFs oft gar nicht vertreten. Die Abbildung des Marktes ist damit nur begrenzt möglich.
Dafür lockt Vietnam mit den typischen Vorzügen eines Schwellenlandes: Das Wirtschaftswachstum soll in diesem Jahr 6,6 % erreichen.
FTSE Russel hat auch die Einstufung anderer Länder geändert. Griechenland wird im September 2026 von einem ,,fortgeschrittenen Schwellenland" zum ,,entwickelten Markt" hochgestuft. Ägypten dagegen droht eine Herabstufung zum Frontier-Markt: Das Land wurde auf eine Beobachtungsliste gesetzt. Nigeria dagegen findet sich nun auf einer Liste mit möglichen Kandidaten für eine Hochstufung zum Frontier Market.