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ChatGPTOpenAI weitet Anzeigengeschäft auf Europa aus

Die enorme Reichweite soll sich für OpenAI vom Kostenblock zur Erlösquelle wandeln. Entscheidend ist, ob die klare Trennung von Antworten und Anzeigen das Vertrauen der Nutzer schützt.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 6 min
Titelbild: [M] Verumo, Alex Shuper / Unsplash, mit KI bearbeitet

OpenAI bringt Werbung in seinen Chatbot ChatGPT nach Deutschland. Damit weitet das US-amerikanische KI-Unternehmen das noch junge Anzeigengeschäft auf Europa aus. Ab Montag, 24. August, können Anzeigen in 31 europäischen Märkten erscheinen, etwa in Deutschland, Österreich, Frankreich und in der Schweiz. Betroffen sind Nutzer des kostenlosen Angebots Free sowie Abonnenten des günstigen Einstiegstarifs. Go. Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bleiben werbefrei.

Werbung bleibt sichtbar von Antworten getrennt

Die Anzeigen sollen unterhalb einer ChatGPT-Antwort erscheinen, klar abgesetzt und als "gesponsert" gekennzeichnet. OpenAI betont, dass bezahlte Platzierungen die Antworten des Chatbots nicht beeinflussen. Werbetreibende erhalten keine Chatverläufe, Erinnerungen oder personenbezogenen Daten, sondern nur zusammengefasste Leistungsdaten wie Aufrufe und Klicks.

Im Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz sind personalisierte Anzeigen zunächst nicht verfügbar. Dabei würden zusätzlich Signale aus der bisherigen ChatGPT-Nutzung, etwa frühere Chats, Erinnerungen oder Anzeigeninteraktionen, in die Auswahl einfließen. Der aktuelle Chat kann die angezeigte Werbung trotzdem beeinflussen. Auch allgemeiner Standort und Sprache können berücksichtigt werden. Temporäre Chats bleiben vollständig werbefrei.

Auch sensible Gesprächsfelder sollen geschützt bleiben. OpenAI schließt persönliche und psychische Gesundheit sowie Politik als Umfeld für Anzeigen aus. Konten, die Minderjährigen zugeordnet werden, will das Unternehmen ebenfalls keine Werbung zeigen.

Wer ganz auf Anzeigen verzichten will, muss nicht zwingend zahlen. Die kostenlose werbefreie Option senkt allerdings die Nachrichtenlimits und beschränkt den Werkzeugzugang. Als Funktionen, die dann entfallen können, nennt OpenAI ausdrücklich Bildgenerierung und Deep Research.

ChatGPTs Reichweite wird zum neuen Werbemarkt

Der Schritt ist für OpenAI keine bloße Produktmodifikation. Die riesige Gratisbasis zuzüglich der Go-Abonnenten wird zur möglichen Erlösquelle. OpenAI meldete am 13. August, seine Produkte erreichten mehr als eine Milliarde wöchentlich aktive Nutzer und mehr als zwei Millionen Unternehmen. Laut dpa nutzen nach aktuellen Schätzungen noch immer mehr als vier Fünftel der monatlichen Anwender die kostenlose ChatGPT-Version.

Diese Reichweite verursacht erhebliche Infrastrukturkosten, ohne dass jeder Nutzer direkt zahlt. OpenAI begründet die Werbetests mit laufenden Investitionen, die Free und Go schnell und zuverlässig halten sollen. Schon geringe Erlöse je Gratisnutzer könnten angesichts der Größenordnung wirtschaftlich ins Gewicht fallen.

Für OpenAI markiert Werbung zugleich einen Kurswechsel. Noch im Mai 2024 hatte Mitgründer und Firmenchef Sam Altman das Modell öffentlich kritisch gesehen. Im Herbst 2025 zeigte er sich offener und verwies auf die Fotoplattform Instagram als Beispiel für potenziell nützliche Werbung.

OpenAI baut das Anzeigengeschäft systematisch aus

In den USA begann die Anzeigeneinblendung bereits am 9. Februar 2026. Ende März erklärte OpenAI, frühe Tests hätten die gemessenen Vertrauenswerte nicht beeinträchtigt und Anzeigen seien nur selten ausgeblendet worden. Das Unternehmen nannte diese Signale ausdrücklich als Unterstützung für die nächste Ausbauphase.

Inzwischen ist das System weit mehr als ein einfacher Test einzelner Anzeigen. Werbekunden können Kampagnen nach Sichtkontakten oder Klicks abrechnen und zusätzlich auf gewünschte Folgeaktionen optimieren. Dazu zählen etwa Käufe, Anmeldungen oder andere definierte Ergebnisse nach einer Anzeigeninteraktion.

OpenAI hat außerdem einen Werbeanzeigenmanager im Betatest aufgebaut, über den Unternehmen Kampagnen selbst erstellen und steuern können. Für die neu erschlossenen europäischen Märkte soll dieser Selbstbedienungszugang noch im Sommer folgen. Einen konkreten Termin nennt OpenAI bislang nicht. Bis dahin läuft die Buchung dort zunächst über OpenAI sowie Agentur- und Technologiepartner. Nach Unternehmensangaben haben inzwischen Zehntausende Werbetreibende Anzeigen in ChatGPT geschaltet.

Europa entscheidet über die Vertrauensfrage

OpenAI berücksichtigt bei der Ausspielung der Anzeigen den Kontext und die Absicht einer laufenden Unterhaltung statt lediglich einzelner Begriffe. Werbetreibende können thematische Hinweise geben, die jedoch keine exakten Schlüsselwortregeln darstellen.

Das macht die Platzierung wirtschaftlich interessant, erhöht aber zugleich den Anspruch an die Trennung zwischen Antwort und Werbung. ChatGPT wird häufig genutzt, wenn Menschen Optionen prüfen, Produkte vergleichen oder Entscheidungen vorbereiten. Bezahlte Inhalte treffen in solchen Situationen auf ein Umfeld, in dem Vertrauen besonders wertvoll ist.

Europa wird deshalb zum wichtigen Belastungstest. Hier trifft das neue Erlösmodell auf hohe Anforderungen an Datenschutz und Transparenz. OpenAI versucht, diesen Konflikt durch sichtbare Trennung, Datenschutzregeln und werbefreie sensible Gesprächsfelder zu entschärfen.

Gelingt dieser Spagat im laufenden Betrieb, könnte Werbung für OpenAI zu einer dauerhaften Finanzierungssäule für den kostenlosen Zugang werden. Misslingt er, wäre ausgerechnet das Vertrauen gefährdet, das ChatGPT für sein neues Werbegeschäft besonders wertvoll macht.