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RobotikUnitrees IPO setzt neuen Maßstab für Chinas Robotikbranche

Unitrees spektakulärer Börsenstart unterstreicht die hohe Nachfrage nach chinesischer Robotik. Das starke Wachstum und die Expansion bei humanoiden Robotern wecken hohe Erwartungen. Der IPO könnte zum Maßstab für die Branche werden, während neue US-Regeln das internationale Geschäft erschweren.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 6 min
Titelbild: Web Summit / Sportsfile / Shauna Clinton / Flickr, CC BY 4.0

Der chinesische Robotikhersteller Unitree hat bei seinem Börsendebüt in Shanghai einen außergewöhnlichen Kurssprung hingelegt. Die Aktie stieg am Mittwoch zeitweise um 629 % über den Ausgabepreis. Zum Handelsschluss blieb bei 845 Yuan (rund 125,31 USD) ein Plus von 460 %.

Der Ausgabepreis war auf 150,80 Yuan je Aktie festgesetzt worden. Nach Handlesbeginn kletterte die Marktkapitalisierung zeitweise auf 445 Mrd. Yuan, knapp 66 Mrd. US-Dollar.

Schon vor dem ersten Handelstag zeichnete sich die enorme Nachfrage in China ab. Die für Privatanleger vorgesehene Tranche war mehr als 5.500-fach überzeichnet. Unitrees hohe Markenbekanntheit dürfte dabei geholfen haben. Mit ihren tanzenden, springenden und boxenden Robotern erreichte die Firma ein Publikum weit über klassische Industriekunden hinaus.

Bewertung läuft den Geschäftszahlen davon

Die Börseneuphorie hat Unitrees nachlaufendes Kurs-Gewinn-Verhältnis auf rund 1.200 steigen lassen. Dem steht ein schnell wachsendes Geschäft gegenüber. Unitree erzielte 2025 rund 1,70 Mrd. Yuan Umsatz und 590,75 Mio. Yuan bereinigten Nettogewinn.

Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 48,54 %, während der bereinigte Nettogewinn um 19,34 % sank. Unitree führt den Gewinnrückgang auf höhere Forschungs- und Vertriebsausgaben zurück.

Humanoide Roboter werden zum Kerngeschäft

Unitree lieferte im vergangenen Jahr mehr als 5.500 humanoide Roboter aus. Auch finanziell ist die Sparte inzwischen zum Kern des Unternehmens geworden. Humanoide Roboter erzielten 2025 rund 867,8 Mio. Yuan Umsatz. Ihr Anteil am Kerngeschäft stieg auf 51,78 %, nach nur 1,88 % im Jahr 2023. Daneben verkauft Unitree vor allem vierbeinige Roboter sowie Komponenten wie Gelenkmodule, Greifhände und Sensoren.

Sein selbst entwickeltes allgemeines Modell für verkörperte KI hat Unitree jedoch bislang nicht breit in seinen Robotern eingesetzt. Nach den Börsenunterlagen läuft die Technik bisher in Pilotumgebungen, darunter in eigenen Fabriken. Die breitere Nutzung intelligenter Anwendungen bleibt damit ein entscheidender Faktor für weiteres Wachstum.

Börsengang finanziert vor allem den nächsten Technologiesprung

Die Mittelverwendung verweist jedoch auf den nächsten Engpass. Die Hardware verkauft sich bereits in relevanter Stückzahl. Allgemeine verkörperte KI wird dagegen noch nicht breit produktiv eingesetzt. Das Kapital soll diese Lücke verkleinern und zugleich die Fertigung für steigende Stückzahlen vorbereiten.

Mit dem Börsengang nahm Unitree rund 6,1 Mrd. Yuan ein, umgerechnet 904 Mio. USD. In den Börsenunterlagen waren für vier konkrete Investitionsprojekte insgesamt 4,20 Mrd. Yuan vorgesehen. Davon entfallen etwa 2,02 Mrd. Yuan auf die Entwicklung intelligenter Robotermodelle. Weitere Mittel sollen in Robotik-Hardware, neue Produkte und eine Fertigungsbasis fließen.

Chinas Robotikbranche drängt an die Börse

Der Börsengang setzt zudem einen neuen Referenzpunkt für Konkurrenten. AgiBot, einer der wichtigsten Rivalen, wird zwar weiterhin privat geführt. Der chinesische Robotikhersteller UBTech CNE100006CQ4A4009U ist dagegen in Hongkong gelistet.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, bereitet auch AiMOGA Robotics, die Robotiksparte des chinesischen Autoherstellers Chery CNE1000073Z4A41K7X, einen Börsengang vor. Das Unternehmen spricht mit mehreren möglichen Börsenplätzen, ein Zeitpunkt steht noch nicht fest.

AiMOGA kann dabei bereits konkrete Anwendungen vorweisen. In mehreren chinesischen Städten sind bereits humanoide Polizeiroboter im Einsatz. Sie unterstützen bei Verkehrslenkung, der Führung von Menschenmengen und Informationskampagnen zur öffentlichen Sicherheit.

Auch der Mitbewerber Lumos Robotics erwägt laut Reuters eine Börsennotierung im kommenden Jahr. Unitree könnte so zum Bewertungsmaßstab für eine ganze Reihe weiterer chinesischer Robotikanbieter werden.

US-Geschäft bleibt politisches Risiko

Mehr als 40 % von Unitrees Umsatz kamen 2025 aus dem Ausland, rund 13 % des Gesamtumsatzes aus den USA. Doch dort gibt es nun Hindernisse. Ende Juli nahm die US-Telekomaufsicht FCC im Ausland produzierte fortgeschrittene Roboter auf ihre sogenannte Covered List. Neue Geräte dieser Kategorie erhalten grundsätzlich keine FCC-Zulassung, sofern keine bedingte Freigabe greift. Diese Zulassung ist für Import, Vermarktung oder Verkauf vieler elektronischer Geräte in den USA erforderlich. Die neue amerikanische Regulierung betrifft damit einen wichtigen, wenn auch nicht den dominierenden Absatzmarkt.

Bereits zugelassene Ausführungen und schon gekaufte Geräte sind von der Maßnahme nicht betroffen. Zudem können Hersteller für bestimmte Produkte eine bedingte Freigabe beantragen. Das begrenzt den unmittelbaren Effekt, erhöht aber das Risiko für künftige Produktgenerationen.

Unitrees Börsendebüt dürfte deshalb kaum der letzte Kapitalmarkttest für Chinas Robotikbranche bleiben. International ist das Land bei humanoiden Robotern allerdings nicht konkurrenzlos. Auch in den USA arbeitet eine große Zahl von Unternehmen und Start-ups an der Technologie. Chinas industrielles Fundament ist dennoch außergewöhnlich breit: Ende 2024 waren dort rund zwei Millionen Industrieroboter im Einsatz, etwa 4,5-mal so viele wie in Japan.