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Century BondsGoogles 100-jährige Anleihe: Machtdemonstration oder Selbstüberschätzung?

Die Jahrhundertanleihe ließ sich problemlos am Markt unterbringen. Manche sehen in der Emission eine Machtdemonstration von Alphabet, andere warnen vor Selbstüberschätzung und verweisen auf einen gestürzten Riesen der 1990er.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Rubaitul Azad / Unsplash

Die Google-Mutter Alphabet (ISIN: US02079K1079, WKN: A14Y6H) hat in dieser Woche eine Anleihe mit 100 Jahren Laufzeit am Bondmarkt platziert. 5,5 Milliarden GBP wurden in einer fünfteiligen Transaktion begeben. Die Anleihe ist mit einem jährlichen Zinskupon von 6,125 % ausgestattet. Da die Nachfrage das Angebot überstieg, belief sich die Rendite zum Ausgabekurs auf 6,05 %.

"Solide Nachfrage nach ultralangfristigen Anleihen"

Manche Anleger dürfen sich die Frage stellen: Wer kauft Anleihen mit 100 Jahren Laufzeit eigentlich? Nicholas Elfner von Breckinridge Capital Advisors nennt eine klare Zielgruppe: "Es besteht eine solide Nachfrage nach ultralangfristigen Anleihen, insbesondere von Lebensversicherern, Pensionsfonds und Stiftungen mit langfristigen Verpflichtungen, angesichts eines relativen Mangels an Emissionen langlaufender Unternehmensanleihen."

Jahrhundertanleihen sind aufgrund ihrer sogenannten "hohen Konvexität" oft von großem Interesse für Hedgefonds. "Bei einer Anleihe mit hoher Konvexität fällt der Kurs bei steigenden Renditen weniger stark, als er bei fallenden Renditen steigt. Diese Asymmetrie ist für einige Anleger sehr interessant, da sie diese als Absicherung nutzen können, falls die Zinsen sinken", erläutert Ioannis Rallis von JP Morgan.

Manche Marktbeobachter sehen in der erfolgreichen Platzierung einen Vertrauensbeweis für die zuletzt in die Kritik geratenen, hohen KI-Investitionen der Tech-Giganten. "Jahrhundertanleihen sind üblicherweise das Privileg von Regierungen oder regulierten Versorgungsunternehmen mit sehr vorhersehbaren Cashflows. Dieser Deal zeigt, dass Investoren zumindest vorerst bereit sind, ein sehr langfristiges Risiko im Zusammenhang mit KI-Investitionen einzugehen", sagte Lale Akoner, globale Marktanalystin bei eToro.

Jahrhundertanleihen sind grundsätzlich selten, aber keine Neuheit. Ein prominentes Beispiel ist die 2017 aufgelegte Staatsanleihe der Republik Österreich mit 100 Jahren Laufzeit. Diese wurde mit einem Zinscoupon von 2,1 % ausgestattet.

Der Kursverlauf ist bemerkenswert. Bis Oktober 2020 stieg das Papier auf 221 % des Nennwertes. Aktuell notiert die Jahrhundertanleihe bei gut 58 %. Dies verdeutlicht das Kursrisiko, das mit Zinsänderungen bei sehr langen Laufzeiten verbunden ist. Das Projekt traf auf so große Nachfrage, dass Österreich bereits 2020 die nächste 100-jährige Anleihe emittierte.

Auch andere Länder, darunter Irland, Belgien, Mexiko und Argentinien, haben in den letzten Jahrzehnten 100-jährige Anleihen begeben. Neben Staaten haben auch staatsnahe Institutionen, z. B. die Universität Oxford, sowie einige Unternehmen, darunter Walt Disney, Coca-Cola und Motorola, bereits 100-jährige Bonds emittiert.

Die 1997 erfolgte Emission durch Motorola war die bislang letzte dieser Art auf Unternehmensebene. Auf diese Anleihen nahm zum Wochenbeginn der Investor Michael Burry Bezug.

Er warnt vor Parallelen zum Niedergang von Motorola Solutions. "Alphabet plant die Ausgabe einer 100-jährigen Anleihe. Das letzte Mal geschah dies bei Motorola im Jahr 1997, dem letzten Jahr, in dem Motorola noch als bedeutendes Unternehmen galt", schrieb er auf X. Motorola wurde danach zunächst durch Nokia und anschließend durch Apple vom Markt verdrängt. Burry kritisiert die KI-Riesen für ihre hohen Investitionen.

"Die Anleihe selbst war nicht die Ursache für Motorolas Niedergang, aber die Entscheidung zu ihrer Emission wirkte wie ein Symptom klassischer unternehmerischer Hybris", kommentierte Allison Morrow von CNN.

Andere sehen im Gegenteil die Platzierung als Machtdemonstration. "Sie signalisieren allen anderen, dass sie überzeugt sind, das Rennen um KI zu gewinnen. So überzeugt, dass sie Kredite für 100 Jahre aufnehmen", sagt Gil Luria vom Vermögensverwalter D.A. Davidson.