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BlasenbildungBedrohen KI-Investitionen die Finanzmarktstabilität?

Die Technologieriesen steigern ihre KI-Investitionen in hohem Tempo. An den Märkten führt dies zu Unbehagen: Innerhalb weniger Tage ging die kombinierte Marktkapitalisierung um fast das 1,5-fache angekündigte Investitionen zurück. Bondinvestoren sollten die Entwicklung nicht ignorieren.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: [M] Verumo, Igor Omilaev / Unsplash

660 Mrd. USD: So viel wollen die großen Technologiekonzerne in diesem Jahr in KI investieren. Die Summen führen an den Finanzmärkten seit geraumer Zeit zu Zweifeln. Markteinnehmer befürchten, dass die Investitionen das Ertragspotenzial langfristig übersteigen.

Big Tech verliert nach Zahlen 900 Mrd. Market Cap

900 Mrd. USD: So groß war der kombinierte Verlust an Marktkapitalisierung bei Amazon (ISIN: US0231351067, WKN: 906866), Google (ISIN: US02079K1079, WKN: A14Y6H) und Microsoft (ISIN: US5949181045, WKN: 870747), nachdem die Unternehmen Zahlen veröffentlicht hatten. Der Verlauf der Investitionen spricht für sich: 2024 investierten die Unternehmen zusammen mit Meta (ISIN: US30303M1027, WKN: A1JWVX) noch 245 Mrd. USD. 2025 waren es bereits 410 Mrd. USD. 2026 folgt nun ein weiterer Anstieg um 60 %.

Die Umsatzentwicklung der Unternehmen reicht aus Sicht der Marktteilnehmer offenbar nicht aus, um diese Investitionen zu rechtfertigen. Der gemeinsame Jahresumsatz stieg um 14 % auf 1,6 Billionen USD. Auch der Hinweis etwa durch Amazon, dass das Umsatzwachstum von 24 % im Bereich Web Services bereits zeige, dass sich die Investitionen allmählich auszahlten, vermag die Märkte nicht zu beruhigen.

Ähnlich bei Microsoft: 26 % Wachstum in der Cloud-Sparte auf einen Umsatz von 51,5 Milliarden US-Dollar sind beeindruckend. Gleichzeitig steigen jedoch die Ausgaben für Rechenzentren um 66 % gegenüber dem Vorquartal. Im Fall von Microsoft kommen noch Sorgen um eine zu große Abhängigkeit von OpenAI hinzu.

Selbst Alphabet, das einen Umsatz jenseits von 400 Mrd. USD meldete und 2025 nicht weniger als 132 Mrd. USD Gewinn machte, wurde für die geplanten Investitionsausgaben in Höhe von 185 Mrd. USD abgestraft.

Big Tech abgestraft - außer Apple

Dass die KI-Investitionen der maßgebliche Grund für die jüngsten Kursverluste sind, wird mit einem Blick auf die Apple-Aktie (ISIN: US0378331005, WKN: 865985) deutlich. Der Aktienkurs des Unternehmens, das sich dem Wettbewerb um die höchsten KI-Investitionen durch einen Deal mit Alphabet weitgehend entzogen hat, legte seit den letzten Zahlen um 7,5 % zu.

Auch Meta konnte nach den Zahlen zunächst zulegen, obwohl die Investitionsausgaben um 100 % auf 135 Mrd. USD steigen. Der Grund: Die Facebook-Mutter konnte, wenn auch auf kleiner Skala, demonstrieren, dass KI die Werbeeinnahmen steigern kann. Im allgemeinen Abwärtssog des Technologiesektors in dieser Woche wurden die Gewinne jedoch im Wesentlichen wieder abgegeben.

"Die Angst vor einer KI-Blase kehrt zurück", sagte Brent Thill, Analyst bei Jefferies. Anna Nunoo von AllianceBernstein warnt: "Es liegt nun an Microsoft und Amazon, den Nutzen all dieser Ausgaben nachzuweisen."

Der Cashflow aus dem operativen Geschäft (zum Beispiel das Werbegeschäft bei Google) reicht über den gesamten Sektor hinweg gesehen, bei weitem nicht aus, um die Investitionen zu stemmen.

Morgan Stanley etwa rechnet damit, dass allein in diesem Jahr 400 Mrd. USD über den Bondmarkt finanziert werden müssen. JP Morgan rechnet bis 2030 mit Anleihe-Emissionen im Volumen von 1,5 Billionen USD. Dabei haben bereits Emissionen in den vergangenen Monaten dessen begrenzte Aufnahmefähigkeit gezeigt. Oracle und Meta mussten deutliche Risikoausschläge zahlen.

Wer in Corporate Bond Benchmarks investiert, trägt das KI-Risiko

Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf alle Investoren, die am Bondmarkt investieren - zum Beispiel, über breit streuende ETFs. JP Morgan rechnet vor, dass der KI-Sektor am Ende des Jahrzehnts mehr als 20 % des Marktes für Unternehmensanleihen mit Investment-Rate-Rating einnehmen wird. Wer breit gestreut in diesen Markt investiert, legt sich damit automatisch die mit den hohen KI-Investitionen einhergehenden Risiken ins Depot.

Das bedeutet einen regelrechten Shift, weil in diesem Teil des Anleihemarktes bislang Schuldverschreibungen von Banken und Telekommunikationsunternehmen dominieren, die weitgehend unabhängig von den Risiken des Tech-Sektors sind.

Analysten von S&P Global warnen vor einer massiven zeitlichen Lücke zwischen den Investitionsausgaben und Mittelrückflüssen in Form von Erträgen. Die Analysten warnen, die Märkte hätten sich auf das "wahrgenommene Potenzial" der KI-Technologie fokussiert und die nüchternen Zahlen außer Acht gelassen. Dadurch wachse die Gefahr einer Blasenbildung.