
Börsen weltweit: Die bemerkenswerte Häufung crashartiger Kursverluste
An den globalen Aktienmärkten häufen sich in letzter Zeit crashartige Kursverluste. Für jeden Crash lassen sich spezifische Gründe anführen. Anleger sollten dennoch prüfen, wie sturmfest ihr Portfolio in diesen Tagen ist.
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Diesen Wahlausgang hatten die Märkte offenbar nicht erwartet: Nach dem Sieg Lulas stürzte der brasilianische Real am 26. Oktober am FX Markt um mehr als 11 % ab. Es handelte sich um einen der größten Intraday-Rückgänge seit Beginn der Aufzeichnungen. Gleichzeitig gab der Leitindex Bovespa um 14 % nach.
Zum ganzen Bild gehört auch, dass sowohl der Aktienmarkt als auch der Wechselkurs in der Zeit vor den Wahlen deutlich zugelegt hatten. Der Bovespa notiert nun auf dem Niveau von Mitte August, der Real allerdings fiel noch unter dieses Niveau hinab.
Brasiliens Aktiencrash reiht sich in andere Crashs ein
Bemerkenswert an dem Crash in Brasilien ist, dass er sich einreiht in eine Abfolge anderer Crash-Ereignisse andernorts. Der Jakarta Composite Index etwa brach am 16. Oktober um 11 % ein, was den stärksten Tagesverlust seit 1998 markierte. Der Index verlor im Oktober rund 18 % und liegt seit Jahresbeginn bei etwa –40 %.
Ursächlich war hier eine für ausländische Kapitalflüsse wegweisende Entscheidung von MSCI: Der Indexanbieter erwägt, das Land vom Schwellenland in den Status eines eigenständigen Marktes umzuklassifizieren, was Fonds, die die Schwellenländerindizes von MSCI abbilden, zu Verkäufen veranlassen würde. Zuvor hatten die Märkte lediglich mit einer Herabstufung zum Frontier Market gerechnet.
Korea, Taiwan, China: Märkte im Abwärtssog
Nach einem Crash dürfte sich für die meisten Investoren auch die Entwicklung des koreanischen Kospi anfühlen – ganz besonders für jene, die dessen chipgetriebener Rallye erst relativ spät beitraten. Um rund 37 % ging es seit dem Hoch im Juni abwärts. Allein am 15. Oktober gab der Index um 7,6 % nach. Die Gründe hier: KI-Zweifel, Verkäufe ausländischer Investoren und Marktrotation.
Relativ mild erscheint dagegen der Oktober-Rückgang im TAIEX, dem Leitindex der Taiwan Stock Exchange in Taipeh. Der TAIEX fiel im Oktober um 2.728,3 Punkte bzw. 5,69 %, was allerdings dem schlechtesten Monatsergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen entspricht.
Der chinesische Aktienmarkt zeigt ebenfalls Schwäche, wenngleich hier kein Crash im engeren Sinne vorliegt. Der Markt hat seit seinem Höchststand im Mai 3,5 Billionen US-Dollar an Wert verloren, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. Der Kurssturz verschärfte sich letzte Woche und trieb den chinesischen Leitindex CSI 300 in einen Bärenmarkt. Die Aktien von MetaX und MooreThreads haben sich seit ihren Hochs im Juli mehr als halbiert.
Intel mit stärkstem Kursverlust seit 1974
Crashs ließen sich zuletzt auch bei einer Reihe von US-Aktien beobachten. Intel etwa gab am 30. Oktober um fast 29 % nach, was der schlechtesten Tagesperformance seit 1974 entspricht. Ursächlich war ein schwacher Geschäftsausblick. Alphabet hatte kurz zuvor im Rahmen der Berichtssaison an einem Tag 12 % des Börsenwertes eingebüßt. Die Reddit Aktie gab am 30. Oktober um fast 30 % nach.
Was bedeutet das für Anleger? Viele Marktteilnehmer scheinen mit dem sprichwörtlichen Finger am Abzug vor dem Bildschirm zu sitzen. Tatsächlich oder vermeintlich schwache Zahlen können binnen Minuten Kursverluste im zweistelligen Prozentbereich auslösen.
Welche konkreten Maßnahmen können Anleger treffen, um ihr Portfolio zu schützen? Eine Option sind Equal Weight ETFs, die Indizes wie den S&P 500 oder NASDAQ-100 ohne die starke Gewichtung einzelner Unternehmen abbilden. Kommt es bei diesen Schwergewichten zu starken Kursrückgängen, leiden die Equal Weight Indizes geringer. Langfristig verzichten Anleger jedoch auf einen Teil der möglichen Erträge, weil besonders starke Aktien anders als im Standard-Index nicht an Gewicht gewinnen.
Eine weitere Option sind Indizes, die gezielt in die am wenigsten volatile Teilmenge eines Marktes investieren. Der S&P 500 Low Volatility Index etwa bildet jene 100 Wertpapiere im S&P 500 mit der geringsten Volatilität ab.
Die andere Option ist die Seitenlinie, die zumindest in Gestalt des Bondmarktes wieder attraktive Zinsen verspricht. Die Seitenlinie bedeutet aber auch, im Fall einer bullishen Bewegung nicht mit dabei zu sein. Da viele Aktienkurse bereits stark gefallen sind, der Zinszyklus fortgeschritten ist und eine historisch günstige Gridlock-Situation in den USA ansteht, könnte dies eine teure Entscheidung sein.