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Bewertungslücke bei ChipsChipzulieferer Qnity bietet Kurschance hinter dem KI-Chip-Boom

Je komplexer Halbleiter werden, desto wichtiger sind Spezialmaterialien. Der US-Zulieferer Qnity profitiert davon, wird an der Börse aber niedriger bewertet als der Konkurrent Entegris. Analysten sehen über 40 % Kurspotenzial. Die Abhängigkeit von Taiwan birgt Risiken.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Getty Images / Unsplash

Bei der Herstellung moderner Chips wächst mit zunehmender technischer Komplexität der Bedarf an Spezialmaterialien. Davon könnte der US-amerikanische Halbleiterzulieferer Qnity ISIN US74743L1008 WKN A41FSG an der Börse besonders profitieren. Analysten sehen mehr als 40 % Kurspotenzial, allerdings birgt die starke Ausrichtung des Geschäfts auf Asien erhebliche Risiken.

Mehr Fertigungsschritte erhöhen Qnitys Absatzchancen

In den Chipfabriken machen immer kleinere Transistoren, zusätzliche Schichten und neue Verbindungstechniken die Fertigung anspruchsvoller. Dafür sind zusätzliche Prozessschritte und hochspezialisierte Materialien nötig. Je aufwendiger die Produktion, desto größer kann Qnitys Geschäft mit dem einzelnen Chip ausfallen.

Das Unternehmen liefert unter anderem Poliermaterialien für Siliziumscheiben, Stoffe für die Belichtung feiner Schaltkreise, Verbindungsmaterialien und Lösungen zur Wärmeabfuhr. Das Geschäft verteilt sich auf zwei große Bereiche. Im Jahr 2025 erzielte die Sparte Halbleitertechnologien 2,64 Mrd. USD Umsatz, Verbindungslösungen für elektronische Bauteile weitere 2,11 Mrd. USD. Letztere kommen etwa bei der elektrischen Kontaktierung und Kühlung leistungsfähiger Chips zum Einsatz.

Insbesondere bei modernen Hochleistungschips sind solche Produkte unverzichtbar. Extrem ultraviolettes Licht ermöglicht bei der Belichtung winzige Strukturen. Gleichzeitig werden Bauelemente zunehmend übereinandergestapelt, damit sich auf begrenztem Raum mehr Rechenleistung unterbringen lässt. Für die aufwendige Verbindung mehrerer Chipbausteine stellte Qnity Ende August die Poliermittelreihe Stackplane vor. Sie ermöglicht die präzise Glättung von Oberflächen bei verschiedenen Arbeitsschritten der modernen Chipmontage.

Das Wachstum des Zulieferers hängt damit an zwei Entwicklungen. Die Nachfrage nach Rechenleistung steigt durch künstliche Intelligenz. Daneben erfordert die Herstellung anspruchsvollerer Chips mehr Material und technische Unterstützung je Bauteil. Mehr als 90 % des Umsatzes stammten 2025 aus Produkten, die im Herstellungsprozess verbraucht oder in fertige Geräte eingebaut werden. Qnity kann somit auch dann vom technologischen Fortschritt profitieren, wenn die Zahl der gefertigten Chips weniger stark wächst.

Der Börsenneuling trägt noch einen Bewertungsabschlag

Qnity wurde im November 2025 aus dem US-Spezialchemiekonzern DuPont ISIN US26614N2018 WKN A42BMN ausgegliedert und eigenständig. Solche Abspaltungen können Geschäftsbereiche sichtbarer machen und eine gezieltere Verwendung des verfügbaren Kapitals ermöglichen. An der Börse ist diese Neubewertung bei Qnity möglicherweise noch nicht abgeschlossen.

Auf Basis der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne wird der Zulieferer mit dem rund 24-Fachen bewertet. Für den Wettbewerber Entegris ISIN US29362U1043 WKN 938201, einen Halbleitermaterial-Spezialisten, zahlen Anleger nach den zugrunde liegenden Schätzungen etwa das 33-Fache. DuPont kommt auf ungefähr das 17-Fache. Nach einer Modellrechnung des US-Anlegermagazins Barron's entspräche ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 30 einem Qnity-Kurs von rund 160 USD.

Eine mögliche Erklärung für den Bewertungsabschlag ist Qnitys geringe Bekanntheit an der Wall Street. Frank Mitsch vom US-Analysehaus Fermium Research zählt nur zehn Experten, die Qnity regelmäßig beobachten. Bei einem durchschnittlichen Unternehmen des US-Aktienindex S&P 500 seien es etwa 25. Wenn sich künftig mehr institutionelle Investoren mit der Aktie beschäftigen, könnte sich der Bewertungsabstand verringern.

Mitsch nennt ein Kursziel von 175 USD, Analyst Arun Viswanathan von der kanadischen Bankensparte RBC Capital Markets sogar 189 USD. Gegenüber dem Schlusskurs vom 14. Oktober 2026 von 121,62 USD entspricht dies rund 44 beziehungsweise 55 % Potenzial. Beide Ziele beruhen auf Prognosen und garantieren keine entsprechende Kursentwicklung.

Starkes Wachstum und deutliche Unterschiede beim Gewinn

Für eine höhere Bewertung braucht Qnity überzeugende operative Ergebnisse. Seit der Eigenständigkeit übertraf das Unternehmen laut Barron's in drei Quartalen die Umsatz- und Gewinnerwartungen der Analysten.

Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 22 % auf 1,43 Mrd. USD. In der Sparte Verbindungslösungen betrug das Plus 30 %, bei Halbleitermaterialien 16 %. Der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich um 53 % auf 1,19 USD. Nach den US-Rechnungslegungsregeln sank der unbereinigte Gewinn je Aktie hingegen um 34 % auf 0,59 USD.

Die positive Wachstumseinschätzung stützt sich somit wesentlich auf bereinigte Kennzahlen. Diese lassen unter anderem bestimmte Abschreibungen und Sonderposten unberücksichtigt. Trotz des kräftigen Umsatzwachstums bleibt deshalb die rückläufige Entwicklung des ausgewiesenen Gewinns je Aktie ein wichtiger Bewertungsfaktor.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Konzern nach seiner im August angehobenen Prognose 5,55 bis 5,65 Mrd. USD Umsatz. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll 1,675 bis 1,725 Mrd. USD erreichen. Für 2027 rechnen Analysten bei dieser Ergebniskennzahl bereits mit rund zwei Milliarden USD. Als Qnity im November 2025 aus DuPont ausgegliedert wurde, lag die entsprechende Schätzung noch bei etwa 1,6 Mrd. USD.

Für Qnitys operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erwarten Analysten laut Barron's in den kommenden drei Jahren ein jährliches Wachstum von etwa 8 %. Beim Wettbewerber Entegris rechnen sie dagegen mit knapp 10 %. Die Bewertungsdifferenz ist daher durchaus bemerkenswert, lässt sich allein aus den Wachstumserwartungen aber nicht abschließend beurteilen.

Zukäufe bieten Chancen, Taiwan erhöht das Risiko

Qnity-Chef Jon Kemp sieht finanziellen Spielraum für mögliche Übernahmen, obwohl rund drei Milliarden USD Nettoschulden in der Bilanz stehen. Das entspricht weniger als dem Doppelten des für 2026 erwarteten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Zum Vergleich liegt dieser Verschuldungsgrad bei Industrieunternehmen im S&P 500 im Durchschnitt bei etwa 1,6.

Weitaus schwerer wiegt die Abhängigkeit von der Halbleiterfertigung in Taiwan, wo ein großer Teil der modernsten Chips produziert wird. Zu Qnitys größten Kunden gehört der Chipauftragsfertiger Taiwan Semiconductor Manufacturing ISIN US8740391003 WKN 909800. Auf ihn entfielen 2025 rund 8 % des Qnity-Umsatzes. Mit 11 % war der südkoreanische Elektronik- und Halbleiterhersteller Samsung Electronics ISIN KR7005930003 WKN 888322 der größte Einzelkunde. Eine geopolitische Eskalation oder Unterbrechung der Lieferketten könnte Qnity deshalb empfindlich treffen.

Das Geschäft ist insgesamt stark auf Asien ausgerichtet. Rund 79 % der Erlöse kamen 2025 aus dem asiatisch-pazifischen Raum, etwa ein Drittel entfiel auf Kunden in China. Entsprechend bedeutsam sind auch Handelsbeschränkungen und Exportkontrollen. Selbst langjährige Kundenbeziehungen bieten bei Nachfrageschwankungen nur begrenzte Sicherheit. Laut Geschäftsbericht garantieren auch Verträge mit Großkunden keine langfristigen Abnahmemengen.

Auch ein Rückschlag bei den Investitionen in künstliche Intelligenz würde die Nachfrage und die Börsenbewertung belasten. Im Juli notierten Qnity-Aktien zeitweise über 175 USD. Danach setzte zusammen mit anderen Halbleiterwerten eine deutliche Korrektur ein. Der Kursrückgang schafft rechnerisch Aufwärtsspielraum, zeigt aber zugleich die Schwankungsanfälligkeit des Geschäftsmodells.

Langfristig sieht Kemp zusätzliche Absatzmöglichkeiten durch neue Anwendungen künstlicher Intelligenz in Maschinen, Fahrzeugen und Alltagsgeräten. Dafür müssten leistungsfähige Chips zunehmend direkt in solchen Geräten statt ausschließlich in großen Rechenzentren eingesetzt werden. Qnity könnte an dieser Entwicklung über zusätzliche Fertigungsschritte verdienen. Anleger müssen dafür allerdings Taiwan-Risiken und mögliche Rückgänge der KI-Investitionen mittragen.