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Boom dauert anASML meldet Rekordzahlen und volle Auftragsbücher

ASML liefert Schlüsseltechnik für moderne Computerchips und profitiert damit vom KI-Boom. Doch die Nachfrage wächst schneller, als der niederländische Anlagenbauer seine Produktion ausweiten kann. Auch zusätzliche Fertigung und die Aufrüstung vorhandener Maschinen dürften den Engpass vorerst nicht beheben.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 9 min
Titelbild: Bart van Overbeeke / ASML

Der Ausbau der weltweiten Chipproduktion stößt bei besonders leistungsfähigen Fertigungsmaschinen zunehmend an Grenzen. Für 2027 und 2028 rechnet der niederländische Hersteller von Halbleiteranlagen ASML ISIN NL0010273215 WKN A1J4U4 mit einer Nachfrage, die seine bisherige Fertigungsplanung übersteigt. Nach einem Rekordquartal erhöht der Konzern zugleich seine Umsatzprognose für 2026.

Chipkonzerne planen Maschinen bis 2030

Hinter dem wachsenden Bedarf stehen die milliardenschweren Investitionen in künstliche Intelligenz. Sie beschleunigen den Ausbau von Chipfabriken, deren neue Produktionslinien auf hochpräzise Anlagen von ASML angewiesen sind. Tatsächlich reichen die Planungen der Kunden inzwischen weit über die kommenden zwei Jahre hinaus. Einige möchten bereits Maschinen für 2029 oder sogar 2030 bestellen, wie Konzernchef Christophe Fouquet bei der Vorlage der Quartalszahlen am Mittwoch erklärte.

Allerdings entwickelt sich die Nachfrage in den einzelnen Bereichen der Halbleiterindustrie unterschiedlich. Für 2026 erwartet ASML rund 75 % mehr Maschinenumsatz mit Herstellern von Speicherchips. Bei den Produzenten von Rechenchips liegt die Prognose dagegen nur bei etwa zehn Prozent. Das starke Speichergeschäft hängt auch mit der Herstellung moderner DRAM-Chips zusammen. Das sind Arbeitsspeicher, für deren Fertigung zunehmend Maschinen mit extrem kurzwelligem ultraviolettem Licht (EUV) eingesetzt werden.

Seine besondere Stellung in der Wertschöpfungskette ermöglicht ASML, an der wachsenden Nachfrage teilzuhaben. Der Konzern ist weltweit der einzige Hersteller industrieller EUV-Lithografieanlagen. Diese übertragen feinste Schaltkreisstrukturen auf Siliziumscheiben. Auf diese Weise lassen sich besonders leistungsfähige Halbleiter fertigen.

Zu den wichtigsten Kunden gehören der taiwanische Auftragsfertiger TSMC ISIN TW0002330008 WKN 893066, der US-Chipkonzern Intel ISIN US4581401001 WKN 855681 und das südkoreanische Elektronikunternehmen Samsung ISIN KR7005930003 WKN 888322. Alle drei investieren in fortschrittliche Fertigungstechnologien. Samsung plant den industriellen Einsatz einer neuen, noch präziseren EUV-Generation ab 2028. TSMC strebt deren Einführung in die Serienfertigung für 2030 an. Damit entsteht durch die technologische Weiterentwicklung zusätzliche Nachfrage über den aktuellen Ausbauzyklus hinaus.

Kapazitätsausbau stößt an technische Grenzen

ASML hat seine Maschinenproduktion bereits erheblich gesteigert. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Unternehmen mit der Auslieferung von rund 65 EUV-Systemen der aktuellen Generation. Im vergangenen Jahr waren es 44 Maschinen. Dennoch reicht das höhere Produktionsniveau nicht aus, um die erwarteten Bestellungen der kommenden Jahre abzudecken.

Für 2027 soll die Fertigungskapazität der bisherigen EUV-Systeme um weitere 30 % wachsen. Ein entsprechender Ausbau ist auch für sogenannte DUV-Immersionsanlagen geplant. Diese arbeiten mit tiefem ultraviolettem Licht (DUV), dessen Wellenlänge größer ist als die des EUV-Lichts. Sie übernehmen zahlreiche weitere Schritte der Chipfertigung. Für 2028 hatte ASML bislang eine zusätzliche Kapazitätssteigerung um jeweils 30 % geprüft. Inzwischen untersucht der Konzern einen noch stärkeren Ausbau.

Allerdings hängt das Wachstum ebenso von der Versorgung mit hochspezialisierten Bauteilen ab. Bei entscheidenden optischen Komponenten ist ASML auf Carl Zeiss SMT, einen deutschen Spezialhersteller für Halbleiteroptik, angewiesen. Die Lithografieoptiken werden unter anderem an deutschen Standorten in Oberkochen und Wetzlar gefertigt. Zeiss produziert unter anderem hochpräzise Spiegel und optische Baugruppen, für die ASML keinen alternativen Hersteller besitzt. Einen Engpass bei Zeiss sieht ASML für seine aktuellen Ausbaupläne bis 2028 allerdings nicht.

Um die Produktion weiter zu erhöhen, ist ASML auch auf entsprechend höhere Liefermengen seiner Partner angewiesen. Zugleich benötigt der Ausbau der eigenen Fertigung Zeit. Einen wichtigen Beitrag soll eine neue Fertigungsstätte im niederländischen Eindhoven leisten. Im September begann dort der Bau eines weiteren Industriecampus, dessen erste Phase für 2029 vorgesehen ist. Am neuen Standort werden künftig Produktion, Logistik und unterstützende Tätigkeiten enger miteinander verzahnt. Damit will ASML die Herstellung und Installation von Maschinenmodulen beschleunigen und größere Stückzahlen ermöglichen. Kurzfristig bleibt der Konzern jedoch darauf angewiesen, bestehende Anlagen und Fertigungsprozesse effizienter zu nutzen.

Aufrüstungen steigern Leistung vorhandener Anlagen

Ein Teil der zusätzlichen Kapazität soll direkt in den Chipfabriken der Kunden entstehen. Bereits installierte Maschinen können durch technische Aufrüstungen mehr Siliziumscheiben in derselben Zeit bearbeiten. Dadurch steigt die Fertigungsleistung, ohne dass neue Anlagen in entsprechendem Umfang beschafft werden müssen.

Der Bedarf schlägt sich bereits im Geschäft mit Wartung und technischen Verbesserungen nieder. Hier erzielte ASML im dritten Quartal 3,29 Mrd. EUR Umsatz, nach 2,76 Mrd. EUR im Vorquartal. Das waren rund 400 Mio. EUR mehr, als der Konzern für diesen Geschäftsbereich erwartet hatte. Die besonders ertragreichen Aufrüstungen trugen wesentlich dazu bei, dass die Bruttomarge auf 57,5 % stieg. Ein Jahr zuvor lag sie bei 51,6 %.

Parallel arbeitet ASML an leistungsfähigeren Maschinen für künftige Auslieferungen. Das für 2027 angekündigte EUV-Modell NXE:3800F soll bis zu 260 Siliziumscheiben pro Stunde bearbeiten können. Beim gegenwärtigen Modell NXE:3800E liegt dieser Wert bei 230. Auch die nächste Generation wichtiger DUV-Immersionsanlagen soll mit einem Durchsatz von 330 Scheiben pro Stunde die Produktivität steigern.

Für die Chiphersteller haben solche Verbesserungen unmittelbare wirtschaftliche Vorteile. Je mehr Siliziumscheiben eine Maschine bearbeiten kann, desto geringer kann der Bedarf an zusätzlichen Anlagen ausfallen. Zugleich lassen sich die Kosten je Produktionsschritt reduzieren. Die höhere Produktivität kann somit dazu beitragen, die angespannte Versorgungslage zu entschärfen, während neue Maschinen weiterhin knapp bleiben dürften.

Rekordumsatz und ein zusätzlicher Gewinnbeitrag

Die begrenzten Produktionskapazitäten haben das Wachstum bislang kaum gebremst. Im dritten Quartal verkaufte ASML 113 neue Lithografieanlagen, nach nur 66 im Vorjahresquartal. Der Gesamtumsatz stieg um 55 % auf 11,66 Mrd. EUR, während sich der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 4,96 Mrd. EUR mehr als verdoppelte.

Allerdings stammt ein Teil des Gewinnanstiegs aus einem Sondereffekt. Rund 500 Mio. EUR entfielen auf einen Bewertungsgewinn aus der Beteiligung am französischen KI-Unternehmen Mistral. Das operative Geschäft entwickelte sich ebenfalls stark, wie das Umsatzwachstum und die höhere Bruttomarge zeigen.

Die hohe Nachfrage verschafft ASML auch bei den Preisen mehr Spielraum. Ab 2027 sollen höhere Verkaufspreise wirksam werden, deren vollständiger Effekt ab 2028 erwartet wird. Laut Finanzchef Roger Dassen sind die entsprechenden Preisverhandlungen mit den wichtigsten Kunden inzwischen abgeschlossen. Bei besonders gefragten Anlagen dürfte dies künftig zusätzlich zum Umsatz und zur Margenentwicklung beitragen.

Ausbaupläne bergen langfristige Risiken

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet ASML nun mit 44 bis 45 Mrd. EUR Umsatz. Die bisherige Prognose hatte 43 bis 45 Mrd. EUR beziffert. Allein im vierten Quartal sollen Erlöse zwischen 14,2 und 15,2 Mrd. EUR erzielt werden. Die erwartete Bruttomarge liegt bei rund 57 Prozent. Für das Gesamtjahr stellt der Konzern eine Marge von etwa 56 % in Aussicht.

ASML kündigte für Anfang November eine Zwischendividende von 1,88 EUR je Aktie an. Im dritten Quartal kaufte das Unternehmen außerdem eigene Aktien für rund 4,1 Mrd. EUR zurück.

Bei den langfristigen Wachstumsaussichten bleiben allerdings Unsicherheiten. Derzeit sprechen die Investitionspläne der Kunden für eine anhaltend hohe Nachfrage bis mindestens 2028. Ob dieses Niveau anschließend bestehen bleibt, hängt wesentlich von der weiteren Entwicklung des KI-Marktes und den Ausbauplänen der Chipproduzenten ab.

Bleibt der Bedarf hinter den geplanten Produktionserweiterungen zurück, drohen ASML unausgelastete Kapazitäten. Der Konzern muss deshalb den gegenwärtigen Nachfrageüberhang abbauen, ohne seine Fertigung auf einen möglicherweise vorübergehenden Höchstbedarf auszurichten. Vorerst begrenzen vor allem die verfügbaren Produktionskapazitäten das weitere Wachstum.