
Berkshire Hathaway: Der US-Immobilienmarkt steht unter Druck – doch Buffett kauft
Die hohen Zinsen belasten Wohnungsbauunternehmen in den USA, die ihre Prognosen kassieren müssen. Berkshire Hathaway nutzt die Situation zum Einstieg: Die Investmentholding ist mittlerweile das viertgrößte Hausbauunternehmen des Landes.
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Der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Festzinsdarlehen stieg laut einer Mitteilung von Freddie Mac vom Donnerstag auf 7,03 %, verglichen mit 6,95 % in der Vorwoche und 6,3 % vor einem Jahr. Die nicht nur psychologisch wichtige Marke von 7 % wurde damit erstmals seit Januar 2025 wieder überschritten. Ursächlich sind die Kursrückgänge am Bondmarkt.
Marktteilnehmer erwarten weiteren Druck auf die Preise. Anthony Smith vom Maklerverband Realtor sagt, die Schwelle von 7 % sei „ebenso sehr psychologisch wie mathematisch bedingt und tritt zu einem Zeitpunkt in der Saison ein, an dem sich die Verhandlungsmacht üblicherweise zugunsten der Käufer verschiebt“.
US-Häuserpreise sinken um 5,8 %
Daten der US-Regierung zeigen, dass der Preisdruck infolge der seit Monaten steigenden Zinsen bereits real ist. Der mittlere Verkaufspreis neuer Eigenheime sank im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 % auf 393.700 USD. Dafür wurde mehr gekauft: Für August meldeten die Behörden einen Anstieg der Käufe um 6,4 %.
Ein genauerer Blick auf die Daten zeigt: Der Rückgang des Medianpreises geht vor allem auf mehr Käufe im Preisbereich unterhalb von 300.000 USD zurück. In den letzten Monaten gelang es vor allem dem professionellen Teil der Verkäuferseite, darunter insbesondere Bauträgern, durch Incentives wie kostenlose Modernisierungen und Rabatte auf Hypothekenzinsen Käufer anzuziehen.
„Der Wohnungsmarkt verschiebt sich in Richtung Käufer. Sie spüren es aber noch nicht“, fasst CNN die Lage auf dem US-Markt zusammen. Im August überstieg die Zahl der Verkäufer die der Käufer Daten des Maklers Redfin zufolge landesweit um 58 % – der größte Unterschied seit Beginn der Datenerfassung durch Redfin im Jahr 2013.
Trotz der incentive-bedingt zuletzt steigenden Anzahl der Verkäufe gibt es also einen Angebotsüberhang. Dieser spiegelt sich auch im Verhältnis der zum Verkauf stehenden Eigenheime zur Verkaufsgeschwindigkeit wider. Realtors-Daten zufolge reicht das Angebot auf dem Markt bei der aktuellen Verkaufsgeschwindigkeit für 4,9 Monate. Das ist der höchste Stand seit über einem Jahrzehnt.
Immer mehr Häuser werden deshalb unterhalb des ursprünglichen Angebotspreises verkauft. Laut Realtor war dies im August bei über 80 % der Häuser in West Palm Beach, Miami, Austin und San Antonio der Fall.
Lennar-Aktienkurs unter Druck – Berkshire verdoppelt Position
Ein Unternehmen, das unter der Entwicklung leidet, ist Lennar ISIN US5260571048 WKN 851022, der zweitgrößte Eigenheim-Bauträger der USA nach D.R. Horton mit Sitz in Miami. Das Geschäft des Unternehmens: Fertighäuser und Siedlungen kaufen, bauen, verkaufen – vor allem im Sun Belt (Florida, Texas, Arizona, Kalifornien).
Lennar konzentriert sich auf den Bau von bezahlbarem Wohnraum für Käufer, die empfindlich auf die Hypothekenzinsen reagieren. Das Unternehmen musste zuletzt seine Prognosen senken. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr um 24 % gefallen und verzeichnete damit die zweitschlechteste Performance aller US-amerikanischen Hausbauunternehmen im S&P-Index.
Aus den Kursrückgängen bei US-Immobilienaktien könnten sich für Anleger Chancen ergeben, sobald der Zins-Peak überwunden ist und die Hypothekenzinsen wieder nach unten drehen. Davon ist jedenfalls Berkshire Hathaway überzeugt: Die durch Warren Buffett aufgebaute Investmentholding hat die Beteiligung an Lennar seit Anfang Juli fast verdoppelt. Berkshire besitzt laut am Freitag veröffentlichten Daten nun 10,9 % der rund 238 Millionen ausstehenden Aktien von Lennar, aufgeteilt in zwei Klassen. Dies entspricht einem Anstieg um 93 % gegenüber dem für Ende Juni gemeldeten Bestand.
Nach Übernahme von Taylor Morrison ist Berkshire viertgrößter Hausbauer
Zuvor hatte Berkshire im Juni mit der 8,5 Mrd. USD schweren Übernahme von Taylor Morrison bereits ein klares Statement im Hinblick auf das eigene Engagement im US-Immobilienmarkt gesetzt.
Berkshire ist seit 2003 mit der Tochtergesellschaft Clayton Homes auf dem US-Häusermarkt aktiv. Das Markenportfolio von Taylor Morrison – darunter Esplanade, Yardly und Taylor Morrison Home Funding – soll in die Clayton Properties Group integriert werden. Dadurch wird die Investmentholding zum viertgrößten US-Hausbauunternehmen nach D.R. Horton, Lennar und Pulte Group.
Mit den beiden Unternehmen kann Berkshire Analysten zufolge eine deutlich breitere Kundengruppe bedienen – von Einsteigern über Aufsteiger bis hin zu Luxuskäufern – und dabei Fertighäuser, konventionell gebaute Häuser und geplante Wohnanlagen anbieten.
Trotz der gegenwärtigen Schwäche des Immobilienmarktes fehlen in den USA schätzungsweise Millionen von Wohnungen. Auf diesen Megatrend setzt der neue Berkshire-CEO Greg Abel.