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AutoaktienMercedes und VW könnten trotz Gewinneinbruch unterbewertet sein

Sonderbelastungen, das schwache China-Geschäft, schrumpfende Margen – und die Auswirkungen der Zölle sind noch gar nicht berücksichtigt. In einem günstigen Szenario sind die schlechten Nachrichten nun eingepreist. Die Bewertungen jedenfalls sind günstig.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture-alliance / Zentralbild / Ralf Hirschberger

Die beiden Autobauer Mercedes-Benz (ISIN: DE0007100000, WKN: 710000) und Volkswagen (ISIN: DE0007664039, WKN: 766403) mussten für das erste Quartal deutliche Gewinnrückgänge melden.

Bei VW sank der operative Gewinn im Jahresvergleich um knapp 41 % auf 2,9 Mrd. EUR, wie am Mittwoch in Wolfsburg mitgeteilt wurde. Der Konzernumsatz legte zwar um 2,8 % auf 77,6 Mrd. EUR zu; Sonderabschreibungen, ein schwaches China-Geschäft sowie ein gewachsener Verlust im Batteriegeschäft verhagelten jedoch die Ergebnisse. Die Umsatzrendite lag bei 3,7 %.

Auch ohne die 1,1 Mrd. EUR schweren Sonderbelastungen für CO₂-Rückstellungen in Europa, den Umbau der Softwaretochter Cariad sowie Rücklagen für den Dieselskandal wäre der operative Gewinn gesunken. Bereinigt um Sondereffekte lag das operative Ergebnis bei rund 4,0 Mrd. EUR und die operative Umsatzrendite bei 5,1 %.

VW-Fahrzeugverkäufe mit 2,1 Mio. stabil, starke Auftragseingänge in Westeuropa

Im Auftaktquartal wurden 2,1 Mio. Fahrzeuge und damit 0,9 % mehr als im Vorjahreszeitraum abgesetzt. Der Anstieg der Verkaufszahlen in Europa (+4 %) und Südamerika (+17 %) konnte den Rückgang in Nordamerika (-2 %) und in China (-6 %) auffangen.

Der Ausblick ist in weiten Teilen ungewiss. So wird für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von bis zu 5 % und eine Umsatzrendite von 5,5–6,5 % erwartet. Aber: "Die Auswirkungen der kürzlich angekündigten Zölle sind hierbei noch nicht berücksichtigt."

Ein Lichtblick – auch im Hinblick auf die Zölle – ist der Auftragseingang in Westeuropa: Dieser stieg in Q1 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 29 % auf knapp 1 Mio. Fahrzeuge. Die Bestellungen vollelektrischer Fahrzeuge stiegen besonders deutlich (+64 %) und machten mehr als 20 % des gesamten Auftragsbestands aus. Der Konzern meldet "starke Nachfrage nach neuen Modellen aller Antriebsarten wie VW ID.7 Tourer, CUPRA Terramar, Skoda Elroq, Audi Q6 e-tron und Porsche 911."

Der Aktienkurs gab am Mittwoch um rund 2 % nach. Ist die Aktie auf diesem Niveau – mit einem vorwärts gerichteten KGV von 4,3 und einem KBV von 0,30 – einen Blick wert? Die Analysten von Morningstar verweisen zwar auf hohe Unsicherheiten, halten die VW-Aktie aber gemessen am ausgewiesenen fairen Wert von 172 EUR für deutlich unterbewertet.

Mercedes-Benz meldet Rückgang bei Umsatz und Gewinn

Mercedes-Benz musste für das erste Quartal einen Gewinnrückgang um 43 % auf 1,73 Mrd. EUR vermelden. Der Umsatz sank um 7 % auf 33,2 Mrd. EUR, das EBIT um 41 % auf 2,29 Mrd. EUR. Im Pkw-Geschäft sank die bereinigte operative Marge um 1,7 Prozentpunkte auf 7,3 % von 9 % im Vorjahr. Der Absatzrückgang in China fiel mit 10 % besonders stark aus, auch in Europa gingen die Verkaufszahlen zurück, während die Verkäufe in den USA noch stabil blieben. Das Unternehmen gibt wegen der unklaren US-Zollpolitik gar keinen Jahresausblick mehr. Ein Lichtblick für Krisenzeiten: Die Nettoliquidität stieg weiter auf 33,3 Mrd. EUR. Die Bilanz biete "eine solide Grundlage, um unser Unternehmen durch eine Zeit geopolitischer Unsicherheiten zu führen", erklärte Finanzchef Harald Wilhelm.

Großer Umsatzanteil am US-Markt, aber Preissetzungsmacht

Mercedes ist von den Zöllen besonders betroffen: Das Unternehmen erzielt rund ein Viertel der Umsätze in den USA, wobei etwa 50 % der in den USA verkauften Fahrzeuge im Inland montiert, Motoren und Getriebe aber aus Europa importiert werden.

Die Aktie gab am Mittwoch um knapp 3 % nach. Die Analysten von Morningstar sehen hier analog zu VW bei hoher Unsicherheit eine Unterbewertung und taxieren den fairen Wert auf 106 EUR (aktueller Kurs: 56 EUR). Rella Suskin weist darauf hin, dass "Premiumhersteller über eine beträchtliche Preissetzungsmacht und daher über eine gewisse Flexibilität verfügen und Zölle einfacher an Kunden weiterreichen können."

Auf den ersten Blick erscheint ein Investment in deutsche Autobauer zum aktuellen Zeitpunkt absurd. Mit Risiken verbunden ist eine Position in diesem Markt in jedem Fall. Die Chance könnte darin liegen, dass die meisten für deutsche Autohersteller verhängnisvollen Entwicklungen längst bekannt und eingepreist sind.