
Anleihefonds: Unsicheres Zinsumfeld: Aktives Management schlägt Bond-ETFs
Wer jetzt in Anleihen umschichtet, sollte nicht dogmatisch nach einem passiven ETF suchen. Aktive Portfoliosteuerung kann sich in einem höchst unsicheren Umfeld auszahlen, wie ein prominentes Beispiel zeigt.
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Buffett Indikator, CAPE oder Forward KGV: Anleger werden täglich mit Kennzahlen konfrontiert, die dem Aktienmarkt eine hohe Bewertung attestieren. Die Konzentration auf einzelne Sektoren wird als weiteres Risiko diskutiert.
Als Reaktion darauf können Anleger die Aktienquote herunterfahren und den Bondanteil im Portfolio erhöhen. Das Renditeniveau jedenfalls ist in den vergangenen Jahren deutlich attraktiver geworden.
Viele Privatanleger dürften sich für ein passives Investment wie den iShares Core Global Aggregate Bond UCITS ETF EUR (Hedged, Acc) (ISIN: IE00BDBRDM35, WKN: A2H6ZT) entscheiden. Dieser bildet den Bloomberg Global Aggregate Bond (EUR Hedged) Index nach, der Anleihen in Industrie- und Schwellenländern mit Investment-Grade-Rating weltweit berücksichtigt und in der Hedged-Variante über eine Währungssicherung in Euro verfügt. Ein Verkaufsargument des ETFs sind die niedrigen Gebühren: Die TER liegt bei 0,10 %.
Die künftige Zinsentwicklung: unsicherer denn je
Doch in der aktuellen Gemengelage gibt es gute Argumente gegen ein allzu passives Engagement am Bondmarkt. Dazu zählt insbesondere das Höchstmaß an Unsicherheit im Hinblick auf die kommende Zinsentwicklung.
Zum einen überlagern sich Inflation, Wachstum, geopolitische Risiken und Zentralbankstrategien gegenseitig stärker als in den meisten Phasen der letzten 10–15 Jahre. Zum anderen driften die Pfade der verschiedenen großen Notenbanken Fed, EZB und BoJ sichtbar auseinander, was sich auf die globalen Kapitalströme (Stichwort: Ende des Yen-Carry-Trades) auswirkt.
Die Staatsverschuldung vieler Industrieländer ist auf ein besorgniserregend hohes Niveau angestiegen. Die hohe Kreditaufnahme sogenannter KI-Hyperscaler treibt die Bondmärkte mitunter an ihre Absorptionsgrenze. Viele Schwellenländer indes punkten mit einer soliden Finanzpolitik, ansehnlichen Wachstumsraten und einer im Vergleich zu den Industriestaaten günstigeren Demographie. Gleichzeitig nehmen die geopolitischen Risiken zu.
Für den Bondmarkt könnte dies auf Sicht der kommenden Jahre vieles bedeuten. Steigende Risikoprämien für Industrieländer und/oder lange Laufzeiten. Langfristig erhöhte Inflationserwartungen durch Demographie, Druck auf die Lieferketten, Rohstoffnationalismus. Aber auch: sinkender Inflationsdruck durch KI und Automatisierung und wieder verstärkte Interventionen der Notenbanken.
Flexibilität bei Duration, Ländern und Sektoren
Kurzum: Wie es mit den Zinsen weitergeht, ist im Dunst der aktuellen makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen kaum vorherzusehen. Für und gegen fast jedes Szenario lassen sich derzeit gute Argumente finden. Flexibilität im Hinblick auf Duration, Länder und Sektoren könnte in den kommenden Monaten und Jahren deshalb Trumpf sein. Diese Flexibilität findet sich fernab von passiven Investments in aktiv verwalteten Anleiheportfolios.
Der PIMCO GIS Global Bond Fund Institutional EUR (Hedged, Acc) (ISIN: IE0032875985, WKN: A0BKWG) etwa konnte in den letzten Jahren mit Flexibilität punkten. Das Management um Lead Manager Andrew Balls, Sachin Gupta und Lorenzo Pagani nutzt die Top-Down-Markteinschätzungen von Pimco ebenso wie relative Bewertungen, um das 17,5 Mrd. USD schwere Portfolio im Hinblick auf Sektoren, Länder und die Zinsstrukturkurve auszurichten.
Die Manager verfügen über erheblichen Gestaltungsspielraum. In der Vergangenheit investierte der Fonds bis zu 50 % seines Portfolios in Unternehmensanleihen, bis zu 33 % in Schwellenländeranleihen. Zugelassen sind zudem Investments unterhalb des Investment-Grade-Bereichs von bis zu 10 % des Fondsvermögens.
Pimco Anleihefonds mit aktiver Steuerung überzeugt
Die aktive Steuerung hat sich ausgezahlt. Das Fondsmanagement tendierte in der Vergangenheit zu einer im Vergleich zur Benchmark kürzeren Duration, "was in der Vergangenheit die Rendite des Fonds dämpfte, sich aber in jüngster Zeit in Phasen von Zinsschocks (wie im ersten Quartal 2021 und erneut 2022) als vorteilhaft erwies", wie Mara Dobrescu von Morningstar sagt.
Das aktive Management erzielte über 1, 3 und 5 Jahre gesehen eine höhere Rendite als der iShares-ETF, trotz der jährlichen Gebühr (PRIIPS) von 0,49 %.
Doch auch bei anderen Kennzahlen vermag der aktive Ansatz zu überzeugen. Morningstar stuft das Risiko des Fonds im Vergleich zur Kategorie "global diversifizierte Anleihen (EUR Hedged)" als durchschnittlich, die Erträge im Vergleich zur Kategorie aber als hoch ein.
Das Management kann eine Outperformance vorweisen. Das annualisierte Alpha – oft als das Maß für die Effektivität des aktiven Ansatzes betrachtet – des Fonds liegt in der Betrachtung über zehn Jahre laut Morningstar-Daten bei 0,96, während es im Vergleichsindex bei –1,02 liegt. Als Vergleichsindex dient der Morningstar Global Core Bond GR Hedge EUR.
Mehr Rendite, weniger Drawdown als im Vergleichsindex
Auch die Capture-Ratios überzeugen. Das Upside Capture liegt bei 105: Wenn der Markt steigt, vollzieht der Fonds 105 % der Aufwärtsbewegung nach. Das Downside Capture liegt dagegen bei 87: Wenn der Markt fällt, macht der Fonds nur 87 % der Abwärtsbewegung mit. Das spricht für den Erfolg des Managements: mehr gewinnen in günstigen Phasen und weniger abgeben in ungünstigen Marktsituationen.
Wie sich der Fonds in ungünstigen Marktphasen verhalten hat, zeigt ein Blick auf die Drawdowns: Bis zu 16,25 % ging es abwärts – signifikant weniger als im Vergleichsindex mit 18,25 %.
Das aktive Management kann in bewegten Zeiten am Bondmarkt bessere Renditen erzielen als der Gesamtmarkt. Morningstar jedenfalls zeigt sich von dem Ansatz überzeugt und verweist auf die Leistungen des Fondsmanagements in der Vergangenheit.
"Als beispielsweise Unternehmensanleihen während der globalen Finanzkrise 2008 Rekordtiefstände erreichten, investierte der vorherige Manager Scott Mather mehr als die Hälfte des Portfolios in Unternehmensanleihen", sagt Dobrescu. Der heutige Manager Balls habe im Zuge des durch Covid-19 ausgelösten Ausverkaufs Anfang 2020 "mehrere Chancen bei Staatsanleihen und Unternehmensanleihen" erkannt.