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Anfällige Chip-RallyAsiens Börsenrekorde bergen Klumpenrisiken

Die Leitindizes in Taiwan und Südkorea markieren Rekordstände. Getrieben von Schwergewichten wie TSMC, Samsung und SK Hynix konzentriert sich die Rally fast ausschließlich auf Chips. Diese Engführung erhöht die Anfälligkeit für plötzliche Kurskorrekturen.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / NurPhoto / Jaap Arriens

An den Börsen in Taiwan und Südkorea jagen die Kurse von Rekord zu Rekord. Der weltweite Boom bei Künstlicher Intelligenz stützt diesen Trend. Halbleiter- und Speicherchipkonzerne ziehen die Leitindizes nach oben. Die Kurszettel hängen damit zunehmend von Investitionen in Rechenzentren und Hochleistungschips ab.

In Südkorea stieg der Kospi seit Jahresbeginn nominal um mehr als 80 %. Auch der taiwanische Leitindex Taiex markierte wiederholt neue Höchststände. Die Kursgewinne deuten jedoch nicht auf eine breite wirtschaftliche Erholung hin. Vielmehr profitieren lediglich jene Unternehmen, welche die weltweite Nachfrage nach KI-Hardware bedienen.

Indexgewichtung konzentriert sich auf Einzelwerte

Besonders deutlich tritt diese Entwicklung in Taiwan hervor. Der taiwanesische Chip-Auftragsfertiger Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) (ISIN: US8740391003, WKN: 909800) macht mehr als 40 % des Taiex aus. Der Leitindex hängt somit extrem stark von diesem Einzelwert ab. Kursgewinne bei TSMC ziehen den Gesamtmarkt oft mit. Verluste belasten den Index unmittelbar.

Auch in Südkorea dominieren Schwergewichte. Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung Electronics (ISIN: KR7005930003, WKN: 888322) und der Halbleiterhersteller SK Hynix (ISIN: KR7000660001, WKN: 906201) kamen im Mai zusammen auf 42,2 % des Kospi.Der Ausbau der KI-Infrastruktur treibt beide Unternehmen an. Die Indizes spiegeln eher die spezifische Chip-Nachfrage als die Gesamtwirtschaft wider.

Steigende KI-Investitionen stützen derzeit die Indexstände durch wenige Titel. Ein Nachlassen der Dynamik würde die Indizes jedoch massiv unter Druck setzen. Diese Struktur verleiht der Aufwärtsbewegung ihre Kraft, erhöht aber gleichzeitig das Risiko.

Abhängigkeiten belasten das Bild

Risiken bestehen jenseits der reinen Bewertung. Taiwan und Südkorea benötigen für ihre Produktion spezialisierte Chemikalien und Industriegase. Störungen in dieser Lieferkette würden die Fertigung sofort beeinträchtigen. Wegen der hohen Indexgewichtung reagieren die Kurse sensibel auf solche Ausfälle.

Hinzu kommt die Energieabhängigkeit. Beide Volkswirtschaften importieren große Mengen Öl und Gas. Hohe Energiepreise verteuern die Produktion und schwächen die Kaufkraft. Der Chip-Boom überdeckt diese strukturellen Schwächen lediglich.

Die Markterwartungen sind massiv gestiegen. Analysten prognostizieren für Südkorea ein hohes Gewinnwachstum. Diese Aussichten stützen die Kurse, erhöhen aber den Erfolgsdruck. Geringe Abweichungen bei Margen oder Nachfrage könnten die Stimmung kippen.

Strukturelle Unterschiede prägen beide Märkte

Beide Märkte weisen strukturelle Unterschiede auf. Südkorea bietet neben Speicherchipwerten weitere starke Branchen. Dazu zählen Schiffbau, Rüstung und Energietechnik. Dies sorgt für eine breitere Basis trotz der Halbleiter-Dominanz.

Taiwan fixiert sich stärker auf TSMC und den Halbleitermarkt. Dadurch droht eine Entkoppelung der Börse vom heimischen Markt. Zusätzliche Mittelzuflüsse lokaler Fonds könnten dieses Ungleichgewicht verstärken. Ein einzelner Konzern prägt somit die Wahrnehmung der gesamten Volkswirtschaft.

Die Rekorde in Taiwan und Südkorea sind das Ergebnis einer einseitigen Wette auf KI-Hardware. Dieses Kalkül ging bisher auf. Die zunehmende Konzentration erhöht jedoch das Rückschlagpotenzial bei einem Trendwechsel. Ob die massiven Investitionsausgaben der Tech-Giganten dauerhaft in reale Gewinne münden, entscheidet somit über die Beständigkeit der aktuellen Bewertungshöhen im Halbleitersektor.