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Chinas Tech-WendeGipfeltreffen schürt Hoffnung auf KI-Hardware

Das Treffen von Donald Trump und Xi Jinping weckt Erwartungen an eine Entspannung im Handelskonflikt. Vor allem chinesische Techwerte könnten profitieren, wenn der Zugang zu moderner KI-Hardware leichter wird.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 6 min
Titelbild: picture alliance / AP / Mark Schiefelbein

Chinesische Aktien erhalten nach dem Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping neuen Auftrieb. Im Mittelpunkt steht der Technologiesektor, der hinter vielen internationalen KI-Gewinnern zurückgeblieben ist. Statt eines historischen Durchbruchs preist der Markt primär die Möglichkeit ein, dass sich der Ton zwischen Washington und Peking vorerst entschärft.

Das Treffen gewinnt durch die Aussicht auf konkrete Handelserleichterungen an Gewicht. Schon eine begrenzte Annäherung bei Zöllen, Exportkontrollen und Halbleitern kann den zuletzt zähen Kursverlauf chinesischer Technologiewerte dynamisieren. Nach einem Bericht des US-Wirtschaftssenders CNBC sehen Marktteilnehmer den Gipfel deshalb als kurzfristigen Katalysator. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete zudem, Washington habe Verkäufe von Nvidia-H200-Chips, also KI-Spezialprozessoren, an mehrere große chinesische Technologiekonzerne freigegeben. Sollte sich das bestätigen, wäre das ein Indikator für eine Trendwende.

Märkte setzen auf Deeskalation

Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs rechnen laut CNBC nicht mit einer großen politischen Verständigung. Im Fokus stünden vielmehr klar umrissene Themen wie Zölle, Halbleiterbeschränkungen und der Handel mit Seltenen Erden. Im Gegenzug könnte China mehr US-Agrarprodukte, Energie und Flugzeuge abnehmen. Peking will so eine weitere Eskalation umgehen. Das wäre kein geopolitischer Neuanfang, wohl aber ein Schritt zu mehr Berechenbarkeit.

Für die Börsen wäre schon das viel wert. Dong Chen, Chief Investment Officer bei der Schweizer Privatbank Bank J Safra Sarasin, bezeichnete das Treffen als kurzfristigen Impuls für chinesische Aktien. Die Erwartungen seien nicht überzogen gewesen. Zugleich sei die Grundstimmung unter Anlegern konstruktiv. Schon die Tatsache, dass Trump und Xi überhaupt zusammenkommen, wertet der Markt als positives Zeichen. Goldman Sachs sieht darin einen möglichen taktischen Impuls für den chinesischen Yuan und für chinesische Aktien.

Chipzugang bleibt entscheidend

Besonders hoch ist die Aufmerksamkeit im Bereich Künstliche Intelligenz. Denn im Wettbewerb zwischen amerikanischen und chinesischen Technologiekonzernen gilt nicht allein die Software als wesentlich. Es zählt primär der Zugang zu leistungsfähigen Chips. Jiong Shao, China-Internetanalyst der britischen Großbank Barclays, sagte, der eigentliche Flaschenhals im KI-Wettbewerb sei die Rechenleistung. In diesem Bereich besitzen US-Konzerne mit dem Zugang zu Nvidia-Hardware einen strategischen Vorteil.

Brisant wurde die Lage, als Reuters kurz nach dem Treffen berichtete, dass Verkäufe von Nvidia-H200-Chips an rund zehn große chinesische Technologiefirmen genehmigt worden seien. Genannt wurden unter anderem der E-Commerce-Konzern Alibaba (ISIN: US01609W1027, WKN: A117ME; E-Commerce-Konzern), die Technologie-Holding Tencent (ISIN: KYG875721634, WKN: A1138D), der Online-Händler JD.com (ISIN: KYG8208B1014, WKN: A2P5N8) und ByteDance, die Muttergesellschaft von TikTok.

Für börsennotierte Technologiewerte hätte ein solcher Schritt erhebliches Gewicht. Moderne KI-Anwendungen benötigen die Hardware zur Skalierung. Der Chipdesigner Nvidia (ISIN: US67066G1040, WKN: 918422) rückt damit erneut ins Zentrum eines globalen Wettbewerbs, der längst auch ein Börsenthema ist.

Kurse reagieren verhalten

An den Märkten war die Reaktion zunächst verhalten. Der Hang Seng Tech Index (ISIN: IE00BMWXKN31, WKN: A2QHV0) legte am Donnerstag laut CNBC um rund 0,5 % zu. Der breitere Hang Seng Index (ISIN: HK0000004322, WKN: 145733) gewann etwa 0,3 %. Seit Jahresbeginn steht der Hang Seng Index damit mehr als 3 % im Plus. Währenddessen liegt der Hang Seng Tech Index noch immer um mehr als 7 % im Minus. Der CSI 300 (ISIN: CNM0000001Y0, WKN: A11RNA) kommt im selben Zeitraum auf ein Plus von knapp 7 %.

Das zeigt, dass der Optimismus bislang nicht den gesamten Markt erfasst. Zwar profitieren einzelne Titel und Segmente von der KI-Fantasie, doch viele Investoren schauen weiter auf die Gewinnentwicklung. Chen verwies gegenüber CNBC darauf, dass sich die Gewinne je Aktie im MSCI China bislang nicht spürbar verbessert hätten. Hinzu kommt eine wachsende Differenz zwischen Festlandswerten und Hongkonger Internetaktien. Während auf dem Festland gelistete Hardware- und Halbleiterwerte stärker von der KI-Dynamik profitieren, dominieren im Hang Seng Tech Index viele Internet- und E-Commerce-Konzerne. Diese zählen nicht im selben Maß zu den direkten KI-Gewinnern.

Gewinne müssen folgen

Für Anleger ist der Gipfel deshalb vor allem ein Test auf Substanz. Jeff Mei von der Handelsplattform BTSE Group sagte laut CNBC, ein Teil des Marktes verhalte sich vorerst abwartend. Investoren sichern Gewinne und hedgen Positionen. Das geschieht für den Fall, dass die politischen Vorgaben hinter den Erwartungen zurückbleiben. Zugleich hält er eine Rally nach dem Gipfel für gut möglich. Dies gelte, falls Trump in anderen Bereichen auf chinesische Unterstützung angewiesen sein sollte.

Statt einer umfassenden Versöhnung zwischen Washington und Peking preisen Investoren primär ein Ende der Eskalationsspirale, etwas mehr Planungssicherheit und womöglich besseren Zugang zu kritischer KI-Hardware ein. Für Chinas Technologiewerte kann, diese Stimmungsaufhellung als Bodenbildung fungieren. Über die politische Symbolik hinaus bedarf es jedoch einer fundamentalen Bestätigung: Nur eine Rückkehr zu robusten operativen Gewinnsteigerungen kann die Bewertung der Branche dauerhaft stützen.