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24/7 Handel mit DAX AktienDeutsche Börse und 360X: Was erwartet Privatanleger?

DAX-40-Aktien können fortan rund um die Uhr gehandelt werden. Die Deutsche Börse greift dazu auf eine externe Lösung außerhalb von Xetra zurück. Das Marktmodell ist nicht neu: Bestpreise sind nicht zu erwarten.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 6 min
Titelbild: Picture alliance / dpa / Andreas Arnold

Die Deutsche Börse Gruppe bietet rund um die Uhr Handelsabdeckung für DAX-40-Aktien durch Off-Hours-Ausführung im regulierten MTF-Segment von 360X. 360X ist ein BaFin-reguliertes FinTech, an dem die Deutsche Börse beteiligt ist. Das 2021 gegründete Unternehmen betreibt einen regulierten Sekundärhandelsplatz.

Fortan können in Euro abgerechnete DAX-40-Aktien 24/7, also auch nachts und am Wochenende, gehandelt werden. Die Deutsche Börse habe sich zum Ziel gesetzt, die erste europäische Finanzmarktinfrastruktur zu sein, die ein 24/7-Angebot von traditionellen Blue-Chip-Aktien ermögliche, sagt Eric Leupold, Leiter des Kassamarktes der Deutschen Börse Gruppe. Gehandelt wird im RfQ-Modus von 360X. Wie funktioniert das Modell – und welche Konditionen können Anleger erwarten?

Was bedeutet Request-for-Quote (RfQ) Handel?

Ein Request-for-Quote (RfQ) ist ein Handelsprotokoll, bei dem ein Käufer oder Verkäufer aktiv einen verbindlichen Preis bei Liquiditätsgebern anfragt, statt Aufträge in ein öffentliches Orderbuch einzustellen.

Der Ablauf dürfte Privatanlegern, die heute bereits alternative Marktplätze fernab Xetra nutzen, geläufig sein: Der an den RfQ-Handel angebundene Broker ermöglicht seinen Kunden das Absenden einer Preisanfrage. Zu dieser werden Handelsrichtung und Menge übermittelt. Market Maker beantworten diese Anfragen mit verbindlichen Kursen, die die anfragende Partei akzeptieren oder ablehnen kann. Wer annimmt, erhält die Ausführung des Trades zum vereinbarten Kurs. Anders als im klassischen Börsenhandel gibt es kein sichtbares Orderbuch. Kurse entstehen On-Demand durch Anfragen.

Dass der 24/7-Handel mit DAX-Aktien über RfQ realisiert wird, hat keine technischen Gründe. Nachts und am Wochenende kann die Liquidität sehr dünn sein. Im Handel über ein Orderbuch könnten dann extrem breite Spreads anfallen – oder Ausführungen gar nicht erst möglich sein. Die On-Demand-Lösung eliminiert aus Anlegersicht zudem Slippage-Risiken. Aus Sicht der Market Maker ist die Lösung kostengünstiger als permanente Quotierungen im Orderbuch, die bei dünnen Umsätzen und fehlenden Ausgleichsorders Inventar- und Gap-Risiken nach sich ziehen.

Xetra-Kursqualität soll unbeeinträchtigt bleiben

Wer künftig nachts oder am Wochenende mit DAX-40-Aktien handelt, muss mit signifikant schlechteren Kursen rechnen. Die Market Maker dürften mit einem erheblichen Zu- oder Abschlag zum letzten Kurs im börslichen Handel quotieren. Es ist deshalb fraglich, ob das Angebot Privatanlegern letztlich Vorteile bieten kann.

Auch die Deutsche Börse will die Kursqualität ihrer Flaggschiff-Handelsplattform Xetra nicht mit dem neuen 24/7 Handel mischen. Der Off-Hours-Handel findet ausschließlich über 360X statt. Die Off-Hours-Kurse auf 360X fließen nicht in die Xetra-Eröffnung ein. Das Unternehmen betont, dass „die Kernprozesse von Xetra vollständig unverändert bleiben“. Und stellt klar: "Die Standard-Auktionszyklen bleiben bestehen, und die Schlusskurse außerhalb der regulären Handelszeiten auf 360X haben keinen Einfluss auf die Eröffnungskurse oder die Eröffnungsauktionen auf Xetra." Carlo Kölzer, Leiter Digital und FX der Deutschen Börse Gruppe und Co-CEO von 360X, betont ebenfalls, dass die "Wahrung der absoluten Integrität der Xetra-Benchmark-Zyklen" gewährleistet sei.

Erste Broker dürften 24/7-DAX-Handel bald starten

Die Integration des 360X-Handels in die Benutzeroberflächen der ersten Broker könnte rasch erfolgen. Brokerseitig ist der Aufwand begrenzt.

Bestehende Kunden der Deutschen Börse können 360X bereits heute über einen vereinfachten administrativen Prozess im Mitgliederbereich der Deutschen Börse aktivieren. Die Teilnehmer können zudem ihre bestehenden Verbindungen für den Nachhandel weiterhin nutzen. Alle Transaktionen werden bilateral über ihre bestehenden Clearstream-Konten abgewickelt“, teilt die Börse mit.

Zu den prädestinierten frühen Vögeln dürfte die Commerzbank-Marke comdirect gehören. Die Commerzbank ist mit einem kleineren Anteil an 360X beteiligt.

Der Trend zu längeren Handelszeiten verfestigt sich

Die Entwicklung hin zu längeren und gar ununterbrochenen Handelszeiten ist nicht neu und dürfte mit dem jüngsten Schritt der Deutschen Börse auch noch lange nicht ihr Ende gefunden haben.

Das Unternehmen selbst sieht darin lediglich einen „wichtigen Schritt hin zu einer permanent verfügbaren europäischen Marktinfrastruktur“. Dieser Schritt folgt auf die im Dezember 2025 eingeführten erweiterten Handelszeiten für Privatanleger auf Xetra, wo seitdem von 8 bis 22 Uhr gehandelt werden kann.

Folgemaßnahmen sind wahrscheinlich: Fällt die Nachfrage groß genug aus, könnte die Deutsche Börse das Angebot ausbauen und über 360X zum Beispiel auch 24/7 den Handel mit stark frequentierten ETFs anbieten. Eine Ausweitung der Xetra-Kernhandelszeiten wäre verglichen mit der 360X-Lösung mit ungleich größerem Aufwand verbunden.

Der 24/7-DAX-Handel ist eine Reaktion zum einen auf Entwicklungen in den USA, wo Anleger schon länger außerhalb der offiziellen Börsenzeiten Wertpapiere handeln können. Zum anderen gibt es unter Anlegern durch Krypto und Neobroker auch einen gewissen Kulturwandel, der längere Handelszeiten nahelegt.