Bild zum Artikel: Zinspause & Nahost-Hoffnung: Silber zieht wieder deutlich an - höchster Stand seit Juli

Zinspause & Nahost-HoffnungSilber zieht wieder deutlich an - höchster Stand seit Juli

Silber steigt auf 62 USD je Feinunze, höchster Stand seit dem 6. Juli 2026 - befeuert von Hoffnung auf einen Hormuz-Deal, einer vorsichtigen Fed und einem strukturell knappen Markt.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 6 min
Titelbild: picture alliance / Visually / PjrStudio

Der Silberpreis hat in dieser Woche die Marke von 62 USD je Feinunze überschritten und damit den höchsten Stand seit dem 6. Juli erreicht. Am gestrigen Handelstag kletterten die September-Futures von einem Eröffnungskurs von 59,78 USD im frühen US-Handel bis auf 62,27 USD.

Der aktuelle Preissprung lässt sich vor allem auf zwei Entwicklungen zurückführen: Zum einen hat die US-Notenbank Fed auf ihrer letzten Sitzung die Zinsen zum fünften Mal in Folge unverändert bei 3,50 bis 3,75 % belassen, zum anderen sorgen Berichte über eine bevorstehende Einigung zwischen den USA, Iran und Oman zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus für Risikoappetit an den Märkten. Die Aussicht auf eine Entspannung im Nahen Osten wirkt sich paradoxerweise nicht dämpfend, sondern befeuernd auf Silber aus: Nachlassende geopolitische Unsicherheit stärkt aktuell die allgemeine Risikobereitschaft, von der auch Edelmetalle als liquide, breit gehandelte Anlageklasse profitieren.

Blick zurück: Von Rekordjagd zur Korrektur

Um die aktuelle Bewegung einzuordnen, lohnt sich ein Rückblick auf das bisherige Jahr 2026. Silber hatte einen historischen Lauf hingelegt: Von rund 40 USD im September 2025 stieg der Preis bis zum 28. Januar 2026 auf einen Rekordwert von etwa 116 USD je Feinunze – ein Plus von rund 190 Prozent binnen weniger Monate. Parallel dazu markierte Gold mit knapp 5.600 USD sein eigenes Allzeithoch.

Nach diesem Höhenflug setzte eine deutliche Korrektur ein, die beide Metalle bis in den Sommer hinein belastete. Der jetzige Sprung über 60 USD zeigt, dass der Markt weiterhin nervös auf geldpolitische und geopolitische Signale reagiert, auch wenn von den Januar-Höchstständen noch ein gutes Stück Distanz bleibt.

Strukturelle Unterstützung: Silbermarkt im Defizit

Neben den kurzfristigen Preistreibern bleibt die fundamentale Angebots-Nachfrage-Situation bei Silber angespannt. Nach Berechnungen von Metals Focus und dem Silver Institute steuert der Markt 2026 auf das sechste Jahr in Folge mit einem globalen Angebotsdefizit zu – konkret rund 67 Mio. Feinunzen, nach 40,3 Mio. Unzen im Vorjahr.

Zwar reduziert die Solarindustrie durch technische Einsparungen ihren Silberverbrauch pro Panel spürbar – die Nachfrage aus der Photovoltaik dürfte 2026 um etwa 19 % auf rund 151 Mio. Unzen zurückgehen. Dieser Rückgang wird jedoch durch wachsende Nachfrage aus anderen Industriezweigen teilweise kompensiert, etwa aus Rechenzentren, Künstlicher Intelligenz und der Automobilindustrie.

Das Defizit bleibt vor allem deshalb bestehen, weil die physische Investmentnachfrage laut Silver Institute 2026 um rund 20 % auf ein Dreijahreshoch von 227 Mio. Unzen steigen dürfte, während das Minenangebot zwar auf ein Jahrzehnthoch von 1,05 Mrd. Unzen wächst, aber nicht schnell genug, um diese zusätzliche Nachfrage vollständig zu decken.

Für die kurzfristige Preisentwicklung im August nennen Marktbeobachter wie SD-Bullion-Analyst James Anderson eine Spanne von etwa 55 bis 68 USD je Unze, mit Widerstand nach oben und möglichen Rückschlägen bis in die mittleren 50er.

Silberaktien im Blick: Wer von der Rallye profitiert

Ob sich der Spotpreis nun weiter nach oben oder eher zurück in Richtung der mittleren 50er-Marke bewegt, an der Börse ist die Reaktion schon da: Silberminenaktien haben die Bewegung der vergangenen Tage mitgenommen, einige sogar deutlich stärker als das Metall selbst.

Pan American Silver (ISIN: CA6979001089, WKN: 876617) etwa zog spürbar an. Investoren positionieren sich damit vor den Quartalszahlen, die für den 12. August angesetzt sind. Hecla Mining (ISIN: US4227041062, WKN: 854693) legte ebenfalls deutlich zu. Zunächst trieben sehr starke Bohrergebnisse aus Keno Hill, Midas, Greens Creek und Lucky Friday die Aktie an, dann folgten am 5. August die Q2-Zahlen: Der Umsatz blieb mit rund 334 Mio. USD zwar unter den Analystenschätzungen, der freie Cashflow von 136 Mio. USD war jedoch der zweitbeste in der Firmengeschichte – die Aktie honorierte das trotz der verfehlten Umsatzschätzung. Coeur Mining (ISIN: US1921085049, WKN: A0RNL2) sprang im Vorfeld der noch am selben Abend anstehenden Quartalszahlen kräftig nach oben – dem ersten vollständigen Quartal seit der Übernahme der kanadischen Minen New Afton und Rainy River, durch die sich die Aktienzahl auf gut 1,035 Mrd. erhöht hat.

Im Nebenwerte-Segment ist Aftermath Silver (ISIN: CA00831V2057, WKN: A2DMFN) einen Blick wert. Der kanadische Explorer treibt sein Hauptprojekt Berenguela im Süden Perus voran, ein zu 100 % im Eigenbesitz befindliches Silber-Kupfer-Mangan-Vorkommen, und exploriert zudem zwei Projekte in Chile. Aktuell laufen an mehreren Standorten Bohrprogramme, unter anderem an einem neuen Kupferziel im Osten von Berenguela, während das Unternehmen parallel auf eine Pre-Feasibility-Studie für das Projekt hinarbeitet.