
VW-Aktie im Sinkflug: Volkswagen verliert an der Börse weiter an Boden und verschärft den Sanierungsdruck
Spekulationen über einen beispiellosen Beschäftigungsabbau beschleunigen den jüngsten Kursverfall der Volkswagen-Aktie. Die heftige Marktreaktion verdeutlicht den immensen Restrukturierungsdruck bei der renditeschwachen Kernmarke.
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Der Automobilkonzern Volkswagen (ISIN: DE0007664039, WKN: 766403) verlor am Montag an der Börse deutlich an Wert. Die Vorzugsaktie ging bei 72,84 EUR aus dem Handel, nachdem sie am Freitag noch bei 74,28 EUR notiert hatte. Damit markierte der Kurs den tiefsten Schlussstand seit Oktober 2010. Als Belastungsfaktor erwiesen sich Berichte des Wirtschaftsmagazins "Manager Magazin". Laut diesen Medienberichten droht der Abbau von bis zu 100.000 Stellen parallel zu einer Neuordnung der Kernmarke VW.
Gerüchte treffen auf bekannte Strukturprobleme
Für diese Größenordnung fehlt bislang eine offizielle Bestätigung. Die heftige Reaktion der Anleger begründet sich vielmehr in der ohnehin fragilen Lage des Konzerns. Volkswagen wies für das Geschäftsjahr 2025 einen deutlichen Rückgang der Ertragskraft aus. Das Vorsteuerergebnis sank von 16,8 Mrd. EUR im Vorjahr auf 9,3 Mrd. EUR, während die Rendite von 5,2 % auf 2,9 % einbrach. Nach Steuern verblieben 6,9 Mrd. EUR nach 12,4 Mrd. EUR im Vorjahreszeitraum.
Schwindende Renditen, hoher Investitionsbedarf und intensiver Wettbewerb verleihen den spekulativen Umbauplänen am Markt Plausibilität, wenngleich das exakte Ausmaß möglicher Kürzungen offen bleibt.
Stellenabbau und Kostensenkung laufen bereits
Der Konzernumbau läuft ohnehin bereits auf Hochtouren. Auf der Hauptversammlung Mitte Juni kündigte Vorstandschef Oliver Blume an, bis 2030 konzernweit rund 50.000 Stellen bei den Kernmarken und der Softwaretochter Cariad einzusparen. Davon entfallen laut Konzernangaben 35.000 Arbeitsplätze auf die Volkswagen AG, für die bereits mehr als 28.000 Austritte verbindlich feststehen. Zugleich sanken die Fabrikkosten an den deutschen Standorten im Geschäftsjahr 2025 um mehr als 20 %.
Die Personaldaten verdeutlichen die Dimensionen des Vorhabens. Ende 2025 beschäftigte der Konzern weltweit 662.942 Menschen einschließlich der chinesischen Gemeinschaftsunternehmen, davon 284.032 in Deutschland. Ein tatsächlicher Abbau von bis zu 100.000 Stellen übersteigt das Volumen herkömmlicher Effizienzprogramme bei weitem. Aus diesem Grund bewertet die Börse die aktuellen Berichte mit hoher Relevanz.
Portfolio-Bereinigung stützt den Sparkurs
Die gezielte Straffung der Strukturen zeigt sich auch beim jüngsten Teilverkauf der Tochtergesellschaft Everllence. Der Konzern hat den Verkauf von 51 % an den Finanzinvestor Bain Capital vereinbart und rechnet mit einem Mittelzufluss von rund 7,4 Mrd. EUR. Volkswagen will mittelfristig mit 49 % beteiligt bleiben. Diese Veräußerung zielt darauf ab, die finanzielle Basis im Umwandlungsprozess zu stärken und das Portfolio zu bereinigen.
Zusammen mit den bereits beschlossenen Kürzungen ergibt sich damit ein klares Bild. Der Konzern geht weit über kosmetische Korrekturen hinaus und strukturiert Kostenbasis, Beteiligungen sowie die Organisation grundlegend um. Der Schlusskurs von 72,84 EUR ist mehr als eine Tagesnotiz: Der Markt stellt sich damit auf einen langwierigen und tiefgreifenden Transformationsprozess ein.