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Versteckte Gefahren auch für AnlegerIst das noch De-Dollarisierung oder schon Mar-a-Lago-Accord?

Will Donald Trump die Welt zu einer Abwertung des USD zwingen? Anleger sollten nicht auf den Mar-a-Lago-Accord wetten. Käme dieser, drohten neben Abwertungsverlusten bei USD Assets auch versteckte Gefahren, die den wenigsten bewusst sein dürften.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 6 min
Titelbild: picture alliance / Schoening

Mar-a-Lago Accord: Der Begriff versteht sich in Anlehnung an den Plaza Accord von 1985. Damals drückten mehrere Zentralbanken auf Initiative Washingtons den Dollar durch den Verkauf von US-Staatsanleihen aus ihren Beständen. Präsident Donald Trump hat keinerlei Andeutungen gemacht, dass er einen solchen Rahmen anstrebt oder dies plant. Doch an den Märkten gewinnt der Begriff zunehmend an Gewicht.

"Umstrukturierung des globalen Handelssystems"

Stephen Miran, Vorsitzender des Council of Economic Advisers, veröffentlichte kurz nach den Präsidentschaftswahlen im November das "Benutzerhandbuch zur Umstrukturierung des globalen Handelssystems".

Miran stützt sich in dem Aufsatz auf eine These aus den 1960er Jahren: Die wachsende Nachfrage nach Dollar als Währungsreserve könne nur durch anhaltende US-Leistungsbilanzdefizite gedeckt werden, wodurch der USD dauerhaft überbewertet sei, was US-Exporteure im Welthandel benachteilige.

Es folgten das Ende des Goldstandards und des Bretton-Woods-Systems - das feste, aber anpassbare Wechselkurse vorgesehen hatte und durch die heutigen flexiblen Wechselkurse abgelöst wurde. Was Miran mit dem Mar-a-Lago-Accord vorschlägt, geht in Richtung eines weltweiten Systems gesteuerter Wechselkurse.

Worum geht es beim Mar-a-Lago-Accord? Im Wesentlichen zielte ein solches Abkommen darauf ab, US-Handelspartner und Gläubiger dazu zu bewegen, den USD abzuwerten, die US-Refinanzierungskosten zu drücken und mehr industrielle Fertigung in den USA zu ermöglichen, ohne dabei den Greenback als Weltleitwährung abzulösen.

Gläubiger müssten zu Jahrhundertanleihen gedrängt werden

Um die Pläne umzusetzen, müssten andere Staaten z.B. bereit sein, die von ihren Zentralbanken gehaltenen US-Anleihen gegen nicht handelbare "Jahrhundertanleihen" mit einer Laufzeit von 100 Jahren einzutauschen und damit de facto weitgehend zu entwerten. "Dadurch würden jährlich weniger Anleihen fällig, und die Gläubiger würden keine Dollars zur Reinvestition nachfragen. Der Dollar verlöre an Stärke", erläutert LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer das Modell.

Mirans Pläne sehen außerdem vor, ausländischen Zentralbanken, die US-Schulden halten, "Nutzungsgebühren" in Rechnung zu stellen und dadurch die Nettozinszahlungen drastisch zu reduzieren.

Die Zustimmung der Gläubiger und Handelspartner zu solchen Maßnahmen müsste mehr oder weniger erzwungen werden: Etwa durch hohe Zölle, auf die bei Zustimmung verzichtet wird, oder auch im Bereich der Verteidigungspolitik. Die Umsetzung wird kompliziert: Zu den größten Auslandsgläubigern der USA gehört China, das kaum Interesse an militärischem Schutz durch die USA haben dürfte und Trumps Zölle konsequent mit Gegenzöllen beantwortet.

Es gibt sehr viele Argumente gegen einen Mar-a-Lago-Accord. "Wo allerdings bei der niedrigen Arbeitslosenrate von gut 4 % in den USA die Mitarbeiter herkommen sollen, um zusätzliche Güter im Wert von 1.2 Bio. USD herzustellen, ist mir schleierhaft", weist LBBW-Kraemer auf ein Problem hin, das derzeit auch durch zahlreiche Memes skizziert wird.

Es gibt eine weitere Schwachstelle: Eine Schwächung des USD über den Bondmarkt würde zu einem Anstieg der Zinsen führen - angesichts der bestehenden Schuldenlast und einer Neuverschuldung im Bereich von 7 % des BIP eine kaum erstrebenswerte Option.

"Mar-a-Lago-Accord würde sicheren Hafen verminen"

Die durch Druck erzwungene Umwandlung in Jahrhundertanleihen wäre wohl kein Ausweg, meint Kraemer: "In allen Finanzkrisen war die US-Staatsanleihe der sichere Hafen. Dieser Mar-a-Lago-Accord würde den Hafen verminen. Eine Finanzkrise globalen Ausmaßes wäre die Folge." Ihm zufolge bleibt der Administration nur ein seriöser Weg zu niedrigeren Zinsen und einem schwächeren Dollar: Eine konsequente Haushaltskonsolidierung.

Die Handelspolitik des Präsidenten und vielleicht auch die nicht abflauenden Diskussionen um einen Mar-a-Lago-Accord haben bereits jetzt zu einem Vertrauensverlust in den USD geführt. So kam es am Mittwoch zeitweise gleichzeitig zu sinkenden Aktienkursen an US-Börsen, steigenden Renditen für US-Staatsanleihen und einem Rückgang des USD-Wechselkurses.

George Saravelos von der Deutschen Bank warnt bereits vor einer Vertrauenskrise des Greenback. Die Ereignisse der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass derlei Ängste berechtigt seien. Zu beobachten sei ein gleichzeitiger Fall der Preise sämtlicher US-Assets. An den Märkten sei eine rasch fortschreitende De-Dollarisierung zu beobachten.

Dass es Trumps Ziel war, durch das Verbreiten von Unsicherheit einen Vertrauensverlust auszulösen und dadurch den Dollar zu schwächen, gilt als unwahrscheinlich. Es ist – dies gilt es klarzustellen – auch ungewiss, ob der Präsident wirklich einen Mar-a-Lago Accord plant.

Anleger sollten jedoch jede Entwicklung, die mit einem möglichen Statusverlust des USD einhergehen könnte, im Auge behalten. Gravierende Entwicklungen könnten unvorhergesehene Folgen haben. So könnten etwa synthetisch replizierende ETFs unter erhöhten Kontrahentenrisiken, Schwankungen in der Bewertung von Sicherheiten und steigenden Swap-Kosten leiden.