
Versäumte Warnsignale: Bank of America büßt nach Milliardenstrafe Vertrauen und Börsenwert ein
Bei der Bank of America, einer der größten US-Banken, zeigen sich die Folgen jahrelanger Kontrollmängel. Eine Milliardenstrafe belastet den Gewinn, schwache Geschäftszahlen verstärken den Kursrutsch. Nun müssen unabhängige Prüfer klären, ob die Bank weitere verdächtige Zahlungen übersehen hat.
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Eine Milliardenstrafe wegen mangelhafter Geldwäschekontrollen trifft empfindlich die Bank of America ISIN US0605051046 WKN 858388, die nach Bilanzsumme zweitgrößte US-Bank. Die Aufsichtsbehörden werfen ihr jahrelange Versäumnisse bei der Überwachung verdächtiger Zahlungen sowie Verstöße gegen Finanzsanktionen vor. Auf die Bekanntgabe der Strafe am Dienstag folgten am Mittwoch Quartalszahlen, die weitere geschäftliche Schwächen offenbarten und den Kursrutsch verstärkten. Aus einem lange bekannten Kontrollproblem ist für das Geldhaus damit auch eine akute Vertrauensfrage geworden.
Der Börsenkurs reagiert auf gleich zwei Belastungen
Noch vor Bekanntgabe der Sanktionen schloss die Aktie am Dienstag mit einem Minus von 1,1 % bei 53,96 USD. Nach der Meldung am Abend gab sie nachbörslich weitere 2,7 % nach. Am Mittwoch verschärfte sich der Verkaufsdruck nach Veröffentlichung des Geschäftsberichts erheblich. Zeitweise erreichte der Abschlag rund acht Prozent. Laut Wall Street Journal drohte damit der stärkste Kursrückgang nach Quartalszahlen seit 2010.
Auch in der Gewinnrechnung schlägt sich die Strafe unmittelbar nieder. Im dritten Quartal verdiente Bank of America 6,9 Mrd. USD, nach 8,3 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum. Ohne die nicht steuerlich abzugsfähige Belastung von 1,2 Mrd. USD hätte der Gewinn bei 8,1 Mrd. USD gelegen.
Allerdings enttäuschte das Geldhaus auch unabhängig von der Strafzahlung. Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 1,08 USD und blieb damit knapp unter den vom US-Finanzdatenanbieter FactSet erfassten Analystenerwartungen von 1,10 USD. Auch die Erträge von 30 Mrd. USD verfehlten die Prognosen, obwohl sie gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent stiegen. Besonders schwach verlief der Anleihe-, Währungs- und Rohstoffhandel mit einem Einnahmenrückgang um 17 %. Im Investmentbanking sanken die Gebühren, während der Aktienhandel zulegte.
Behörden beanstanden verdächtige Zahlungen in Milliardenhöhe
Nach Angaben des US-Finanzministeriums meldete das Institut verdächtige Transaktionen im Umfang von mehr als fünf Milliarden USD verspätet oder gar nicht. Davon entfielen mehr als eine Milliarde USD auf Vorgänge mit Risiken für die nationale Sicherheit oder andere besonders wichtige Finanzdelikte.
Unter anderem ging es um Hinweise auf chinesische Geldwäschenetzwerke und verdächtige Handelsgeschäfte mit Bezug zur Grenzregion zwischen den USA und Mexiko. Bei betroffenen Bankkunden gingen umfangreiche Zahlungen von unbekannten Dritten ein. Die Aufseher sahen darin unter anderem Hinweise auf möglichen Betrug und Geldwäsche, teils mit vermuteten Bezügen zu Erlösen aus dem Drogenhandel. Die Bank reagierte nach Darstellung der Behörden selbst dann nicht rechtzeitig, als ihre eigenen Mitarbeiter bereits entsprechende Bedenken geäußert hatten.
Die automatisierten Überwachungssysteme erkannten Auffälligkeiten nur unzureichend, während interne Warnsignale teilweise lange unbearbeitet blieben. Nach Darstellung des Finanzministeriums verließ sich das Geldhaus stark auf Hinweise von Ermittlern und anderen Finanzinstituten. Die eigenen Prüfroutinen erfüllten damit eine ihrer wichtigsten Aufgaben nicht zuverlässig: verdächtige Vorgänge frühzeitig zu erkennen und zu melden.
Insgesamt summieren sich die Sanktionen auf mehr als 1,21 Mrd. USD. Die US-Finanzermittlungsbehörde FinCEN setzte 1,2 Mrd. USD fest, während die Bankenaufsicht OCC eine Rekordbuße von 750 Mio. USD verhängte. Dabei wird die OCC-Summe auf die FinCEN-Strafe angerechnet, nicht zusätzlich erhoben. Hinzu kommen 11,6 Mio. USD aus einer Einigung mit der US-Sanktionsbehörde OFAC. Sie betrifft 475 mutmaßliche Verstöße gegen Sanktionsvorgaben, unter anderem zu Russland und Iran. Gegenüber FinCEN räumte die Bank vorsätzliche Verstöße gegen US-Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung ein.
Alte Warnungen erhöhen den Druck auf die Bank
Bereits im Dezember 2024 hatte die OCC umfassende Verbesserungen des Geldwäscheprogramms angeordnet. Nach Einschätzung der Behörde blieben jedoch selbst danach wichtige Maßnahmen aus. Potenziell verdächtige Geschäftsvorfälle gelangten weiterhin nicht zuverlässig zur Prüfung. Beschäftigten fehlten nach Ansicht der Aufseher teilweise erforderliche Kenntnisse und Schulungen. Auch interne Prüfungen deckten bestehende Schwächen nur unzureichend auf.
Das Finanzministerium wirft der Bank of America vor, Ertragsinteressen höher gewichtet zu haben als wirksame Kontrollen. Die Kritik betrifft damit über einzelne Softwarefehler hinaus auch die Unternehmensführung. Die Bank verweist dagegen auf Milliardeninvestitionen in Technik und Tausende Beschäftigte, die an der Bekämpfung von Finanzkriminalität arbeiten. Bei der Beseitigung der Mängel seien die Arbeiten bereits weit fortgeschritten.
In der Börsenreaktion spiegeln sich Zweifel wider, ob die finanziellen Folgen tatsächlich schon vollständig erfasst sind. Während der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen fragten Analysten nach möglichen weiteren Kosten für die Einhaltung der Vorschriften. Im dritten Quartal hatte die Bank eigene Aktien für sechs Milliarden USD zurückgekauft. Ob zusätzliche Ausgaben für Kontrollen solche Rückkäufe und damit die Ausschüttungen an Aktionäre künftig einschränken, ist offen.
Unabhängige Prüfungen halten den Fall offen
Mit der Zahlung endet die regulatorische Aufarbeitung noch nicht. Die Bank of America muss einen unabhängigen Dienstleister rückwirkend Transaktionen prüfen lassen, die ihre eigenen Systeme möglicherweise übersehen haben. Bei Bedarf sind weitere Verdachtsmeldungen nachzureichen. Zusätzlich sollen externe Prüfer die Überwachungssysteme, Kundenkontrollen und verwendeten Daten bewerten.
Eine behördliche Obergrenze für das Wachstum der Bilanz wurde nicht verhängt. Dennoch bleibt der Fall finanziell und organisatorisch relevant, solange die Prüfungen andauern. Wie hoch mögliche weitere Aufwendungen ausfallen, kann bislang nicht beziffert werden.
Auch bei anderen großen US-Finanzinstituten gehen die Behörden gegen Mängel bei der Geldwäschebekämpfung vor. Erst wenige Tage zuvor hatte die OCC gegen den Kreditkartenkonzern American Express ISIN US0258161092 WKN 850226 wegen ähnlicher Versäumnisse eine Strafe von 350 Mio. USD verhängt. Ein vergleichbarer Kursrutsch blieb dort allerdings aus. Am Tag der Bekanntgabe legte die Aktie um 1,3 % zu, am folgenden Handelstag veränderte sie sich kaum. Nach Unternehmensangaben war ein Teil der Strafe bereits zurückgestellt worden. Die Gewinnprognose für 2026 blieb unverändert.