
Kupfer made in USA: US-Kupferprojekte mit neuen Meilensteinen: Rio Tinto, BHP, Ivanhoe Electric und Gunnison Copper wollen heimischen Bedarf decken
Kupfer ist für die USA zur nationalen Sicherheitsfrage geworden. Arizona liefert die Antwort: Gleich drei Projekte haben in wenigen Wochen wichtige Meilensteine erreicht – von erster Produktion bei Gunnison Copper bis zum Großprojekt Resolution Copper.
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Kupfer ist für die USA zu einem strategischen Rohstoff geworden. Neue Rechenzentren, der Ausbau der Stromnetze, zusätzliche heimische Industrieproduktion und der Verteidigungssektor erhöhen den Bedarf an dem Metall. Gleichzeitig sind die USA bei Kupfer weiterhin auf Importe angewiesen. Washington hat die Versorgung mit dem Metall deshalb ausdrücklich zu einer Frage der nationalen und wirtschaftlichen Sicherheit erklärt.
Der Kupfermarkt liefert zusätzlichen Druck. Im September erreichte der Kupferpreis an der London Metal Exchange zeitweise knapp 14.800 USD je Tonne. Neben den langfristig steigenden Anforderungen durch Stromnetze und Rechenzentren haben Produktionsprobleme wichtiger Minen und Veränderungen der Handelsströme das Angebot verknappt.
Für die USA wird damit entscheidend, wie schnell neue heimische Kapazitäten entstehen. Arizona spielt dabei eine zentrale Rolle. Innerhalb weniger Wochen haben dort mehrere Kupferprojekte wichtige Entwicklungsschritte erreicht. Anfang Oktober wies ein US-Berufungsgericht Anträge auf eine erneute Anhörung im Streit um den Landtausch für Resolution Copper zurück. Ende September legte Ivanhoe Electric eine neue Vormachbarkeitsstudie für Santa Cruz vor. Gunnison Copper erreichte bei Johnson Camp erstmals die kommerzielle Produktion.
Die drei Projekte stehen für verschiedene Entwicklungsstufen des US-Kupferbergbaus. Johnson Camp produziert bereits Kupferkathoden. Santa Cruz soll 2029 folgen. Das wesentlich größere Resolution-Projekt von Rio Tinto und BHP befindet sich weiterhin in der Vorbereitung
Rio Tinto und BHP investieren weiter in Resolution Copper
Resolution Copper gehört zu 55 % Rio Tinto ISIN GB0007188757 WKN 852147 und zu 45 % BHP ISIN AU000000BHP4 WKN 850524. Das Projekt liegt rund 100 Kilometer östlich von Phoenix und zählt zu den größten unerschlossenen Kupfervorkommen der USA. Am 1. Oktober teilte das US-Justizministerium mit, dass sämtliche Anträge auf eine erneute Anhörung in Verfahren gegen den notwendigen Landtausch zurückgewiesen worden sind. Der Landtausch selbst war bereits im März abgeschlossen worden.
Rio Tinto zufolge könnte eine entwickelte Mine bis zu einem Viertel des amerikanischen Kupferbedarfs decken. Eine Investitionsentscheidung steht noch aus. Für die kommenden zwei Jahre sind zunächst rund 500 Mio. USD für weitere Bohrungen, Infrastruktur und untertägige Entwicklungsarbeiten vorgesehen. Die Dimension von Resolution zeigt, welches langfristige Produktionspotenzial Arizona besitzt. Bis zu einer möglichen Mine stehen allerdings noch weitere Genehmigungen, technische Arbeiten und eine Investitionsentscheidung an.
Ivanhoe Electric definiert Santa Cruz neu
Weiter fortgeschritten ist Santa Cruz von Ivanhoe Electric ISIN US46578C1080 WKN A3DNSS. Das Unternehmen veröffentlichte am 23. September eine aktualisierte Vormachbarkeitsstudie für das Projekt bei Casa Grande. Die Studie weist wahrscheinliche Mineralreserven von 140 Mio. Tonnen mit durchschnittlich 1,08 % Kupfer aus. Während der ersten 15 Jahre sieht der Minenplan eine durchschnittliche Produktion von rund 75.000 Tonnen Kupfer jährlich vor. Die anfänglichen Investitionen werden auf 1,43 Mrd. USD geschätzt. Die geplante Minenlaufzeit beträgt 24 Jahre.
Ivanhoe strebt die erste Kupferproduktion 2029 an. Im August erhielt das Unternehmen von der US Export-Import Bank (EXIM) einen vorläufige Zusage für eine mögliche Finanzierung von bis zu 1,1 Mrd. USD.Santa Cruz hat damit bereits eine fortgeschrittenere Entwicklungsstufe als Resolution erreicht. Reserven und Minenplan sind in einer PFS definiert, während Finanzierung und vorbereitende Projektarbeiten parallel vorangetrieben werden.
Gunnison Copper erreicht kommerzielle Produktion
Bei Gunnison Copper ISIN CA4028801088 WKN A40TP4 hat die Produktion bereits begonnen. Das Unternehmen erklärte die Johnson Camp Mine im Cochise County am 22. September zur kommerziellen Produktion. Im August wurden 1,304 Mio. Pfund Kupferkathoden produziert. Bis zum 17. September kamen weitere 894.767 Pfund hinzu. Johnson Camp wird nun in Richtung seiner Nennkapazität von bis zu 25 Mio. Pfund Kupfer pro Jahr hochgefahren.
Das Projekt arbeitet mit Nuton zusammen, einem Unternehmen von Rio Tinto. Nuton finanziert ein Demonstrationsprogramm für seine Laugungstechnologie. Im September wurde der Stage-2-Minenplan erweitert. Rund drei Millionen zusätzliche Tonnen mineralisierten Materials sollen zwischen 2027 und 2029 verarbeitet werden. Nuton soll im Rahmen der Vereinbarung weitere 8 Mio. USD an Gunnison zahlen. Rio Tinto ist damit an zwei sehr unterschiedlichen Kupferprojekten in Arizona beteiligt: als Mehrheitseigentümer des langfristigen Großprojekts Resolution und über Nuton bei der bereits produzierenden Johnson Camp Mine.
Auf Johnson Camp folgt das noch größere Gunnison-Projekt
Für Gunnison ist Johnson Camp der erste produzierende Standort. Das namensgebende Gunnison-Projekt spielt aber in einer noch wesentlich größeren Dimension. Das Projekt verfügt über gemessene und angezeigte Mineralressourcen von mehr als 846 Mio. Tonnen mit durchschnittlich 0,33 % Kupfer. Darin sind rund 5,19 Mrd. Pfund Kupfer enthalten. Die im März veröffentlichte PEA sieht während der ersten 15 Betriebsjahre eine durchschnittliche Produktion von 174 Mio. Pfund Kupfer jährlich vor.
Der geplante Betrieb kombiniert Tagebau, Haufenlaugung und eine SX/EW-Anlage zur Herstellung von Kupferkathoden am Standort. Bei einem angenommenen Kupferpreis von 4,60 USD je Pfund errechnet die PEA einen Nachsteuer-Kapitalwert von rund 2 Mrd. USD bei 8 % Diskontierung und eine interne Rendite von 22,5 %. Als PEA stellt die Studie eine frühe wirtschaftliche Bewertung dar und berücksichtigt auch abgeleitete Mineralressourcen.
Im September reichte Gunnison eine Änderung des Sanierungsplans für das Projekt ein. Sie gehört zu den staatlichen Genehmigungsarbeiten für die geplante Tagebauentwicklung. Das Unternehmen strebt die notwendigen Genehmigungen und eine mögliche Investitionsentscheidung bis Mitte 2028 an.Johnson Camp verschafft Gunnison während dieser Entwicklungsphase bereits einen produzierenden Standort im selben Bergbaudistrikt. Das Gunnison-Projekt würde die Produktionsgröße erheblich verbessern: Die in der PEA modellierten 174 Mio. Pfund jährlich während der ersten 15 Jahre entsprechen fast dem Siebenfachen der Nennkapazität von Johnson Camp.
Heimische Kupferproduktion wird für die USA zum strategischen Faktor
Der steigende Strombedarf durch Rechenzentren, neue Netzinfrastruktur und zusätzliche Industrieinvestitionen trifft in den USA auf eine weiterhin hohe Abhängigkeit von Kupferimporten. Neue Minen benötigen gleichzeitig Jahre für Genehmigung, Finanzierung und Bau. Die Projekte in Arizona zeigen, wie unterschiedlich weit der Aufbau zusätzlicher heimischer Kapazitäten bereits fortgeschritten ist.
Johnson Camp liefert inzwischen Kupferkathoden aus heimischer Produktion. Santa Cruz soll nach den aktuellen Planungen 2029 folgen. Resolution Copper könnte langfristig eine wesentlich größere Größenordnung erreichen. Beim Gunnison Project entscheiden nun Genehmigungen und die weitere technische Entwicklung darüber, ob auf die Produktion bei Johnson Camp ein deutlich größerer Minenbetrieb folgen kann.
Für die USA liegt die Bedeutung dieser Projekte vor allem in der Zeitachse. Zusätzlichen Kupferbedarf gibt es bereits heute, während große neue Minen erst in den kommenden Jahren verfügbar werden können. Arizona gehört damit zu den wenigen Regionen des Landes, in denen bestehende Produktion und mehrere neue Projekte diese Lücke schrittweise schließen können.


