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Technik weit Markt spätQuantencomputer rücken vor doch die Börse wartet auf echte Umsätze

Googles Willow-Chip zeigt, wie groß das technische Potenzial der Quantenbranche ist. Doch an der Börse zählt nun etwas anderes: belastbare Umsätze, bekannte Kunden und messbarer Nutzen im Alltag.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Tamal Das / 123RF

Die Quantenbranche bleibt ein großes Zukunftsthema, aber das Timing ist schwierig. Die Lage erscheint paradox: technisch beeindruckend, wirtschaftlich noch nicht durchfinanziert. Auslöser der jüngsten Euphorie war vor allem Googles Willow-Chip. Dieser markiert einen Meilenstein in der Quantentechnologie, da er nach Unternehmensinformationen Berechnungen in Minuten ausführt, an denen selbst die leistungsstärksten klassischen Supercomputer rechnerisch scheitern würden. Doch aus Fortschritten in der Entwicklung werden an der Börse schnell Hoffnungen auf handfeste Umsätze. Das erzeugt Reibung: Zwischen technischer Machbarkeit und kommerziellem Durchbruch klafft weiterhin eine Lücke, die Investoren inzwischen nicht mehr übersehen.

Die Technik rückt vor doch der Markt hinkt hinterher

Der Grundton der Branche ist weiter optimistisch. Das US-amerikanische Finanzforschungsunternehmen InvestorPlace verweist in einem aktuellen Artikel auf Marktprognosen, die bis in die 2030er- und 2040er-Jahre ein Volumen von deutlich über 100 Mrd. USD nahelegen. Die Anwendungsfelder reichen von Medikamentenforschung über Finanzmodelle bis zu Logistik und Verteidigung.

Das klingt nach einer tiefgreifenden Marktveränderung. Allerdings ist der Übergang in die Praxis langsamer, als es die Börsenrally von 2024 und Anfang 2025 erwarten ließ. Fortschritte bei Fehlerkorrektur, Systemarchitektur und Qubit-Qualität (der Zuverlässigkeit und Stabilität der kleinsten Recheneinheiten im Quantencomputer) sind real. Verlässliche Erlöse in größerem Stil bleiben dagegen bislang die Ausnahme.

Reine Börsenwerte liefern sehr unterschiedliche Signale

Am weitesten in Sachen Umsatz ist laut InvestorPlace derzeit IonQ (ISIN: US46222L1089, WKN: A3C4QT). Das Unternehmen meldete für 2025 Erlöse von 130 Mio. USD und stellte für 2026 einen Korridor von 225 Mio. bis 245 Mio. USD in Aussicht. D-Wave Quantum (ISIN: US26740W1099, WKN: A3DSV9) kam 2025 auf 24,6 Mio. USD Umsatz und verwies auf mehr als 135 Kunden. Rigetti (ISIN: US76655K1034, WKN: A3DE3J) bleibt ein langfristigeres Investment.

Diese Zahlen zeigen, warum die Kurse nach dem Hype wieder deutlich zurückkamen. Selbst dort, wo Umsätze wachsen, stehen ihnen hohe Verluste, lange Entwicklungszyklen und enorme Investitionen gegenüber. Der Markt bezahlt inzwischen nicht mehr allein die Vision, sondern verlangt Nachweise für belastbare Nachfrage.

Speziell bei Rigetti ist diese Nüchternheit sichtbar. Firmenchef Subodh Kulkarni sagte nach dem Geschäftsjahr 2025, man sei nach heutigem Stand noch "roughly 3 years" vom entscheidenden Punkt entfernt. Das ist für die Branche ungewöhnlich offen und dürfte vielen Anlegern realistischer erscheinen als die euphorischen Aussagen der Boomphase.

Die nächste Kurswelle braucht jetzt harte Belege

Im Vordergrund stehen größere Verteidigungsaufträge, öffentlich benannte Industriekunden mit nachvollziehbarem wirtschaftlichem Nutzen und neue staatliche Programme. Solche Signale würden nicht nur Technik validieren, sondern zugleich das Geschäftsmodell.

Hinzu kommt der Blick auf die großen Plattformkonzerne. IBM hält an einem Fahrplan fest, der bis Ende 2026 einen ersten wissenschaftlichen Quantenvorteil und bis 2029 fehlertolerante Systeme vorsieht. Google wiederum hat mit Willow einen wichtigen Fehlerkorrektur-Meilenstein markiert. Für die kleineren fokussierten Anbieter ist das Chance und Risiko zugleich: Es bestätigt den technologischen Pfad, verschärft aber auch den Konkurrenzdruck.

Damit verschiebt sich die Bewertung der Branche. Die Frage lautet nicht mehr, ob Quantencomputer eines Tages wichtig werden. Die Frage ist, wer zuerst beweist, dass sich daraus im großen Stil Geld verdienen lässt. Solange diese Antwort aussteht, dürfte das Thema an der Börse anfällig für starke Ausschläge bleiben.