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Megatrendmarkt reiftQuantencomputing mit Siebenmeilenstiefeln: Infrastruktur wird Wachstumsmotor

Die Quantenbranche bleibt spekulativ, wirkt aber reifer als im Vorjahr. Technische Meilensteine, hybride Anwendungen und spezialisierte Zulieferer wie QuantumCore bestimmen nun das Marktwachstum.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance/dpa / Wolf von Dewitz

Troy Jensen, Analyst der US-Investmentbank Cantor Fitzgerald, sieht einen deutlich gereiften Sektor. Er gehört zu den wenigen Wall-Street-Beobachtern, die börsennotierte reine Quantenunternehmen analysieren. Die Branche nähert sich laut Jensen stetig einem kommerziell relevanten Punkt.

Der komplette technologische Durchbruch steht noch aus. In den kommenden zwei Jahren dürften Quantencomputer jedoch komplexe Teilaufgaben im Verbund mit klassischen Zentral- und Grafikprozessoren lösen. Die neuen Systeme dienen zunächst als Beschleuniger und kommen damit kontinuierlich weiter in der Praxis an.

Breite Wertschöpfung statt Monopolbildung

Dabei wird kein Einzelsieger gekürt. Im Quantensektor konkurrieren mehrere technologische Ansätze parallel: supraleitende Systeme, Ionenfallen, Photonik und neutrale Atome. Hinter jedem dieser Lager stehen spezifische Unternehmen, Stärken und technische Risiken. Der Markt entwickelt sich zu einem vielschichtigen Ökosystem statt zu einem binären Verdrängungswettbewerb.

Neben Entwicklern kompletter Quantenrechner profitieren Softwarehäuser, Compiler-Spezialisten (Entwickler von Übersetzungssoftware), Kühlsystemhersteller und Komponentenlieferanten. In diesen Segmenten konzentriert sich die Wertschöpfung. Technische Engpässe liegen in der präzisen Datenübertragung, der Temperaturkontrolle und der Systemstabilität.

Zu den Unternehmen, die in diesem Bereich ansetzen, zählt etwa der kanadische Quantenhardware-Entwickler QuantumCore (ISIN: CA74767F1045, WKN: A429HH). Das Unternehmen entwickelt kryooptimierte, also für extreme Kälte ausgelegte Chipsets sowie Komponenten zur Stabilisierung von Qubits, den grundlegenden Informationseinheiten in der Quantencomputer-Forschung. Solche Infrastruktur-Mikrochips sollen das Störrauschen minimieren, Wärme im Kryosystem reduzieren und die Auslesegenauigkeit verbessern. Das Unternehmen liefert somit die Bauteile für die Skalierung der Infrastrukturkette.

Technische Meilensteine verdrängen klassische Kennzahlen

Analyst Jensen bewertet das Segment deshalb anders als klassische Technologieaktien. Umsatz und EBITDA greifen aus seiner Sicht noch zu kurz. Im Vordergrund stehen Systemgenauigkeit, die Entwicklung physischer und logischer Qubits sowie die Anzahl der Anwender im Testbetrieb. Erst wenn diese technischen Hürden fallen, fußt der Markt auf solider Grundlage.

Die Marktentwicklung folgt zwei Stufen: Phase eins ist das hybride Modell, in dem Quantensysteme gemeinsam mit Hochleistungsrechnern arbeiten. Phase zwei beginnt dort, wo deutlich mehr logische Qubits entstehen und fehlertolerantere Systeme möglich werden. Jensen erwartet eine Kommerzialisierung bereits in den kommenden zwei Jahren.

QuantumCore ordnet sich in diese frühe Infrastrukturphase ein. Die Bereitstellung der Testplattform ist für Anfang 2026 geplant. Der Zeitplan sieht für 2026 einen Beta-Mikrochip, für 2027 Pilotanwendungen und ab 2028 die Kommerzialisierung über Foundry-Partner (Halbleiter-Auftragsfertiger) vor.

Sicherheit und Geopolitik erhöhen den Druck

Neben der technischen Reife treibt die strategische Dringlichkeit diesen Perspektivwechsel voran. Leistungsfähige Quantensysteme bedrohen künftig aktuelle Verschlüsselungsstandards. Banken, Stromnetze, staatliche Kommunikation und digitale Vermögenswerte geraten ins Visier. In der Branche kursiert dafür der Begriff "Q-Day". Gleichzeitig wächst der Druck, auf quantenresistente Kryptografie umzustellen.

Der geopolitische Rahmen verschärft das zusätzlich. China will Quantentechnologie bis 2030 breit verfügbar machen. In den USA sollte daher mehr Ausbildung und Forschung statt direkter Staatseinstiege forciert werden. Neben Kapital werden vor allem zusätzliche Physiker, Entwickler und Ingenieure dringend benötigt.

Symbiose mit KI beschleunigt den Infrastruktur-Hochlauf

Jensen sieht Wechselwirkungen zwischen Quantencomputing und künstlicher Intelligenz: KI braucht enorme Rechenleistung, kann aber zugleich bei Fehlerkorrektur, Code und Systementwicklung helfen. Die starken Rechenzentrumszahlen und der robuste Ausblick des US-Halbleiterkonzerns Nvidia (ISIN: US67066G1040, WKN: 918422) untermauern den anhaltenden Infrastrukturausbau. Dies stützt die Erwartung eines breiteren Booms spezialisierter Rechenarchitekturen.

QuantumCore hat auf diese Entwicklung reagiert und seine Ausrichtung in diesem Bereich daher ausgeweitet. Das Unternehmen hat kürzlich den Sensorikspezialisten Avalanche PhotoniQ für 2,0 Millionen CAD übernommen und ergänzt sein bisher auf supraleitende Verstärker und Übertragungstechnik ausgerichtetes Portfolio damit um photonische Detektoren. Der adressierbare Markt des Unternehmens wächst dadurch über supraleitende Systeme hinaus und positioniert QuantumCore aussichtsreich für den erwarteten Boom.