
Steilere Zinskurve?: Globale Bondrenditen auf 16-Jahres-Hoch
Die Anleiherenditen steigen, weil Investoren das Ende des Zinssenkungszyklus und höhere Risikoprämien einpreisen. Der mögliche Nachfolger von Jerome Powell bei der Fed könnte die Zinskurve steiler werden lassen.
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Die globalen Bondrenditen liegen so hoch wie seit 16 Jahren nicht. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf einen eigenen Index für langlaufende Staatsanleihen. "Angesichts steigender Defizite, zunehmender makroökonomischer Unsicherheit und des Zusammenbruchs der zuverlässig negativen Korrelation zwischen Aktien und Anleihen fordern Anleger heute eine höhere Risikoprämie. Anleihen bieten schlichtweg nicht mehr denselben Diversifizierungsvorteil wie früher", sagt Bloomberg Makrostrategin Skylar Montgomery Koning.
30-jährige Bonds: Renditen in UK und Down Under über 5 %
Vor allem ein Blick auf die sehr langen Laufzeiten bestätigt den Eindruck einer allgemein steigenden Risikoprämie am Bondmarkt. So notiert die 30-jährige deutsche Bundesanleihe mit einer Rendite von 3,46 %, was dem höchsten Wert seit 2011 entspricht. 2020 lag die Rendite noch leicht im negativen Bereich. Die 30-jährige US-Anleiherendite liegt bei 4,8 % - nach zeitweise 1,20 % im Jahr 2020. Frankreich zahlt für seine 30-jährigen Schuldtitel derzeit 4,42 %, nachdem 2020 zeitweise nur 0,35 % fällig waren. Frankreichs Rendite übersteigt damit minimal jene Italiens (4,39 %).
Bemerkenswert ist auch der Renditeanstieg am langen Ende in Japan: 3,37 % Rendite werden hier fällig, nachdem die Rendite von 2016 bis 2022 unter 1 % notiert hatte. Das Bild setzt sich durch weite Teile der westlichen Welt so fort: Kanadas 30-jährige Rendite etwa liegt bei 3,85%, Großbritannien muss den Märkten sogar 5,2 % bieten und liegt damit auf einem ähnlichen Niveau wie Australien (5,22 %). In den Niederlanden liegt der Zins bei 3,56 %, in Belgien bei 4,23 % und in Spanien bei 4,12 %.
Die Märkte preisen nicht nur höhere Risikoprämien ein, sondern auch ein Ende des laufenden Zinssenkungszyklus. Die Inflation bleibt vielerorts hartnäckig und schränkt das Potenzial für weitere geldpolitische Lockerungen ein. EZB-Direktorin Schnabel stuft das derzeitige Zinsniveau in der Eurozone als Talsohle ein, von der aus es aufwärts geht. In Sydney hat Zentralbankchefin Michele Bullock Zinssenkungen praktisch ausgeschlossen. In Japan steht eine Zinserhöhung noch im Dezember an.
Steilere Zinskurve durch Jerome Powells Nachfolger?
In den USA zeigte sich die Notenbank bei der Zinssenkung am Mittwoch ungewöhnlich uneins. Unklar ist, wie es nach dem Ausscheiden von Jerome Powell im Mai weitergeht. Kevin Hassett, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus, hat sich als aussichtsreichster Kandidat herauskristallisiert. Er gilt ebenso wie Präsident Trump als Befürworter niedriger Zinsen.
Gordon Shannon, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management sagt: "Die Hassett-Strategie hat in den letzten Tagen eine Lockerung der Geldpolitik eingepreist, mit einem schwächeren Dollar, einer steileren Zinskurve und steigenden Risikoanlagen." Doch auch eine anders geführte Fed könnte durch die anhaltende Inflation bei geldpolitischen Lockerungen gebremst werden.
Der Bondmarkt gleicht sich wie jeder Markt durch Angebot und Nachfrage aus. Das Angebot an neuen Anleihen ist aufgrund der Rekordverschuldung in den USA und anderer großer Volkswirtschaften wie Deutschland in den kommenden Jahren absehbar groß. Zudem benötigt der KI-Sektor große Geldsummen, die in Teilen ebenfalls über den Bondmarkt akquiriert werden müssen. Vor allem am langen Ende scheinen weiter steigende Renditen deshalb nicht ausgeschlossen.