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Steigende ProduktionAmerikas Öl ist der Gewinner des Iran-Kriegs

Während die Golfregion durch kriegsbedingte Störungen Marktanteile bei Öl und Gas verliert, gewinnen amerikanische Länder hinzu: Von Kanada bis Argentinien werden Großinvestitionen und Produktionsausweitungen gemeldet.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: picture alliance / Zoonar / Kokhanchikov

Der Öl- und Gasboom festigt die Position Nord- und Südamerikas als Gegengewicht zum Nahen Osten, dämpft die Weltmarktpreise und wird die künftige Preissetzungsmacht der OPEC begrenzen. Analysten sehen Amerika als großen Gewinner des Iran-Kriegs – vor allem die dortige Öl- und Gasbranche.

Argentinien ist ein Beispiel für den Öl-Boom, wenngleich das Wachstum dort auch auf weitreichende Änderungen der politischen Rahmenbedingungen und nicht nur auf den Iran-Krieg zurückgeht. Bei der Eröffnung der Argentina Oil & Gas Expo 2026 in Neuquén verwies Präsident Javier Milei auf das Produktionswachstum in der Vaca Muerta Schieferformation. Die durchschnittliche Produktion sei dort von 310.000 Barrel pro Tag im Jahr 2023 auf mehr als 670.000 Barrel im August 2026 gestiegen.

Argentinien knackt Produktionsrekord von 1998

Die nationale Ölproduktion erreichte im August 932.000 Barrel pro Tag, gegenüber etwa 635.000 im Jahr 2023. Dieser Wert übertraf den bisherigen historischen Rekord aus dem Jahr 1998. "Zum ersten Mal in der Geschichte sind wir nur noch wenige Schritte von einer Million Barrel pro Tag entfernt", sagte Milei. Dadurch steht auch mehr für den Weltmarkt zur Verfügung. Die Ölexporte haben sich erhöht, von durchschnittlich 128.000 Barrel pro Tag im Jahr 2023 auf das Doppelte dieses Volumens im Jahr 2026. Im Juli erreichten die Exporte fast 330.000 Barrel pro Tag.

Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht – nicht beim Öl und auch nicht beim Gas. Argentinien verfügt über die zweitgrößten Schiefergasreserven der Welt, importiert jedoch bislang Gas aus Bolivien. Die Regierung in Buenos Aires rechnet nun damit, dass Argentinien im nächsten Jahr mit dem Export von Flüssiggas nach Europa starten wird. Es besteht ein Vertrag im Volumen von mehr als 7 Mrd. USD.

Es ist kein argentinisches Phänomen: Von Kanada bis Feuerland haben Länder und Regionen in diesem Jahr Produktionsrekorde aufgestellt. Die Gesamtproduktion in Nord- und Südamerika dürfte laut Rystad Energy in den zwei Jahren bis Dezember 2026 um 10 % steigen.

Mehr Öl auch aus Venezuela und Suriname: Der Atlantikrand profitiert

Venezuela und Suriname stehen kurz vor einer deutlichen Produktionssteigerung, nachdem westliche Konzerne hohe Investitionen getätigt haben. Auch in den USA steigt die Produktion. Bei den Exporten von Rohöl und Erdölprodukten wie Diesel nach Europa, Asien und Ozeanien wird ein Plus von 15 % gemeldet.

Die Störungen in der Straße von Hormus und im Roten Meer haben Öl- und Gaskäufer dazu angehalten, ihre Bezugsquellen zu diversifizieren. Deshalb werden Lieferverträge in Amerika abgeschlossen. "Selbst die Golfstaaten werden durch Investitionen in Amerika nach Diversifizierungsmöglichkeiten suchen", sagt Daniel Yergin von S&P Global ISIN US78409V1044 WKN A2AHZ7.

Die Kräfteverhältnisse auf den globalen Märkten verschieben sich. "Der Produktionsanstieg in der westlichen Hemisphäre hat dem Golf-Kooperationsrat, insbesondere den Saudis, den mittelfristigen Preisspielraum genommen", sagt Rystad-Analyst Schreiner Parker. "Geographie kann in der heutigen neuen Welt genauso wichtig sein wie Geologie, und der Atlantikrand wird davon profitieren."

Ein weiterer Anstieg von Investitionen und Produktion ist vorgezeichnet. Wood Mackenzie rechnet damit, dass die Schieferölproduktion in den USA bis Dezember 2027 etwa 11,8 Millionen Barrel pro Tag erreichen wird, was etwa 1 Million Barrel mehr entspricht als vor Kriegsbeginn.

Ein Investoren-Konsortium unter der Führung von Shell ISIN GB00BP6MXD84 WKN A3C99G kündigte im September Investitionen von mehr als 20 Mrd. USD an. Das Ziel: Die Produktionskapazität von LNG Canada zu verdoppeln.

Venezuela ist ein weiterer Wachstumskandidat. Nach der Festnahme des ehemaligen Präsidenten Nicolas Maduro durch die USA forderte Präsident Trump Ölkonzerne auf, 100 Mrd. USD in dem Land zu investieren. Das Ziel: Die Ölproduktion wieder auf den historischen Höchststand von 3 Millionen Barrel pro Tag zu steigern. In diesem Jahr gelang eine Steigerung um 10 % auf 1,2 Millionen Barrel täglich.

Chevron ISIN US1667641005 WKN 852552 hat Investitionen in Höhe von 7 Milliarden Dollar und eine Steigerung der Produktion auf 600.000 Barrel pro Tag angekündigt. Auch der staatliche Ölkonzern der VAE, Adnoc, sowie Shell und BP ISIN GB0007980591 WKN 850517 haben Vorverträge mit Caracas unterzeichnet.

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