
Staatliche Notprogramme: Die Gaskrise Neuseelands als Investmentchance
Neuseelands Gasproduktion hat sich in einem Jahrzehnt halbiert – und neue Quellen kommen kaum nach. PricewaterhouseCoopers (PwC) warnt in einer aktuellen Studie vor einem strukturellen Engpass, der bereits jetzt Rekordpreise treibt und staatliche Notprogramme ausgelöst hat.
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Wer die Energieversorgung Neuseelands mit Deutschland vergleicht, stößt auf einen entscheidenden Unterschied: Neuseeland kann keinen Kubikmeter Gas importieren. Keine Pipeline führt auf die Inseln, kein LNG-Terminal existiert bislang. Was das Land verbraucht, muss es selbst fördern – und das wird zunehmend zum Problem. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die einheimische Gasproduktion mehr als halbiert, auf Werte, die zuletzt 1983 verzeichnet wurden. PwC bezeichnet die Lage in seiner "2026 Gas Supply and Demand Study" – eine im Auftrag der neuseeländischen Gasindustrie erstellte Marktanalyse – als kritisch: Sinkende Fördermengen treffen auf eine Infrastruktur, die auf stabile Versorgung ausgelegt ist, und eine Wirtschaft, die Gas für Industrie, Wärme und als Ausgleich für schwankende Wasserenergie dringend braucht.
Das Ergebnis ist am Markt ablesbar. Während in Nordamerika Erdgaspreise von zwei bis vier US-Dollar je Gigajoule als marktüblich gelten, wurden in Neuseeland im August 2024 Spotpreise von 41 US-Dollar je Gigajoule erreicht – ein historischer Rekord, ausgelöst durch ein sogenanntes Trockenjahr, in dem die Wasserkraftreservoire ungewöhnlich niedrig standen und die Gaskraftwerke die Lücke füllen mussten. Diese Preisrealität ist kein Ausreißer. PwC prognostiziert, dass die Gaspreise im Szenario ohne LNG-Importe bis 2035 auf rund 31 US-Dollar je Gigajoule in realer Kaufkraft steigen – das Dreifache des historischen Durchschnitts.
Das Taranaki-Becken trägt die ganze Last
Neuseeland bezieht nahezu sein gesamtes Erdgas aus einem einzigen geologischen Becken: dem Taranaki-Becken auf der Nordinsel. Sechs große Felder – Māui, Pohokura, Kupe, Mangahewa, Turangi und Kapuni – liefern den Großteil der Versorgung. Das Problem liegt in der Erschöpfung dieser Felder. Māui, einst eines der größten Gasfelder der südlichen Hemisphäre, wird voraussichtlich 2027 aus der Produktion ausscheiden. Kupe folgt 2032. Pohokura dürfte bis 2039 erschöpft sein.
Neue Felder kommen kaum nach. Ein 2018 verhängtes Explorationsverbot für neue Öl- und Gaslizenzen hat über Jahre die Investitionsbereitschaft gelähmt. Das Verbot wurde inzwischen aufgehoben, doch Exploration braucht Zeit: Von der Vergabe einer Lizenz bis zur ersten Produktion vergehen typischerweise fünf bis zehn Jahre. Die Lücke zwischen heutiger Förderung und künftigem Bedarf klafft damit bereits auf. PwC schätzt, dass die Gesamtversorgung bis 2035 auf gut die Hälfte des heutigen Niveaus fallen wird – selbst im optimistischeren Szenario mit LNG-Importen.
Der Ausfall von Methanex, dem weltgrößten Methanolhersteller mit Produktionsstandorten in der Taranaki-Region, verschärft das Problem strukturell. Methanex verbrauchte bislang täglich bis zu 270 Terrajoule Gas und fungierte gleichzeitig als Pufferspeicher des Systems: In Engpasssituationen drosselte das Unternehmen die Produktion und stellte seinen Gasvertrag für die Stromerzeugung zur Verfügung. 2024 stellte Methanex seinen gesamten Betrieb für Monate ein, um Gaskraftwerke in einem Trockenjahr zu versorgen – ohne diese Flexibilität wären die Strompreise noch deutlich höher ausgefallen. Fällt dieser Puffer weg, fehlt dem System eine Sicherheitsschicht, die bislang kaum sichtbar, aber unverzichtbar war.
Der Staat greift ein – mit konkreten Milliarden
Die neuseeländische Regierung hat die Dimension des Problems erkannt und reagiert – mit einem Maßnahmenpaket, das in seiner Konsequenz für einen westlichen Inselstaat ungewöhnlich direkt ist. Rund 120 Millionen US-Dollar an direkter Gasförderung wurden bewilligt. Ein Gassicherheitsfonds soll neue Projekte absichern, staatliche Kapitalbeteiligungen von bis zu 15 Prozent an neuen Gasfeldern sind möglich. Parallel dazu laufen am Containerhafen Port Taranaki die finalen Vergabeverhandlungen für ein LNG-Importterminal, das 2028 in Betrieb gehen soll. Zwei Anbieter wurden von der Regierung in die engere Wahl genommen, ein Vertragsabschluss mit dem bevorzugten Anbieter wird noch für 2026 angestrebt. LNG steht für verflüssigtes Erdgas, das auf Spezialschiffen transportiert wird und nach der Ankunft wieder in gasförmigen Zustand umgewandelt werden kann. Das Terminal soll ab 2028 erste Lieferungen aufnehmen können – als Notfalloption für Trockenjahre, in denen Gaskraftwerke einspringen müssen, aber die heimische Förderung nicht ausreicht.
PwC modelliert zwei Szenarien durch: Eines ohne LNG, in dem die Nachfrage schlicht wegbricht, Industriebetriebe schließen und die Strompreise volatil bleiben. Und eines mit LNG, das zwar teurer ist als heimisches Gas, aber Planungssicherheit schafft und eine geordnetere Energiewende ermöglicht. Der Unterschied ist erheblich: Ohne LNG könnte die neuseeländische Wirtschaft bis 2035 rund 9.500 Vollzeitarbeitsplätze verlieren, mit LNG immer noch rund 4.600 – aber bei deutlich stabileren Versorgungsbedingungen. Die Entscheidung für das LNG-Terminal folgt wirtschaftlicher Notwendigkeit, nicht klimapolitischem Signal.
Was das für Anleger bedeutet
Für Investoren öffnet diese Konstellation ein Fenster, das es in dieser Form kaum ein zweites Mal gibt: ein geografisch isolierter Energiemarkt mit strukturell sinkendem Angebot, wachsender Nachfrage durch Elektrifizierung und klimatische Trockenheitsrisiken, politischem Willen zur Förderung neuer Projekte und Preisen, die ein Vielfaches internationaler Benchmarks betragen.
Das Taranaki-Becken ist dabei das einzige operative Fördergebiet. Jedes Unternehmen, das dort Lizenzen hält, bewährte Produktionsstätten reaktiviert oder neue Kapazitäten erschließt, operiert in einem Markt ohne Importkonkurrenz und mit staatlichem Rückenwind. PwC hält in seiner Studie fest, dass die Exploration im Becken weiterhin Potenzial birgt – Infill-Bohrungen, also zusätzliche Bohrungen in bekannte Reservoire, und Workovers, also technische Überholungen bestehender Bohrlöcher, gelten als die schnellsten und kostengünstigsten Wege zur Produktionsausweitung.
Monumental Energy ISIN CA61534D1087 WKN A3EYZW ist eines der wenigen börsennotierten Unternehmen in diesem Bereich. Das kanadische Unternehmen produziert bereits Öl und Gas im Taranaki-Becken und finanziert Workover-Projekte gemeinsam mit dem erfahrenen Betreiberunternehmen New Zealand Energy ISIN CA6501583067 WKN A3EW4T und hält Royalty-Ansprüche auf die Produktionserlöse. Zuletzt wurde bekannt, dass Monumental eine Explorationslizenz für das Tirua-Point-Areal im Taranaki-Becken erhalten hat – mit einem Mehrheitsanteil von 60 Prozent. Der Zuschlag erfolgte ohne konkurrierende Bewerbungen, was die starke Positionierung des Unternehmens in der Region unterstreicht. Der Markt spricht strukturell für anhaltend hohe Preise. Mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von rund 9 Mio. CAD hat die Börse das überzeugende Geschäftsmodell und die starke Marktstellung von Monumental Energy aber bislang kaum eingepreist.
