
Sparte vor Neustart: Nestlé holt Partner für sein Wassergeschäft an Bord
Nestlé holt Platinum Equity als gleichberechtigten Partner für das Wassergeschäft an Bord. Beim geplanten Vollzug erwartet der Konzern rund 3 Milliarden EUR und gibt die alleinige Kontrolle über Marken wie Perrier und S. Pellegrino ab.
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Der schweizerische Nahrungsmittelkonzern Nestlé (ISIN: CH0038863350, WKN: A0Q4DC) will sein Wassergeschäft in ein geplantes Wasser-Joint-Venture ausgliedern. An der neuen Gesellschaft Peranel sollen der Konzern und die US-Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity jeweils 50 Prozent halten. Nestlé rechnet beim Abschluss der Transaktion mit einem Mittelzufluss von rund 3 Milliarden EUR. Der Vertrag steht zurzeit noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen behördlichen Genehmigungen und der vorgesehenen Konsultationen mit Arbeitnehmervertretungen.
Peranel erhält eine globale Plattform für Wachstum
Peranel wird mit einem Unternehmenswert von 4,9 Milliarden EUR beziehungsweise 5,6 Milliarden USD bewertet. Vollzogen werden soll die Transaktion im ersten Halbjahr 2027.
In der neuen Gesellschaft werden Premium-Wassermarken gebündelt: Source Perrier aus Frankreich und die italienischen Marken S. Pellegrino und Acqua Panna. Hinzu kommen die internationale Tafelwassermarke Nestlé Pure Life sowie mehrere lokale Wassergeschäfte des Konzerns.
Das Portfolio umfasst insgesamt mehr als 30 Marken, deren Produkte in 120 Ländern verkauft werden. Peranel soll seinen Sitz in Paris haben und von Muriel Lienau, der derzeitigen Leiterin des Wassergeschäfts, geführt werden. Die eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Sparte war seit 2022 an rund 120 Produkteinführungen beteiligt.
Der Preis zeigt die strategische Dimension des Deals
Der Konzern trennt sich damit nicht vollständig von der Sparte, gibt aber die alleinige Kontrolle ab. Platinum Equity trägt als Partner operative und finanzielle Mitverantwortung für die weitere Entwicklung des Geschäfts.
Platinum Equity verwaltet Vermögenswerte von rund 48 Milliarden USD und hat sich auf die Herauslösung und Verselbstständigung von Geschäftsbereichen spezialisiert. Für Peranel eröffnet diese Struktur neben organischem Wachstum ausdrücklich auch die Möglichkeit weiterer Zukäufe.
Gemessen am ausgewiesenen Umsatz der Wassersparte von 3,5 Milliarden CHF – umgerechnet etwa 3,8 Milliarden EUR – im Geschäftsjahr 2025 entspricht der Unternehmenswert rechnerisch ungefähr dem 1,3-Fachen des Jahresumsatzes.
Wassersparte wächst, bleibt aber margenschwach
Nestlé gibt kein schrumpfendes Geschäft ab: Die Wassersparte steigerte ihren Umsatz 2025 organisch um 5,3 Prozent. Das reale interne Wachstum, das Mengen- und Mixeffekte abbildet, erreichte 2,6 Prozent; Preiserhöhungen trugen weitere 2,7 Prozentpunkte bei. Besonders die Premiumangebote Maison Perrier und S.Pellegrino sowie das Geschäft mit Gastronomie und Hotellerie sorgten für Zuwächse.
Die bereinigte operative Marge der Einheit lag jedoch lediglich bei 9,1 Prozent. Der deutliche Abstand zum konzernweiten Niveau macht nachvollziehbar, weshalb Nestlé Kapital freisetzt, über seine Beteiligung aber an den Marken und möglichen Wachstumschancen festhält.
Regulatorischer Druck bleibt Teil der Gleichung
Nestlé prüft bereits seit längerer Zeit verschiedene Optionen für seine Wassersparte. Das Geschäft steht insbesondere in Frankreich unter juristischem und regulatorischem Druck. Die Kritik richtet sich dort gegen nicht genehmigte Verfahren zur Aufbereitung von Mineralwasser. Hinzu kommt Kritik am Wasserverbrauch und an der ökologischen Nachhaltigkeit der Produktion. Ein französischer Senatsbericht beanstandete 2025 unzulässige Aufbereitungsverfahren und offene Umwelt- und Gesundheitsfragen.
Damit verbleiben wesentliche regulatorische Risiken innerhalb von Peranel. Nestlé teilt diese Risiken künftig zwar mit einem Finanzinvestor, bleibt als hälftiger Eigentümer jedoch finanziell beteiligt und trägt weiterhin Risiken für seinen Ruf.
Halbjahreszahlen belasten den Börsenkurs
Die angekündigte Neuordnung des Wassergeschäfts wurde an der Börse von schwächeren Halbjahreszahlen überlagert. Die Nestlé-Aktie verlor im frühen Handel 6,9 Prozent auf 80,20 CHF, umgerechnet rund 87 EUR. Es war der stärkste Kursrückgang seit 2020.
An der Börse rückten schwächere Halbjahreszahlen stärker in den Vordergrund als die angekündigte Transaktion. Die Nestlé-Aktie verlor im frühen Handel 6,9 Prozent auf 80,20 CHF, umgerechnet rund 87 EUR. Es war der stärkste Kursrückgang seit 2020. Ausschlaggebend waren vor allem die Entwicklung von Umsatz und Profitabilität: Im zweiten Quartal stieg der Umsatz organisch um 3,7 Prozent. Davon entfielen 1,9 Prozentpunkte auf höhere Preise und 1,8 Prozentpunkte auf das reale interne Wachstum. Die bereinigte operative Marge sank im ersten Halbjahr leicht auf 16,4 Prozent; der bereinigte operative Gewinn ging um 2,8 Prozent auf 7,1 Milliarden CHF beziehungsweise rund 7,7 Milliarden EUR zurück.
Belastet wurde das Ergebnis unter anderem durch hohe Kaffee- und Kakaopreise, zusätzliche Marketingausgaben, Zölle und den weltweiten Rückruf von Säuglingsnahrung wegen einer verunreinigten Zutat. Der Kursverlust spiegelt vor allem Zweifel der Anleger wider, wie schnell der breitere Konzernumbau höhere Erträge liefert.
Navratil schärft den Fokus auf vier Kernfelder
Vorstandschef Philipp Navratil will Wachstum und Profitabilität steigern und Nestlé stärker auf vier Kernfelder ausrichten: Kaffee, Tiernahrung, Ernährung sowie Lebensmittel und Snacks. Das Wasser-Joint-Venture ist Teil dieser Portfoliobereinigung und soll die organisatorische Komplexität des Konzerns verringern.
Die Partnerschaft mit Platinum Equity soll Peranel nach Navratils Worten in die Lage versetzen, die eigene Strategie mit größerer Beweglichkeit umzusetzen. Nach dem geplanten Vollzug wird Nestlé die Sparte nicht mehr voll konsolidieren. Die operative Entwicklung des Markenportfolios liegt dann bei Peranel.