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Scale-up-FinanzierungSamsung prüft Milliardeninvestment in Mistral

Mistral braucht Milliarden für Rechenzentren und Europas KI-Ambitionen. Samsung könnte nicht nur Kapital liefern, sondern auch den Zugang zu jenem Hochleistungsspeicher erleichtern, auf dem moderne KI-Systeme laufen.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 8 min
Titelbild: Verumo, KI generiert

Samsung (ISIN: KR7005930003, WKN: 888322) führt laut einem Bericht der Wirtschaftszeitung Financial Times Gespräche über eine Beteiligung am französischen KI-Entwickler Mistral. Der südkoreanische Technologiekonzern könnte mehrere Hundert Millionen Euro investieren; laut Financial Times ist ein Betrag von etwa einer Milliarde Euro im Gespräch.

Mistral zielt auf einen deutlichen Bewertungssprung

Auch EQT (ISIN: SE0012853455, WKN: A2PQ7G), ein globaler Private-Markets-Investor mit schwedischen Wurzeln, prüft über den geplanten Scaleup-Europe-Fund eine Beteiligung. Die Verhandlungen laufen noch, endgültige Investitionssummen und Konditionen stehen nicht fest. Insgesamt will Mistral in der neuen Runde mehrere Milliarden Euro einsammeln.

Die mögliche Bewertung markiert einen deutlichen Sprung gegenüber der letzten bestätigten Runde: Im September 2025 nahm Mistral 1,7 Milliarden Euro zu einer Post-Money-Bewertung – dem Unternehmenswert unmittelbar nach Zufluss des neuen Kapitals – von 11,7 Milliarden Euro auf. Angeführt wurde die Finanzierung vom Chipausrüster ASML (ISIN: NL0010273215, WKN: A1J4U4). Ein Ansatz von 20 Milliarden Euro läge rechnerisch rund 71 Prozent darüber. Samsung hatte Mistral zudem bereits über seinen Wagniskapitalarm unterstützt.

Kapital und Chipzugang rücken enger zusammen

Die Gespräche haben eine operative Vorgeschichte: Mistral-Chef Arthur Mensch traf Anfang April Jeon Young-hyun, den Leiter von Samsungs Halbleitersparte, am Standort Hwaseong. Nach Angaben aus Branchenkreisen erörterten beide Seiten eine Zusammenarbeit bei KI-Speichern, Chip-Lieferketten und zugehörigen Technologien.

Samsung produziert HBM4 seit Februar 2026 in Serie. Dabei handelt es sich um die sechste Generation gestapelter Hochbandbreitenspeicher, die Grafikprozessoren und andere KI-Beschleuniger besonders schnell mit Daten versorgen. Samsung erwartet, den Umsatz mit High-Bandwidth-Memory im Gesamtjahr gegenüber 2025 mehr als zu verdreifachen. Für Mistral wäre eine Kapitalbeziehung zu einem großen Speicheranbieter damit potenziell auch für die Absicherung künftiger Rechenkapazitäten relevant. Konkrete Liefervereinbarungen zwischen beiden Unternehmen sind bislang allerdings nicht bekannt.

Mistral setzt auf Europas technologische Eigenständigkeit

Mistral hat sich als europäisches Gegengewicht zu den großen US-amerikanischen KI-Anbietern positioniert. Das Unternehmen beliefert unter anderem das französische Militär und profitiert von der politischen Debatte über eine größere technologische Unabhängigkeit Europas.

Im Vergleich mit führenden US-Konkurrenten bleibt der Abstand allerdings beträchtlich. Selbst bei der diskutierten Bewertung käme Mistral auf rund 20 Milliarden Euro. Der US-KI-Entwickler Anthropic wurde bei seiner jüngsten Finanzierungsrunde Ende Mai dagegen mit 965 Milliarden USD nach Zufluss des neuen Kapitals bewertet. Zugleich hat eine US-Entscheidung, den ausländischen Zugang zu zwei fortgeschrittenen Anthropic-Modellen zu blockieren, die Diskussion über eigenständige europäische KI-Infrastruktur verschärft.

Zur Bewertung kommt ein deutlich wachsendes Geschäft: Mistrals auf ein Gesamtjahr hochgerechnete Umsatzrate lag im Februar 2026 bei mehr als 400 Millionen USD, nachdem sie ein Jahr zuvor noch rund 20 Millionen USD betragen hatte. Das Unternehmen zählte zu diesem Zeitpunkt mehr als 100 Großkunden und stellte für Ende 2026 wiederkehrende Jahresumsätze von mehr als einer Milliarde USD in Aussicht. Diese Kennzahlen liefern eine operative Referenz für die diskutierte Bewertung, ersetzen aber keine Angaben zu Profitabilität oder Cashflow.

Mistral baut eine eigene Rechenbasis in Europa

Der Kapitalbedarf ist bereits konkret: Mistral nahm im März erstmals 830 Millionen USD Fremdkapital auf, um 13.800 Grafikprozessoren von Nvidia (ISIN: US67066G1040, WKN: 918422) für ein Rechenzentrum in Bruyères-le-Châtel bei Paris zu finanzieren. Die Anlage soll eine elektrische Leistung von 44 Megawatt erreichen.

Im Juni sicherte sich Mistral darüber hinaus eine erste Ausbaustufe von 96 Megawatt auf dem von Campus AI entwickelten Rechenzentrumscampus in Fouju bei Paris. Dort kann die Kapazität auf bis zu 200 Megawatt steigen. Die Größenordnung zeigt, weshalb Mistral neben Eigenkapital auch langfristige Abnahmeverträge, Fremdfinanzierung und verlässlichen Zugang zu Speicher- und Grafikchips benötigt.

Microsoft erweitert Mistrals Vertrieb und Einsatz

Am 21. Juli erweiterten Microsoft (ISIN: US5949181045, WKN: 870747) und Mistral ihre Zusammenarbeit. Microsoft sagte Unterstützung im Umfang von mehreren Milliarden USD für den Ausbau europäischer Rechenzentren zu und will einen Teil der von Mistral aufgebauten Kapazitäten selbst nutzen. Gleichzeitig soll Mistrals Technologie stärker über die Cloud- und Softwareangebote von Microsoft vertrieben werden.

Zu der Partnerschaft gehören Mistral Medium 3.5, ein multimodales KI-Modell für Agenten- und Programmieraufgaben, sowie OCR 4, ein System zur Erkennung und strukturierten Auswertung von Dokumentinhalten. Beide Angebote sollen über Microsoft Foundry zugänglich sein. Medium 3.5 wird zudem zunächst als Vorschau in Copilot Studio angeboten. Kunden sollen die Modelle in der öffentlichen Cloud, auf eigener Infrastruktur oder in vollständig vom öffentlichen Netz getrennten Umgebungen betreiben können.

Mistral bewegt sich damit zwischen zwei strategischen Polen: Das Unternehmen wirbt mit europäischer Eigenständigkeit, arbeitet beim Ausbau seiner Infrastruktur und Reichweite jedoch zugleich mit einem der größten US-Technologiekonzerne zusammen.

Der EU-Rahmen beeinflusst Finanzierung und Betrieb

Der von EQT verwaltete Scaleup Europe Fund soll ein Zielvolumen von rund fünf Milliarden Euro erreichen. Die Europäische Kommission will davon eine Milliarde Euro als Gründungsinvestor bereitstellen. Erste Beteiligungen sind nach derzeitigem Zeitplan für Herbst 2026 vorgesehen. Ein mögliches Mistral-Engagement würde den Fonds früh mit einem der strategisch wichtigsten europäischen KI-Unternehmen verbinden.

Gleichzeitig verschärft sich der regulatorische Rahmen: Die Pflichten des AI Act der Europäischen Union für Anbieter allgemeiner KI-Modelle umfassen unter anderem technische Dokumentation, eine Urheberrechtsstrategie und eine Zusammenfassung der Trainingsinhalte. Vom 2. August 2026 an kann die Europäische Kommission die Einhaltung der Vorgaben auch mit Geldbußen durchsetzen. Für Mistral wird die regulatorische Umsetzung damit zu einem unmittelbaren operativen Faktor der Expansion.

Samsung hält seine Kapitaloptionen weiter offen

Samsung hatte bereits im April erklärt, bei Bedarf Investitionen und Übernahmen prüfen zu wollen. Die damaligen Aussagen bezogen sich ausdrücklich auf die schnellere Entwicklung und Vermarktung von Robotik sowie auf Kooperationen mit lokalen Technologieunternehmen.

Für Anleger fällt die Nachricht in eine Phase außergewöhnlich hoher Ergebnisdimensionen bei Samsung. Der Konzern stellte am 7. Juli für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von rund 171 Billionen Won, umgerechnet etwa 101 Milliarden Euro, und einen operativen Gewinn von rund 89,4 Billionen Won, umgerechnet etwa 52,8 Milliarden Euro, in Aussicht.

Die vollständigen Quartalszahlen und der zugehörige Analystencall sind für den 30. Juli 2026 angesetzt. Aussagen zur Kapitalallokation und zur Entwicklung des KI-Speichergeschäfts könnten zusätzliche Einordnung liefern. Eine Behandlung der Mistral-Gespräche ist jedoch nicht angekündigt.