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RechenzentrenKI-Boom verschiebt Milliardenrisiken zu Finanzinvestoren

BlackRock organisiert für Meta die Finanzierung eines riesigen Rechenzentrums in Texas. JPMorgan und Morgan Stanley sollen das Kapital einsammeln – und machen den KI-Ausbau endgültig zum Großprojekt der Kreditmärkte.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 7 min
Titelbild: Anthony Quintano / Flickr, CC BY 2.0

BlackRock (ISIN: US09290D1019, WKN: A40PW4), der weltweit größte Vermögensverwalter, organisiert eine Anleihefinanzierung über mindestens zwölf Milliarden USD für Metas geplantes Rechenzentrum in El Paso. Die Beteiligung läuft über Project Sopaipilla Holdings, die Projektgesellschaft des Standorts. Von BlackRock verwaltete Fonds halten daran zusammen 80 Prozent: Global Infrastructure Partners, kurz GIP, ist BlackRocks Infrastrukturplattform, HPS Investment Partners ist auf private Kredite spezialisiert. Die übrigen 20 Prozent gehören Meta Platforms (ISIN: US30303M1027, WKN: A1JWVX), dem Technologiekonzern hinter Facebook, Instagram und WhatsApp. Meta ist damit Minderheitseigner und zugleich der vorgesehene Hauptnutzer des auf rund ein Gigawatt Leistung ausgelegten Campus.

BlackRock rückt näher an das Infrastrukturgeschäft

Die Eigentümerstruktur macht sichtbar, wie weit BlackRock über das klassische Verwalten börsennotierter Anlagen hinausgeht. Ende Juni betreute der Konzern 15,3 Billionen USD. Im ersten Halbjahr flossen netto 321 Milliarden USD zu. Die Größenordnung unterstreicht BlackRocks Fähigkeit, Anlegerkapital in großvolumige Infrastruktur- und Kreditstrategien zu lenken.

Den strategischen Umbau treiben die Zukäufe von GIP und HPS voran. Am 21. Juli schloss ein Konsortium aus der Artificial Intelligence Infrastructure Partnership, MGX und BlackRocks GIP zudem die Übernahme von Aligned Data Centers ab. Der Unternehmenswert liegt bei rund 40 Milliarden US-Dollar. Aligned betreibt und entwickelt 87 Rechenzentren an 51 Campus-Standorten mit insgesamt mehr als 6,4 Gigawatt bestehender und geplanter Kapazität. Über verwaltete Fonds verbindet BlackRock damit Eigentum und Finanzierung mit dem Zugang zu einer großen Rechenzentrumsplattform. Aus dem Kapitalvermittler wird ein zentraler Organisator digitaler Infrastruktur.

Meta verlagert Milliardenrisiken in Projektgesellschaften

Beim Rechenzentrumsprojekt in El Paso führen die US-Großbanken JPMorgan Chase und Morgan Stanley die Platzierung durch und sprechen weitere Anleiheinvestoren an. Die Erlöse sollen den Bau des Campus finanzieren. Meta sichert sich als Nutzer und Minderheitseigner Rechenleistung, ohne den gesamten Kapitalbedarf allein zu tragen.

Bloomberg hatte Anfang Mai von einem Gesamtpaket über rund 13 Milliarden USD berichtet, das überwiegend aus Fremdkapital bestehen sollte. Die nun vorbereitete Anleihe über mindestens zwölf Milliarden USD bildet voraussichtlich den Schuldenkern dieser Finanzierung.

Dieses Muster kennt Meta aus Louisiana. Dort entwickeln Meta und von Blue Owl Capital verwaltete Fonds den Hyperion-Campus über ein Gemeinschaftsunternehmen: Blue Owl hält 80 Prozent, Meta 20 Prozent. Die gesamten Entwicklungskosten wurden auf rund 27 Milliarden USD beziffert. BlackRock kaufte später Anleihen im Wert von mehr als drei Milliarden USD. El Paso ähnelt damit diesem Modell: Ein Finanzinvestor hält die Mehrheit, Meta bleibt Minderheitseigner und langfristiger Nutzer.

Für Meta ist diese Struktur ein Hebel, um den KI-Ausbau zu beschleunigen und den Kapitaleinsatz auf mehrere Schultern zu verteilen. Der Konzern erwartet für 2026 Investitionsausgaben einschließlich Tilgungszahlungen für Finanzierungsleasing von 125 bis 145 Milliarden USD – zehn Milliarden USD mehr als zuvor. Meta führt höhere Komponentenpreise und zusätzliche Rechenzentrumskosten als Gründe an.

El Paso koppelt den KI-Ausbau an neue Gaskraft

Meta hat das geplante Investitionsvolumen für den Standort von zunächst 1,5 Milliarden auf mehr als zehn Milliarden USD angehoben. Nach Fertigstellung sollen mehr als 300 dauerhafte Stellen entstehen; in der Spitze werden mehr als 4.000 Menschen auf der Baustelle erwartet. Die Inbetriebnahme ist nach bisherigen Planungen für 2028 vorgesehen.

Das rund vier Quadratkilometer große Gelände soll in fünf Phasen entwickelt werden. Stadt und County haben dafür Steuervorteile von insgesamt bis zu 550 Millionen US-Dollar vereinbart.

Zum Engpass wird die Energieversorgung. El Paso Electric beantragt als Übergangslösung ein Gaskraftwerk mit 366 Megawatt, das den Campus ab 2027 zunächst fünf Jahre exklusiv versorgen soll. In dieser Zeit soll Meta sämtliche Kosten tragen. Meta setzt nach eigenen Angaben auf einen geschlossenen Kühlkreislauf und will die doppelte Menge seines Wasserverbrauchs durch lokale Projekte ausgleichen. El Paso Water erwartet im Jahresmittel rund 1,8 Millionen Liter täglich; die vertragliche Obergrenze liegt bei etwa 9,5 Millionen Litern.

Der politische Rückhalt für weitere Projekte dieser Art schwindet. Der Stadtrat beschloss im Mai einstimmig, künftig keine weiteren Hyperscale-Rechenzentren aktiv anzuwerben oder mit neuen Steuervergünstigungen zu fördern. Parallel arbeitet El Paso an strengeren Vorgaben für Wasser, Energie, Emissionen, Lärm und kommunale Gegenleistungen.

Der KI-Ausbau zieht den Kreditmarkt in neue Dimensionen

Rechenzentren entstehen zunehmend über eigenständige, milliardenschwere Schuldentransaktionen statt ausschließlich aus den Bilanzen der Technologiekonzerne. BlackRock bündelt Kapital von Versicherern, Pensionskassen und anderen Großanlegern; JPMorgan und Morgan Stanley öffnen den Zugang zum Anleihemarkt. Aus Gebäuden, Stromanschlüssen und langfristigen Nutzungsverträgen wird ein großvolumiges Anlageprodukt.

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet inzwischen damit, dass der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren von rund 485 Terawattstunden im Jahr 2025 auf etwa 950 Terawattstunden im Jahr 2030 steigt. In den USA dürfte die Branche bis dahin etwa die Hälfte des zusätzlichen Strombedarfs verursachen. Damit wächst nicht nur der Finanzierungsbedarf für Gebäude und Server, sondern auch für Kraftwerke, Speicher und Netze.

Die Risiken konzentrieren sich auf Baukosten, Energieversorgung, Auslastung und die Abhängigkeit von einem Hauptnutzer. Da Kraftwerke und Übertragungsleitungen deutlich längere Vorlaufzeiten haben als Rechenzentren, können Verzögerungen bei der Stromversorgung die Finanzierung zusätzlich belasten.

Der Deal markiert zugleich eine Verschiebung der Machtverhältnisse. Kapitalverwalter stellen nicht mehr nur Geld für den KI-Boom bereit, sondern kontrollieren über ihre Fonds zunehmend die Anlagen, auf denen er beruht. Meta gewinnt Rechenleistung, BlackRock reale Vermögenswerte für seine Kunden und die Banken ein milliardenschweres Platzierungsmandat. Der Kapitalmarkt wird damit selbst zu einem Teil der technischen Infrastruktur.