
Rohstoffe: Jetzt noch in Kupfer investieren? Optionen für Anleger
Die Kupferstory klingt vielversprechend, doch die Kurse des Metalls und der Minenaktien sind weit gelaufen. Wo stehen wir im aktuellen Rohstoffzyklus im Vergleich mit 2011/2012?
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Kupfer gilt im globalen Bergbau als das Metall der Stunde: Dass zwischen den Rohstoffriesen Rio Tino und Glencore Fusionsgespräche laufen, ist maßgeblich auf das Ziel einer strategischen Positionierung im Kupfermarkt zurückzuführen. Kupfer wird für alle Megatrends benötigt, die in den nächsten 20-30 Jahren absehbar sind: Rüstung, KI, Elektrifizierung und erneuerbare Energien steigern die Nachfrage bis 2040 voraussichtlich um über 40 % bis 50 %.
Das Angebot hinkt dagegen hinterher: Viele große Minen werfen aufgrund sinkender Erzgehalte weniger Kupfer ab. Die Errichtung neuer Minen erfordert lange Vorlaufzeiten. Zudem ist die Pipeline leer, da über Jahrzehnte zu wenig in Exploration investiert wurde, große Entdeckungen liegen zumeist Dekaden zurück.
Blick zurück: Chinas Aufstieg und der Rohstoffboom bis 2011/2012
Auf den ersten Blick liegt deshalb nur wenig näher als eine Investition in Kupfer. Auf den zweiten Blick ist es komplizierter: Der Kurs des Metalls ist ebenso deutlich angestiegen wie die Kurse der Aktien vieler Bergbauunternehmen. Erfahrene Anleger erinnern sich an die 2000er Jahre zurück. Damals musste der Rohstoffmarkt den Aufstieg Chinas absorbieren. Das Narrativ damals wie heute: Steigende Nachfrage, die absehbar nicht durch neues Angebot gedeckt werden kann. Kohle und Eisenerz standen aufgrund der starken chinesischen Nachfrage im Mittelpunkt.
Die Rohstoffpreise stiegen deutlich an. Bergbauunternehmen steigerten die M&A Aktivitäten deutlich. Genau wie heute sind aus Sicht der Führungsetagen Zukäufe der schnellste Weg zu mehr Kupfer (und anderen gefragten Rohstoffen wie Lithium). 2011 zahlte BHP 20 Mrd. USD für US-Schiefergasvorkommen. Rio Tinto kaufte Riversdale Mining für 3,7 Mrd. USD. Auch die 62 Mrd. USD schwere Fusion von Glencore mit Xstrata fällt in diese Zeit.
Was geschah? "Die weltweite Minenproduktion stieg zwischen 2000 und 2011 jährlich um 20 % (in USD), wobei mehr als die Hälfte dieses Wachstums auf Kohle und Eisenerz zurückzuführen war. Die Eisenerzproduktion verdoppelte sich in diesem Zeitraum mengenmäßig. Die Investitionen in den Bergbau stiegen in diesem Zeitraum um mehr als das Fünffache", notiert Morningstar-Analyst James Gruber in einem aktuellen Rückblick auf diese Zeit.
Wo stehen wir im aktuellen Kupfer- und Rohstoffzyklus?
Mit dem chinesischen Wirtschaftswachstum sank auch die Nachfrage. "Fast alle Mega-Deals zwischen 2010 und 2012 erwiesen sich als Fehlschläge. Sie führten zu Milliardenverlusten für die Unternehmen und schmerzhaften Folgen für deren Aktionäre. So schrieb beispielsweise Rio Tinto den Wert von Riversdale innerhalb eines Jahres nach der Übernahme um 80 % ab", schreibt Gruber.
Danach machte das große Kapital für lange Zeit einen weiten Bogen um den Bergbau. Anleger fragen sich nun: Ist der aktuelle Rohstoffzyklus zu weit fortgeschritten, um jetzt noch einzusteigen? Gruber sieht den Zug noch nicht abgefahren. So hätten steigende Gold- und Aluminiumpreise bislang nicht zu einer steigenden Produktion geführt. Das Kupferangebot wachse zwar, aber nicht schnell genug. Er sieht den Rohstoffmarkt deshalb mitten in einem Boom und nicht am Ende eines solchen. "Solange das Rohstoffangebot nicht deutlich steigt und eine Welle großer Minengeschäfte ansteht, dürfte es noch eine Weile dauern, bis der Boom in eine Krise umschlägt."
Investieren in Kupfer: Fünf Optionen
Anleger, die in Kupfer investieren möchten, haben fünf Optionen zur Auswahl. Erstens: Aktien von großen Kupferproduzenten wie Freeport McMoRan (ISIN: US35671D8570, WKN: 896476), Southern Copper (ISIN: US84265V1052, WKN: A0HG1Y), Rio Tinto (ISIN: GB0007188757, WKN: 852147) etc. Zweitens: ETFs auf Kupferaktien wie z.B. den Global X Copper Miners ETF (ISIN: US37954Y8306, WKN: A143H5). Drittens: Royalty Unternehmen, die keine eigenen Minen betreiben, aber Einnahmen aus produzierten Mengen erhalten. Viertens: Kupfer Explorationsunternehmen. Fünftens: Physisches Kupfer, z. B. über Vehikel wie den Sprott Physical Copper Trust.
Kupfer-Juniors: Der Hebel auf den nächsten Zyklus
Wer über die klassischen Produzenten, ETFs und Royalty-Modelle hinausgehen will, landet zwangsläufig bei den sogenannten Kupfer-Juniors. Gerade im aktuellen Marktumfeld kann das trotz der bereits gelaufenen Kurse des Metalls sinnvoll sein: In einem Boom, der von strukturellem Angebotsmangel lebt, werden hochwertige Projekte knapp - und damit steigt erfahrungsgemäß die strategische Bedeutung kleinerer Entwickler und Explorer als potenzielle Übernahmeziele oder als "Option" auf neue Produktion. Der Preis dafür ist ein deutlich höheres Risiko: Juniors reagieren empfindlicher auf Finanzierungsbedingungen, einzelne Bohrergebnisse und Genehmigungsfortschritte. Gleichzeitig ist genau diese Hebelwirkung der Grund, warum sie in einer fortgesetzten Kupfer-Hausse oft stärker laufen als etablierte Schwergewichte.
Ein Beispiel mit vergleichsweise viel Substanz ist Gunnison Copper (ISIN: CA4028801088, WKN: A40TP4): Das Unternehmen ist in Arizona aktiv und hat mit Johnson Camp bereits ein Asset, das in Produktion ist - ermöglicht durch die Partnerschaft mit Nuton, einem Rio-Tinto-Venture, dass Technologie und Finanzierung einbringt und den Ramp-up bis zur geplanten Kapazität von bis zu 25 Mio. Pfund Kupferkathoden pro Jahr stützen soll. Parallel treibt Gunnison das deutlich größere Gunnison-Projekt im Bezirk Cochise voran, rund 65 Meilen östlich von Tucson. Die ursprüngliche Idee, das Kupfer mit einem speziellen In-situ-Verfahren direkt im Gestein zu lösen, wurde inzwischen zugunsten einer klassischeren Minenplanung zurückgestellt: Das Vorkommen soll nach heutigem Stand im Tagebau erschlossen und das Erz anschließend in mehreren Verarbeitungsschritten zu Kupferkathoden aufbereitet werden. Für Anleger ist daran vor allem wichtig, dass das Projekt mit jedem erreichten Meilenstein - also mit genehmigten Plänen, gesicherter Finanzierung und belastbaren Wirtschaftlichkeitsdaten - greifbarer wird und dadurch an Wert gewinnen wird.
Die australische QMines (ISIN: AU0000141533; WKN: A2QSAM) sitzt dagegen in einem ganz anderen Jurisdiktions- und Projektprofil: In Queensland, Australien, soll das historische Kupfer-Gold-Silber-Vorkommen Mt. Chalmers nahe Rockhampton wieder in Richtung Produktion gebracht werden. Das Projekt ist zu 100 % im Besitz des Unternehmens, verfügt über eine definierte Erzreserve und ist in der Entwicklungslogik bereits weiter als ein reiner Explorer - ein Punkt, der in Phasen knapper werdender, genehmigungsfähiger Projektpipelines für Investoren oft entscheidend ist.
Algo Grande Copper (ISIN: CA0156071049, WKN: A41UK1) schließlich steht stärker für die "Explorations-Option" mit besonders großem Hebel: Kernasset ist das rund 5.895 Hektar große Adelita-Projekt im Sonora-Arizona-Kupfergürtel in Mexiko, verankert durch eine oberflächennahe Kupfer-Gold-Silber-Skarn-Entdeckung (Cerro Grande) und ein solides historisches Datenpaket mit mehreren Kilometern Bohrungen – inklusive der Fantasie, dass ein tieferliegendes Porphyrsystem als Quelle der Mineralisierung fungieren könnte.
Für Anleger ist das attraktiv, wenn sie gezielt auf neue Entdeckungen und die Neubewertung in einem M&A-getriebenen Umfeld setzen wollen - wissend, dass Timing und Nachrichtenfluss hier überdurchschnittlich stark über die weitere Kursentwicklung entscheiden.

