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Neuer Markt im OrbitErster Starfall-Kunde gibt SpaceX strategischen Rückenwind

Mit Starfall will SpaceX Forschung und Produktion unter annähernder Schwerelosigkeit um eine kommerzielle Rückroute ergänzen. Der Markt reicht von Biotechnologie bis Spezialmaterialien. Kleinere Anbieter wie Varda Space sind mit Rückkehrkapseln bereits aktiv.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Official SpaceX Photos / Flickr, CC BY 2.0

Der US-Raumfahrt- und Technologiekonzern SpaceX ISIN US84615Q1031 WKN A42D4F hat für seinen neuen Rücktransportdienst Starfall den ersten bekannten Kunden gewonnen. Space Cargo, ein luxemburgischer Anbieter für Weltraumlogistik und Produktion unter annähernd schwerelosen Bedingungen, plant dafür eine Mission im Jahr 2028. Firmenchef Nicolas Gaume sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Flug solle mit der ersten kommerziellen Mission von Starship verbunden werden.

Starship ist SpaceX' noch in Entwicklung befindliches Schwerlast-Raketensystem aus dem Raumschiff Starship und der ersten Stufe Super Heavy. Beide sind auf vollständige Wiederverwendbarkeit ausgelegt. SpaceX äußerte sich gegenüber Reuters nicht zum Zeitplan.

Starfall soll den Rückweg aus dem Orbit standardisieren

Materialien und Forschungsfracht werden für eine Starfall-Mission bereits vor dem Start in die Kapsel integriert. Nach dem Aufenthalt im Orbit kehrt die Kapsel mit derselben Nutzlast zur Erde zurück. Der rund drei Meter breite Hitzeschild schützt sie beim extrem heißen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Der erste Demonstrationsflug startete am 23. Juni 2026 mit einer Falcon 9 von Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida. Starfall hat damit bereits einen Testflug absolviert, ein kommerzieller Betriebsnachweis steht jedoch noch aus.

Space Cargo will sein sogenanntes BentoBox-System in die Starfall-Kapsel integrieren. Die Plattform bündelt Nutzlasten verschiedener Kunden für Experimente und Produktion im Orbit. Bei der geplanten Mission soll BentoBox bis zu einer Tonne unterschiedlicher Kundenfracht aufnehmen.

Die Vergleichswerte von Space Cargo beziehen sich auf verschiedene geplante BentoBox-Einsätze. Ab 2027 sind sieben Missionen mit Phoenix vorgesehen, einer Rückkehrkapsel des deutschen Raumfahrt-Start-ups ATMOS Space Cargo. Dafür nennt Space Cargo jeweils 100 Kilogramm BentoBox-Nutzlastkapazität. Ein weiteres geplantes Rückkehrsystem ist Space Rider, der wiederverwendbare unbemannte Raumgleiter der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Für dessen Demonstrationsflug 2028 nennt Space Cargo 300 Kilogramm. Bei Starfall soll die Kapazität 2028 auf bis zu eine Tonne steigen. Space Cargo verteilt BentoBox damit auf mehrere Rückkehrsysteme und verringert seine Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter. Bei der geplanten Starfall-Mission stellt SpaceX sowohl Starship als Startsystem als auch die Rückkehrkapsel.

BentoBox soll bis 2027 für größere Lasten reifen

BentoBox ist als standardisierte, autonome Plattform für Forschung und Produktion unter Mikrogravitation konzipiert. Sie stellt unter anderem Strom, Temperaturregelung und Telemetrie für Nutzlasten bereit. Der Integrationsaufwand für einzelne Kunden sinkt dadurch.

CORDIS, die Forschungsdatenbank der EU-Kommission, weist für die BentoBox-Entwicklung knapp 2,5 Mio. EUR Förderung aus. Das Vorhaben läuft bis 31. Oktober 2027 und soll die zulässige Nutzlast bis Herbst 2027 erhöhen. Ein wichtiger Entwicklungsschritt liegt somit unmittelbar vor der geplanten Starfall-Mission.

Mikrogravitation braucht verlässliche Rückfracht

Wirtschaftlich interessant sind vor allem die besonderen Bedingungen während des Aufenthalts im All. Unter Mikrogravitation, also annähernder Schwerelosigkeit, verhalten sich Materialien und biologische Prozesse anders als auf der Erde.

Fast die Hälfte der potenziellen Kunden für die erste Starfall-Mission stammt laut Space Cargo aus Biowissenschaften und Biotechnologie. Auch Pharmaunternehmen untersuchen Verfahren, bei denen unter Mikrogravitation besonders reine Strukturen entstehen können.

Weitere Anwendungen reichen bis zu Spezialfasern. Die US-Raumfahrtbehörde NASA verweist darauf, dass sich bestimmte Glasfasern im All mit höherer Qualität herstellen lassen. Kommerziell interessant werden solche Anwendungen jedoch erst, wenn Proben und Produkte regelmäßig zur Erde zurückkehren.

Der Markt ist bereits umkämpft. Varda Space, ein kalifornisches Raumfahrt-Start-up, hat seine Wiedereintrittskapsel nach Reuters-Angaben schon auf sechs Missionen eingesetzt. Der Starfall-Vertrag verschafft nun SpaceX einen ersten Kunden, während der kommerzielle Praxistest noch bevorsteht.

Starship bleibt der Taktgeber für die Mission 2028

Die geplante Mission hängt weiterhin vom Entwicklungsfortschritt von Starship ab. Die Rakete muss den Übergang vom Testprogramm zu regelmäßigen Kundenflügen erst noch vollziehen. SpaceX absolvierte am 24. Juli 2026 den 13. Starship-Testflug. Bis zur für 2028 angekündigten kommerziellen Mission bleibt damit Zeit für weitere Entwicklungs- und Einsatzflüge.

Für Starfall spielt der Flugrhythmus eine zentrale Rolle. Häufige Starts und verlässliche Rückkehrfenster erleichtern Kunden, Forschung und Produktion, mit kalkulierbaren Zyklen zu planen. Bei Pharma- und Materialprojekten beeinflusst diese Planbarkeit, ob aus einzelnen Versuchen ein wiederholbares Geschäft entstehen kann.

Der erste bekannte Kunde ist deshalb ein wichtiger Markttest. Zwischen Vertrag und Skalierung liegt vor allem Starships Weg vom Entwicklungsprogramm zur verlässlichen Transportplattform.