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Raketentechnik aus BayernIsar Aerospace öffnet Europa ein Tor zum Orbit

Für kleinere Satelliten schafft die Trägerrakete Spectrum eine zusätzliche Startoption. Nun steht der Übergang vom Qualifikationsflug in den Serienbetrieb an. Maßstab dafür werden Produktionshochlauf, Startfrequenz und verlässliche Kundenmissionen.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / AP / Isar Aerospace, Photo Wingmen Media

Das deutsche Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace hat fünf Kleinsatelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht. Damit erreichte erstmals eine privat entwickelte Rakete vom europäischen Kontinent aus den Orbit. Der erfolgreiche Flug belegt zugleich, dass Spectrum Nutzlasten planmäßig aussetzen kann. Für Europa entsteht damit eine zusätzliche, privat entwickelte Startoption.

Vom Fehlstart zum erfolgreichen Qualifikationsflug

Am vergangenen Samstag hob Spectrum vom Weltraumbahnhof Andøya im Norden Norwegens ab. Die 28 Meter hohe Rakete überquerte nach knapp vier Minuten in rund 100 Kilometern Höhe die Kármán-Linie, die häufig als Grenze zum Weltraum bezeichnet wird. Später setzte Spectrum fünf CubeSats – standardisierte Kleinsatelliten – aus. Zusätzlich befand sich ein Experiment an Bord.

Der Flug war als Qualifikationsmission angelegt und sollte zentrale Systeme unter realen Betriebsbedingungen prüfen. Die gewonnenen Daten werden nun unmittelbar in die Vorbereitung der Serienfertigung von Spectrum einfließen. Sie sind für den Aufbau der Serienproduktion relevant.

Bei ihrem ersten Testflug im März 2025 erhielt Spectrum nach rund 30 Sekunden einen Abbruchbefehl und ging anschließend antriebslos im Meer nieder. Isar Aerospace passte danach unter anderem die Softwarekonfiguration an und vergrößerte die Auslegungsreserven gegenüber Umwelteinflüssen. Der zweite Flug verzögerte sich 2026 mehrfach. Im Januar stoppte ein Problem mit einem Druckventil die Vorbereitung, im März drang ein unbefugtes Boot in den abgesperrten Sicherheitsbereich ein. Im April folgte ein Leck an einem Druckbehälter, im Juni auffälliges Verhalten im Fluidsystem. Starke Winde verschoben zwischendurch weitere Starttermine.

Mit dem nun geglückten Flug erfüllt Isar Aerospace zugleich eine zentrale Vorgabe der European Launcher Challenge der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Das Programm verlangt von den Anbietern spätestens 2027 einen Orbitalstart. Als erster Teilnehmer hat Isar Aerospace diesen Meilenstein erreicht.

Spectrum ergänzt Ariane 6 und Vega-C

Europas Zugang zum All stützt sich bereits auf Ariane 6 für schwere und Vega-C für leichtere Nutzlasten. Spectrum ergänzt diese Systeme als privat entwickelter Träger für kleine und mittlere Satelliten. Die Rakete soll bis zu 1.000 Kilogramm in niedrige Erdumlaufbahnen befördern. Vega-C schafft dort bis zu 3,3 Tonnen, die deutlich größere Ariane 6 je nach Version rund 10,3 oder 21,6 Tonnen. Damit bedient Spectrum die kleinste Nutzlastklasse der drei Raketen.

In diesem Marktsegment gewinnt strategische Verfügbarkeit an Gewicht. Navigation, Kommunikation, Erdbeobachtung und militärische Aufklärung hängen zunehmend von Satelliten ab. Die EU behandelt einen robusten, autonomen Zugang zum Weltraum deshalb ausdrücklich als wirtschaftliches und sicherheitspolitisches Ziel.

Auch die europäische Weltraumorganisation ESA unterstützt den Ausbau zusätzlicher Startangebote. Im August unterzeichnete sie mit Isar Aerospace im Rahmen der European Launcher Challenge einen Vertrag über exakt 197,8 Mio. EUR. Das Programm soll mehr europäische Startangebote ermöglichen, Wettbewerb fördern und den Zugang zum All robuster machen.

Jetzt entscheidet die Serienfähigkeit

Für einen verlässlichen Startdienst braucht Isar Aerospace allerdings mehr als den technischen Erfolg. Spectrum muss nun reproduzierbar gebaut, gestartet und pünktlich für Kunden verfügbar werden. Der Übergang vom Prototyp zur Serie entscheidet über die wirtschaftliche Tragfähigkeit.

Dafür baut das Unternehmen seine Produktionskapazitäten aus. Die neue, 40.000 Quadratmeter große Fabrik in Parsdorf bei München nähert sich nach Unternehmensangaben der Fertigstellung. Sie ist auf bis zu 40 Spectrum-Raketen jährlich ausgelegt. Spectrum Nummer drei bis sieben befinden sich nach Unternehmensangaben bereits in Produktion.

Der Ausbau erfordert erhebliches Kapital. Im Juni sammelte Isar Aerospace weitere 270 Mio. EUR von neuen und bestehenden Investoren ein. Das Kapital ist für den Ausbau der Serienproduktion und die internationale Expansion vorgesehen.

Ein zweiter Startort ist in Kanada geplant. Am Spaceport Nova Scotia an der kanadischen Atlantikküste will Isar Aerospace einen eigenen Startkomplex für Spectrum errichten. Die zugrunde liegende Vereinbarung ist derzeit noch an Bedingungen geknüpft. Erste Orbitalstarts sind für 2028 vorgesehen. Der Standort soll unter anderem Starts in Bahnen für Erdbeobachtungs- und Kommunikationssatelliten ermöglichen.

Für Europas Startkapazitäten ist der Orbitflug ein Fortschritt. Nach dem technischen Nachweis muss Isar Aerospace nun zeigen, dass aus einzelnen Erfolgen ein verlässlicher, regelmäßig verfügbarer Startdienst wird.