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Preis des WachstumsAlibaba finanziert KI-Offensive mit Milliarden-Kapitalerhöhung

Mit einem Abschlag von 8,4 % wirbt der chinesische Techkonzern um neue Investoren. Der Schritt verschafft zusätzlichen Spielraum für den Ausbau des Zukunftsgeschäfts – erhöht zugleich aber den Druck, die hohen Ausgaben wirtschaftlich zu rechtfertigen.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Sipa USA / Imaginechina

Der chinesische E-Commerce- und Cloud-Konzern Alibaba KYG017191142A2PVFU greift für den Ausbau seines KI-Geschäfts auf den Aktienmarkt zurück. In Hongkong sollen dafür neue Aktien platziert werden. Mit dem Erlös will das Unternehmen vor allem seine KI-Infrastruktur und weitere Investitionen in künstliche Intelligenz finanzieren.

Hohe Nachfrage trifft auf deutlichen Preisabschlag

Alibaba bietet 710 Mio. neue Stammaktien zu je 112,70 HKD an, umgerechnet etwas 14,40 USD. Der Platzierungspreis liegt 8,4 % unter dem Schlusskurs vom Freitag. Die neuen Papiere entsprechen 3,6 % des vergrößerten Aktienbestands. Nach Kosten rechnet Alibaba mit einem Nettoerlös von rund 79,7 Mrd. HKD. Der gesamte Betrag soll in die KI-Wertschöpfung einschließlich des Ausbaus der KI-Infrastruktur fließen.

Das Orderbuch mit den gesammelten Kaufaufträgen war dennoch gut gefüllt. Insgesamt summierten sich laut Reuters die Orders auf 28 Mrd. USD. Rund 40 % der Platzierung sollen langfristig orientierten Investoren und Staatsfonds zugeteilt werden. Dieser starke Zuspruch mindert das Platzierungsrisiko, ändert aber nichts an der geringeren Beteiligungsquote bestehender Aktionäre.

An der Börse überwog zunächst der Verwässerungseffekt. Die Hongkonger Aktie verlor zeitweise 10,5 % und näherte sich anschließend dem Platzierungspreis an. Später folgten Käufe aus der Unternehmensspitze. Der Verwaltungsratsvorsitzende Joe Tsai kaufte 720.000 Aktien für rund 80 Mio. HKD, CEO Eddie Wu erwarb 350.000 Aktien für rund 40 Mio. HKD.

Mit 10,2 Mrd. USD ist die Transaktion die größte Platzierung neu ausgegebener Aktien eines Hongkonger Börsenunternehmens überhaupt. Reuters ordnet sie als drittgrößte Aktienkapitalaufnahme eines bereits börsennotierten Unternehmens in diesem Jahr ein. Vor Alibaba liegen demnach der Google-Mutterkonzern Alphabet US02079K3059A14Y6F mit einem Eigenkapitalpaket von 84,75 Mrd. USD sowie der US-Chipkonzern Intel US4581401001855681 mit einer Aktienemission über 20 Mrd. USD.

KI entwickelt sich zum wichtigsten Treiber des Konzerns

Während die Hongkonger Aktienplatzierung in HKD abgerechnet wird, weist Alibaba seine Geschäftszahlen in chinesischen Renminbi (CNY) aus. Im Juni-Quartal setzte Alibabas KI-Cloud- und Rechengeschäft 48,4 Mrd. CNY um, etwa 7,1 Mrd. USD. Das waren 45 % mehr als ein Jahr zuvor. Der Mittelzufluss stärkt einen Bereich, dessen Wachstum inzwischen deutlich über dem traditionellen Handel liegt.

KI-bezogene Produkte erzielten 12,4 Mrd. CNY Umsatz und wuchsen das zwölfte Quartal in Folge dreistellig. Zu den wichtigsten Angeboten gehören die Qwen-Modelle, eine in China populäre Familie von KI-Sprachmodellen. Organisatorisch hat Alibaba seine KI-Aktivitäten inzwischen neu geordnet. Cloud und Chipentwicklung wurden in einem KI-Rechenbereich gebündelt, Modelle und Anwendungen in einer separaten KI-Einheit.

Der Ausbau hat auch eine geopolitische Seite. US-Exportkontrollen begrenzen den Zugang chinesischer Unternehmen zu modernsten KI-Chips. Das zwingt Anbieter zu effizienteren Modellen und Infrastrukturen, die mit weniger Rechenleistung und Kapital auskommen.

Wie groß der Investitionsabstand zwischen führenden Technologieunternehmen beider Länder ist, zeigen Schätzungen des US-Vermögensverwalters Capital Group. Für fünf große US-Konzerne werden die Investitionsausgaben 2026 auf zusammen 791 Mrd. USD geschätzt. Bei den vier verglichenen chinesischen Unternehmen sind es 118 Mrd. USD.

Hoher Kapitalbedarf erhöht den Renditedruck

Der Finanzierungsbedarf ist erheblich. Alibaba hatte angekündigt, binnen drei Jahren mindestens 380 Mrd. CNY in KI- und Cloud-Infrastruktur zu investieren. Nach Unternehmensangaben übersteigt dieser Betrag die gesamten entsprechenden Investitionen des vorangegangenen Jahrzehnts.

Im Juni-Quartal summierten sich die Investitionen auf 67,7 Mrd. CNY. Der freie Mittelabfluss betrug 44,7 Mrd. CNY, hauptsächlich wegen höherer Ausgaben für Cloud-Infrastruktur.

Ende Juni verfügte Alibaba zugleich über 69,9 Mrd. USD an frei verfügbaren liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen. Nach Abschluss der Platzierung wächst der finanzielle Spielraum für einen Investitionszyklus, der bereits erhebliche Mittel bindet.

Wenige Tage vor der Platzierung meldete Alibaba für das Juni-Quartal einen Rückgang des Nettogewinns um 75 %. Das Management hält die Investitionen in KI-Recheninfrastruktur dennoch für wirtschaftlich gut kalkulierbar. Eddie Wu erwartet, dass sie sich binnen drei Jahren amortisieren, möglicherweise schon nach zweieinhalb Jahren. Dabei helfen sollen bessere Margen und der zunehmende Einsatz eigener Chips anstelle zugekaufter Hardware.

Die Kapitalerhöhung soll Alibaba zusätzlichen finanziellen Spielraum in einem KI-Wettbewerb verschaffen, der immer mehr Kapital bindet. Ob sich die Verwässerung wirtschaftlich auszahlt, hängt vom Tempo des Ausbaus, dem Einsatz eigener Technologie und der Fähigkeit ab, wachsende KI-Umsätze in Erträge zu überführen.