
Portfoliodiversifikation: Forscher: Gold ist der bessere sichere Hafen als Bitcoin
Eine Studie sieht in Gold den besseren sicheren Hafen als Bitcoin. Die Kryptowährung wird durch Quantencomputer und 51-%-Attacken bedroht, Gold durch Kernfusion, Tiefseebergbau und goldreiche Asteroiden.
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Campbell Harvey von der Duke University kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass Gold der bessere sichere Hafen ist als Bitcoin. "Bitcoin ist zwei Risiken ausgesetzt, denen Gold nicht ausgesetzt ist: Der Bedrohung durch einen Quantencomputerangriff und der weitaus ernsteren Möglichkeit eines 51-%-Angriffs", heißt es in dem Papier.
Korrelation zu Gold ist eingebrochen: Bitcoin erhöht Portfoliovolatilität
Die Studie untersuchte die historischen und aktuellen Preiskorrelationen zwischen Gold und Bitcoin, die Performance beider Assets bei Marktschocks und in Phasen erhöhter Volatilität, die spezifischen Risiken jeder der beiden Anlagen sowie relevante makroökonomische und regulatorische Faktoren.
Die Gemeinsamkeiten von Gold und Bitcoin sind bekannt und aus Sicht der Käufer wesentliche Argumente für die Beimischung zum Portfolio. Beide Assets sind selten und nahezu unmöglich nachzuahmen oder zu fälschen, erfordern bei der Produktion viel Energie und weisen Wachstumsraten des Angebots auf, die typischerweise unter dem Anstieg des Verbraucherpreisindexes liegen. Weder Bitcoin noch Gold generieren von sich aus einen Cashflow.
Die von 2022 bis 2024 eine enge Korrelation brach Anfang 2025 zusammen. Gold entwickelte sich zuletzt in einem von diversen Unsicherheiten geprägten Umfeld besser als die Kryptowährung, die stärker mit breiter gestreuten Anlagen korreliert und die Volatilität im Portfolio tendenziell erhöht, statt sie zu reduzieren.
Quantencomputer und 51-%-Attacke als Risiken für Bitcoin
Interessant ist ein Blick auf die spezifischen Risiken. Bitcoin ist existenziellen Bedrohungen ausgesetzt, die bei Gold nicht bestehen. Dazu gehören Angriffe durch zukünftige Quantencomputer und insbesondere 51-%-Angriffe auf das Netzwerk - ein Risiko, das Harvey für unterschätzt hält. Das Risiko durch Quantencomputer werde dagegen möglicherweise überschätzt. "Bis Quantencomputer leistungsstark genug sind, um private Schlüssel zu rekonstruieren, dürften quantenresistente Technologien weit verbreitet sein."
Außerdem sei Bitcoin deutlich illiquider: "Der Verkauf von 100.000 BTC im Wert von etwa 11,8 Milliarden US-Dollar entspräche in etwa dem Wert von 109 Tonnen Gold. Das durchschnittliche Handelsvolumen von Bitcoin liegt bei rund 50 Milliarden US-Dollar, sodass der Verkauf im Wert von 11,8 Milliarden US-Dollar einen massiven Preisverfall von 25 % auslösen könnte. Die Goldtransaktion hingegen würde vielleicht 5 % des täglichen Umsatzes ausmachen und einen deutlich geringeren Markteinfluss haben, möglicherweise 2 %."
Doch auch Gold unterliegt spezifischen Risiken: Es kann beschlagnahmt werden, was bei Bitcoin mit den richtigen Vorkehrungen nicht der Fall ist. Sowohl Gold als auch Bitcoin können jedoch verboten werden.
Goldangebot könnte durch Tiefseebergbau, Asteroiden und Kernfusion steigen
Gold birgt zudem ein besonderes Risiko im Hinblick auf eine mögliche Angebotsausweitung. So ist die Umwandlung eines Elements in ein anderes mittels Teilchenbeschleuniger und Kernfusion Gegenstand ernstzunehmender Forschungen. Das Angebot könnte zudem durch die Goldgewinnung in Ozeanen steigen, die bislang nicht rentabel ist: Die Goldvorkommen in den Weltmeeren übersteigen die an Land um ein Vielfaches. Auch Goldbergbau auf erdnahen Asteroiden ist künftig nicht auszuschließen und könnte das Goldangebot drastisch erhöhen.
Harvey schlussfolgert: "Bitcoin als 'digitales Gold' zu bezeichnen, ist eine zu starke Vereinfachung. Angesichts seiner einzigartigen Eigenschaften wird Bitcoin Gold als bevorzugten sicheren Hafen der Anleger wohl kaum ersetzen." Allerdings könnten sowohl die Kryptowährung als auch das Edelmetall eine wichtige Rolle im Portfolio spielen. Da sie jedoch unterschiedlichen Risiken ausgesetzt sind, ist es unklug, ausschließlich auf das eine oder das andere zu setzen."

