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Pharma- und BiotechGesundheitsaktien ziehen dem breiten US-Markt davon

Der Reiz liegt in der Mischung: stabile Gewinne, hohe Dividenden und günstigere Bewertungen treffen auf neue Wachstumstreiber. Dazu zählen Mittel, die Appetit sowie Blutzucker beeinflussen, Fortschritte in der Krebstherapie und mehr Biotech-Übernahmen.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Westend61 / Andrew Brookes

Gesundheitsaktien haben sich in den USA deutlich vom breiten Markt abgesetzt. Der Health Care Select Sector SPDR ETF legte binnen drei Monaten 17 % zu. Der S&P 500 kam im selben Zeitraum nur auf 2,5 %. Hinter der Stärke steckt inzwischen mehr als der klassische Ruf als defensiver Sektor.

Verlässlichkeit und neue Dynamik

Gesundheitswerte gelten traditionell als vergleichsweise stabil. Planbare Erträge, eine alternde Bevölkerung und hohe Dividenden können Verluste in schwächeren Marktphasen abfedern. Bei steigender Nervosität gewinnt diese Mischung zusätzlich an Wert.

Neue Wachstumstreiber kommen hinzu. GLP-1-Medikamente etwa ahmen die Wirkung eines körpereigenen Darmhormons nach, das unter anderem Blutzucker und Appetit beeinflusst. Verwandte Wirkstoffe setzen an ähnlichen hormonellen Mechanismen an. Solche Mittel spielen inzwischen über Diabetes und Gewichtsreduktion hinaus eine größere Rolle.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA erweiterte im März 2024 die Zulassung für das Gewichtsmedikament Wegovy mit dem Wirkstoff Semaglutid. Es darf seitdem auch eingesetzt werden, um bei bestimmten Erwachsenen das Risiko für Herz-Kreislauf-Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall zu senken.

Zepbound ist der Markenname eines Medikaments mit dem Wirkstoff Tirzepatid. Im Dezember 2024 erhielt es die erste FDA-Zulassung eines Medikaments zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe bei Erwachsenen mit Adipositas. Dabei kommt es durch blockierte obere Atemwege wiederholt zu Atemaussetzern im Schlaf.

Das wirtschaftliche Potenzial dieser Medikamente verbreitert sich dadurch. Zugleich sinkt die Abhängigkeit davon, dass allein der Markt für Gewichtsreduktion die hohen Erwartungen rechtfertigt.

Krebsforschung liefert dem Sektor neue Impulse

Auch in der Krebstherapie kommen neue Impulse. Das US-Biotechnologieunternehmen Moderna US60770K1079A2N9D9 und der US-amerikanische Pharmakonzern Merck US58933Y1055A0YD8Q meldeten Mitte August 2026 positive erste Ergebnisse der Phase-3-Studie INTerpath-001, einer späten klinischen Prüfphase. Untersucht wurde die Kombination aus Intismeran und Keytruda bei Patienten mit vollständig operativ entferntem Melanom, einer Form von schwarzem Hautkrebs.

Intismeran ist eine experimentelle, für jeden Patienten individuell zugeschnittene Therapie auf Basis von mRNA, also Boten-RNA. Sie soll dem Immunsystem anhand charakteristischer Tumormerkmale helfen, Krebszellen zu erkennen. In Kombination mit Keytruda, einem Immuntherapie-Medikament mit dem Wirkstoff Pembrolizumab, zeigte Intismeran gegenüber Keytruda allein statistisch signifikante Vorteile. Die Patienten blieben länger ohne Rückkehr des Krebses und ohne neue Tumorabsiedlungen in entfernten Körperregionen.

Nach Angaben von Moderna und Merck war dies der erste positive Phase-3-Befund für eine individualisierte Neoantigen-Therapie und für eine mRNA-basierte Krebstherapie. Neoantigene sind durch Tumormutationen neu entstandene Merkmale, anhand derer das Immunsystem Krebszellen erkennen kann. Die Behandlung wird auf charakteristische Mutationen des jeweiligen Tumors zugeschnitten.

Die vollständigen Wirksamkeitsdaten stehen allerdings noch aus. Mit den ersten zusammengefassten Ergebnissen wurden sie noch nicht veröffentlicht und sollen auf einem medizinischen Fachkongress folgen.

Übernahmen beleben den Biotech-Sektor

Besonders kräftig war zuletzt die Entwicklung bei Biotechnologieaktien. Der iShares Biotechnology ETF stieg binnen drei Monaten um 27 %. Neben Forschungserfolgen treibt auch die Aussicht auf weitere Übernahmen den Bereich.

Der US-Pharmakonzern Eli Lilly US5324571083858560 liefert dafür ein konkretes Beispiel. Der Konzern meldete für das zweite Quartal 2026 vier abgeschlossene Übernahmen. Nach Quartalsende folgten nach Unternehmensangaben drei weitere Zukäufe.

Die zahlreichen Zukäufe stützen die Erwartung, dass Übernahmen ein eigener Kurstreiber für Biotechnologie bleiben können. Für große Pharmakonzerne bieten solche Transaktionen zudem einen schnellen Zugang zu neuen Wirkstoffen und Technologien.

Künstliche Intelligenz kann die Entwicklung zusätzlich unterstützen. Effizientere Wirkstoffsuche und andere Anwendungen sollen die Medikamentenentwicklung verbessern. Nach Einschätzung von Strategen können dadurch auch die Gewinnmargen steigen.

Bewertung und Demografie liefern Rückenwind

Auch die Bewertung spricht derzeit für den Sektor. Der Health Care Select Sector SPDR ETF wird mit knapp dem 18-Fachen der erwarteten Gewinne für 2027 bewertet. Der S&P 500 kommt auf etwa das 19-Fache. Gleichzeitig werden dem Gesundheitssektor für 2027 rund 22 % Gewinnwachstum zugetraut. Für den S&P 500 liegen die Prognosen bei etwa 15 %. Hält diese Kombination aus höherem Wachstum und niedrigerer Bewertung, bleibt der relative Rückenwind bestehen.

Auch die Demografie spricht für anhaltende Nachfrage. Nach Projektionen der US-Volkszählungsbehörde werden 2030 alle Babyboomer älter als 65 Jahre sein. Rund jeder fünfte US-Bewohner wäre dann im Rentenalter.

Für den Gesundheitssektor bedeutet das langfristig zusätzlichen Bedarf. Sara Araghi, Portfoliomanagerin bei der Aktieninvestment-Sparte Franklin Equity, erwartet deshalb eine wachsende Nachfrage nach Medikamenten.