
Ölreserven: Welche Aktien profitieren von Trumps Coup in Venezuela?
Chevron galt zunächst als potenziell größter Gewinner von Maduros Sturz. Doch im Rampenlicht stehen andere Ölaktien. Analysten sind sich derweil uneins darüber, ob Trumps Coup eher makroökonomischen Rückenwind oder mehr Volatilität bedeutet.
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Die Aktienmärkte zeigten eine verhaltene Reaktion auf Trumps Coup in Venezuela. In den ersten Tagen der Woche legten die meisten Indizes moderat zu, der DAX markierte sogar ein Allzeithoch. Dennoch sind die Auswirkungen mittel- bis langfristig möglicherweise größer als gedacht.
"Wir glauben, dass die Menschen die makroökonomischen Risiken unterschätzen - und dies ist ein makroökonomisches Risiko, das wir nicht einmal gesehen haben", sagte Christopher Harvey, Leiter der Aktien- und Portfoliostrategie bei CIBC Capital Markets gegenüber Bloomberg.
Ölpreis und Chevron-Aktie gewinnen nur kurzzeitig
Der Ölpreis reagierte nur sehr kurzzeitig und notiert mittlerweile leicht niedriger als vor dem Transport Maduros in die USA. Deutlicher, aber nicht in jedem Fall nachhaltig fiel die Reaktion der Ölaktien aus. Chevron (ISIN: US1667641005, WKN: 852552), das einzige noch in Venezuela tätige US-Unternehmen, legte zeitweise um mehr als 10 % zu, gab die Gewinne aber fast gänzlich wieder ab.
Besser hielten sich die Papiere von Raffineriebetreibern. Marathon Petroleum (ISIN: US56585A1025, WKN: A1JEXK) notierte am Mittwochnachmittag 7,3 % höher als vor dem Wochenende, 7,4 % beträgt das Plus bei Phillips 66 (ISIN: US7185461040, WKN: A1JWQU) und sogar 12,8 % bei Valero Energy (ISIN: US91913Y1001, WKN: 908683). Auch Ölfelddienstleister profitierten: Halliburton (ISIN: US4062161017, WKN: 853986) konnte bis Mittwoch 8,1 %, Baker Hughes (ISIN: US05722G1004, WKN: A2DUAY) 7,2 % und Schlumberger (ISIN: AN8068571086, WKN: 853390) 7,7 % zulegen.
"Venezolanisches Rohöl ist zudem überwiegend schwer und schwefelhaltig, was seine Bedeutung auf wenige Raffinerien, insbesondere an der US-Golfküste, beschränkt, die über ausreichende Verkokungskapazitäten verfügen", schreiben die Wisdom Tree Analysten Mobeen Tahir und Aneeka Gupta in einem Beitrag.
US-Golfküste ist für schweres Öl aus Venezuela gerüstet
Die beiden sehen die Gewinner dieser langfristigen Entwicklung, die zunächst hohe Investitionen und lange Vorlaufzeiten erfordert, an der US-Golfküste. "Was die bekannten Gegebenheiten betrifft, so ist Venezuelas Schweröl vergleichbar mit kanadischen Ölsanden. Die US-Golfküste ist bereits für die Verarbeitung großer Mengen dieses Rohöls gerüstet und verfügt über beträchtliche Verkokungskapazitäten."
Mit der schrittweisen Sanierung der venezolanischen Fördermengen und deren Umleitung zu US-Raffinerien werden sich demnach "die Rohstoffverfügbarkeit verbessern und die Raffineriemargen steigen". Die unmittelbaren Gewinner seien Raffinerien und große integrierte Ölkonzerne, die mehr preisgünstiges Schweröl verarbeiten und von höheren Margen im nachgelagerten Bereich profitieren könnten.
Zu den wahrscheinlichen Verlierern zählen Wisdom Tree zufolge dagegen kanadische Schwerölproduzenten, die am Golf von Mexiko künftig einem verstärkten Wettbewerb ausgesetzt sind, sowie chinesische Raffinerien, die bisher wichtige Abnehmer von billigem venezolanischem Rohöl waren und nun ihren privilegierten Zugang zu den Vorkommen verlieren.
Mehr Spielraum für die Notenbanken?
Optimistische Kommentatoren sehen im Sturz Maduros langfristige makroökonomische Vorteile: Dauerhaft sinkende Ölpreise könnten nach dieser Lesart den Spielraum der Notenbanken für geldpolitische Lockerungen vergrößern und dadurch die Aktienmärkte antreiben. Maduros Sturz entspreche "einer kleinen, aber nachhaltigen "Steuersenkung" für US-amerikanische und globale Verbraucher: niedrigere Inflation, stabilere Energiekosten und etwas günstigere Bedingungen für Zentralbanken", schreiben auch Tahir und Gupta. Berenberg sieht durch die Demonstration militärischer Stärke und politischer Kontrolle über die Energiereserven sogar den Dollar gestärkt.
Doch nicht alle Beobachter sind so optimistisch: "Die Ereignisse des Wochenendes machen deutlich, dass Anleger die Politik weiterhin als Quelle von Volatilität und nicht als Dämpfer betrachten sollten", sagt etwa Frank Monkam, Leiter des Makrohandels bei Buffalo Bayou Commodities.
Traderfox-Chef Simon Betschinger sieht an den Börsen das Szenario einer neuen Phase des amerikanischen Imperialismus gespielt, was Aktien aus dem Verteidigungssektor ins Blickfeld rücke. "Ein erklärtes Ziel Washingtons ist es, Chinas Einfluss in Südamerika zurückzudrängen. Parallel dazu kündigt Trump eine massive Aufrüstung der US-Flotte an, seine sogenannte 'goldene Flotte'. In diesem Umfeld erscheinen Unternehmen mit starker Marinesparte, wie General Dynamics, plötzlich wieder strategisch hochattraktiv."