
Nischen bleiben gefragt: Cybersicherheit als Härtetest für Software - Warum Anleger jetzt genau hinsehen müssen
Softwareanbieter stehen wegen KI-Disruptionen unter Druck, aber nicht jede Lösung ist gleich gefährdet. Am Kreditmarkt zeigt sich: Nur wer sensible Prozesse absichert und schwer ersetzbar ist, bleibt für Investoren interessant.
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Die Angst vor einer KI-Welle sitzt der Softwarebranche inzwischen ziemlich tief in den Knochen. Aber der Markt wirft nicht alles in denselben Topf. Eine Analyse von mehr als 100 vorrangig besicherten Softwarekrediten im Morningstar LSTA US Leveraged Loan Index zeigt: Es entsteht eine neue, ziemlich klare Trennlinie. Investoren schauen heute viel genauer hin, welche Anbieter robuste Nischen besetzen - und wo KI die Hürden für neue Wettbewerber senkt und Leistungen schneller austauschbar macht.
Besonders stabil war laut der Auswertung vertikale Software - also Programme, die ganz gezielt für einzelne Branchen gebaut sind. Die 40 untersuchten Kredite aus diesem Bereich verloren seit dem 20. Januar im Schnitt 4,2 Prozent ihres Nennwerts. Cybersecurity kam bei 19 Krediten auf ein durchschnittliches Minus von 5,3 Cent.
Deutlich härter traf es branchenübergreifende Software mit 8,8 Cent Verlust und Entwicklersoftware mit 16,3 Cent. Allein diese Unterschiede zeigen: Der Markt schreibt den Softwaresektor nicht pauschal ab, sondern differenziert und belohnt wachstumsstarke Nischen.
Der Markt belohnt dort, wo Software tief verankert ist
Am besten kommen Anbieter weg, die tief in sensiblen Abläufen ihrer Kunden stecken. Also Software für regulierte Branchen oder Produkte, bei denen ein Ausfall im Alltag sofort echte Probleme auslösen würde. Genau dort sehen viele Investoren einen besseren Schutz vor neuer Konkurrenz aus dem KI-Umfeld, etwa bei branchenspezifischen Systemen für Versicherungen, Anwaltskanzleien oder den Wohnungssektor.
Schwieriger wird es für Geschäftsmodelle, bei denen KI-Aufgaben wie Analyse, Visualisierung, Dokumentenerstellung oder Programmierung schneller und günstiger erledigen kann. Vor allem Software für Entwickler ist deshalb stark unter Druck geraten. Am Kreditmarkt ist das ein klares Warnsignal: Investoren rechnen hier mit höheren Ausfallrisiken.
Cybersicherheitsbranche spiegelt Sektorbreite wider
Besonders spannend ist der Blick auf den Sektor für Cybersicherheit. Der Bereich steht vergleichsweise robust da. Der Grund dafür: KI kann Angriffe leichter machen und bestehende Schutzsoftware unter Druck setzen. Gleichzeitig wird genau diese wachsende Bedrohung die Nachfrage nach Sicherheitslösungen erhöhen. Deshalb fällt die Einschätzung hier deutlich differenzierter aus als in anderen Teilen des Softwaresektors.
Wie breit dieses Feld ist, zeigt sich auch bei Unternehmen abseits der großen Plattformanbieter. Sekur Private Data (ISIN: CA81607F1036, WKN: A3C8XG) etwa setzt auf in der Schweiz gehostete Lösungen für geschützte digitale Kommunikation. Das Unternehmen bietet verschlüsselte E-Mail-Dienste, Messenger und weitere Kommunikationswerkzeuge an. Der Investment Case dahinter: Fokus auf Datenschutz und Datenhoheit in einem politisch stabilen Umfeld - ein Thema, das zuletzt stark an Bedeutung gewonnen hat. Gleichzeitig positioniert sich Sekur bewusst als Alternative zu großen, US-dominierten Plattformen, was in sensiblen Kundensegmenten zunehmend zieht.
Integrated Cyber Solutions (ISIN: US45826M1053, WKN: A3EG0T) kommt aus einem etwas anderen Marktsegment. Das Unternehmen versteht sich als externer Sicherheitsdienstleister. Im Mittelpunkt stehen Leistungen wie Managed Detection and Response (MDR) Services, also ausgelagerte Cybersicherheitsdienste, die Unternehmen einen 24/7-Schutz vor komplexen Cyberbedrohungen bieten, Bedrohungsüberwachung, Phishing-Schulungen und eine Plattform, die verschiedene Sicherheitswerkzeuge für kleine und mittlere Unternehmen bündelt. Der Investment Case hier: wiederkehrende Umsätze durch laufende Dienstleistungen statt einmaliger Lizenzen - kombiniert mit einem klar adressierten KMU-Markt, der oft unterversorgt ist. Gerade diese Nähe zum operativen Sicherheitsbetrieb macht das Modell schwerer ersetzbar.
Die eigentliche Frage lautet, welche Leistungen unersetzlich bleiben
Bei der KI-Disruption der Softwarebranche ist entscheidend, ob strategisch wichtige Prozesse gesteuert und sensible Daten geschützt werden oder ob Prozesse fest in eine laufende Sicherheitsarchitektur eingebaut sind. Denn was dort tief verankert ist, lässt sich nicht mal eben austauschen. Deshalb geraten nun auch kleinere Anbieter aus Bereichen wie sicherer Kommunikation, Managed Security oder Angriffserkennung verstärkt in den Anlegerfokus.
Abgeschlossen ist dieses Bild aber noch nicht. Die Bedrohung durch KI ist nämlich in vielen Köpfen noch nicht wirklich greifbar. Genau deshalb ist der Kreditmarkt im Moment so spannend. Er zeigt keine einheitliche Krise der Softwarebranche, sondern eine schnelle, teils harte Sortierung: Welche Leistungen im KI-Zeitalter potenziell austauschbar sind und welche schwer zu ersetzen bleiben.

