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NeustrukturierungPflege statt Food: Unilever räumt das Portfolio auf

Ein margenstarkes Geschäft wird abgespalten, wirtschaftlich bleibt Unilever weiterhin daran beteiligt. Mehrere Quartale kräftigen Volumenwachstums könnten nun helfen, den Bewertungsabschlag zu verringern.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Unilever

Der britische Konsumgüterkonzern Unilever GB00BVZK7T90A41NM1 zieht sich weiter aus dem Lebensmittelsegment zurück. Der größte Teil der Sparte soll mit dem US-Gewürzkonzern McCormick US5797802064858250 zusammengeführt werden. Künftig will Unilever vor allem mit Haar- und Hautpflege, Premiumkosmetik, Körper- und Haushaltspflege sowie Nahrungsergänzungs- und Wellnessprodukten wachsen. Das schlankere Profil soll die Geschäftsentwicklung beschleunigen und zugleich die Börsenbewertung verbessern.

Die Transaktion bewertet den übertragenen Lebensmittelbereich mit 44,8 Mrd. USD. Davon erhält Unilever 15,7 Mrd. USD in bar. Weitere rund 29,1 Mrd. USD entfallen auf Anteile am kombinierten Lebensmittelunternehmen. Unilever-Aktionäre sollen daran 55,1 % halten, der Konzern selbst weitere 9,9 %.

Diesen eigenen Anteil will Unilever frühestens ein Jahr nach Abschluss der Transaktion schrittweise reduzieren. Der ist bis spätestens Mitte 2027 vorgesehen und steht unter anderem noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der McCormick-Aktionäre sowie der erforderlichen regulatorischen Genehmigungen.

Lebensmittel-Ausstieg verändert die Rechnung

Der Rückzug aus dem Lebensmittelgeschäft verschlankt Unilevers Portfolio deutlich. Künftig sollen Kapital, Forschung und Marketing stärker auf die verbleibenden Kategorien verteilt werden. Das Management verbindet damit die Erwartung schnellerer Entscheidungen und höherer Wachstumsraten.

Der Lebensmittelbereich ist allerdings ein bedeutendes Geschäft und erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 12,9 Mrd. EUR bei 50,5 Mrd. EUR Konzernumsatz. Die bereinigte operative Marge der Sparte lag bei 22,6 %, der Konzernwert bei 20 %. In die Transaktion mit McCormick fließt allerdings nicht die gesamte Sparte ein. Ausgenommen sind unter anderem die Lebensmittelgeschäfte in Indien, Nepal und Portugal sowie bestimmte Ernährungsgeschäfte, Buavita-Fruchtgetränke und trinkfertige Lipton-Tees. Unilever trennt sich damit von einem großen Teil eines profitablen Segments.

Beim Wachstum liegen die Sparten deutlich auseinander. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die bereinigten Foods-Umsätze lediglich um 1,2 %. Der Bereich für Haar- und Hautpflege, Premiumkosmetik und Wellnessprodukte wuchs um 5,9 %, Körperpflege um 4,8 % und Haushalt um 7,6 %.

Nach der Trennung käme Unilever auf Basis der Zahlen von 2025 noch auf rund 39 Mrd. EUR Umsatz. Rund zwei Drittel davon entfielen auf Haar- und Hautpflege, Premiumkosmetik, Wellnessprodukte und Körperpflege. Diese Kategorien zählt das Management zu den Geschäften mit höheren strukturellen Wachstumschancen.

Fokussierte Konkurrenten setzen die Bewertungsmarke

An der Börse wird Unilever deutlich niedriger bewertet als der US-amerikanische Konsumgüterkonzern Procter & Gamble US7427181091852062. Auch dieses Unternehmen trennte sich von Lebensmitteln und straffte sein Markenportfolio. Anschließend beschleunigte sich das Wachstum, während der Konzern über weite Teile des folgenden Jahrzehnts einen Bewertungsaufschlag erzielte. Procter & Gamble konzentriert sich auf zehn Kategorien des täglichen Bedarfs, darunter Pflege-, Gesundheits-, Hygiene- und Haushaltsprodukte.

Der Unternehmenswert entspricht bei Unilever dem 11,5-Fachen des Kernergebnisses, bei Procter & Gamble dem 14,8-Fachen. Dieser Abstand verdeutlicht, welchen Aufschlag Anleger stärker spezialisierten Konsumgüterkonzernen derzeit zugestehen. Für eine höhere Bewertung muss Unilever nach dem Umbau entsprechend überzeugende operative Ergebnisse liefern.

Ein Teil des Dealwerts soll unmittelbar in die Kapitalverwendung fließen. Unilever will die Barerlöse unter anderem zum Schuldenabbau und für insgesamt 6 Mrd. EUR Aktienrückkäufe von 2026 bis 2029 nutzen. Die strategische Trennung ist damit auch mit einer konkreten Kapitalrückgabe an die Aktionäre verbunden.

Die Vereinfachung verursacht zugleich Kosten. Nach der Trennung von der Food-Sparte rechnet der Konzern zunächst mit 400 bis 500 Mio. EUR verbleibenden Fixkosten. Einsparungen sollen sie 2027 bis 2029 ausgleichen, wofür rund 500 Mio. EUR einmalige Umbaukosten vorgesehen sind.

Jetzt entscheidet die operative Umsetzung

Zuletzt hatte Unilever deutlich stärkeres Volumenwachstum gemeldet. Im zweiten Quartal 2026 stieg das bereinigte Absatzvolumen konzernweit um 5,5 % und erreichte nach Unternehmensangaben den höchsten Quartalswert seit mehr als zehn Jahren. Für das Gesamtjahr erwartet Unilever nun rund drei Prozent bereinigtes Volumenwachstum und eine leichte Verbesserung der bereinigten operativen Marge.

Das kombinierte Lebensmittelunternehmen erwartet zudem rund 600 Mio. USD jährliche Kostensynergien, die bis Ende des dritten Jahres erreicht werden sollen. Weil Unilever-Aktionäre beim Abschluss die Mehrheit am neuen Unternehmen halten sollen, bleibt dessen Wertentwicklung für sie relevant.

Unilever-Chef Fernando Fernandez setzt darauf, dass fortlaufend bessere Zahlen den Wert des vereinfachten Konzerns sichtbar machen. Gelingt das über mehrere Quartale, könnte der Bewertungsabschlag schrumpfen.