
Nahrungsmittelhersteller: Tate & Lyle Aktie ist unterbewertet, technisch aber noch nicht reif für den Turnaround
Der Nahrungsmittelhersteller ist der Hersteller von Sucralose, das auch an PepsiCo und Unilever geliefert wird. Mit einem KGV unter 10 scheint die Aktie niedrig bewertet – doch es gibt einen charttechnischen Haken.
Lesezeit 5 min
Die Aktie des Nahrungsmittelherstellers Tate & Lyle GB00BP92CJ43A3DKAB hat in den letzten Jahren eine schwache Performance hingelegt. Auf 3-Jahres-Sicht beträgt das Minus des Londoner Konzerns mehr als 35 %. Im letzten Monat beschleunigte sich der Abwärtstrend mit einem Verlust von mehr als 14 %.
Morningstar: Tate & Lyle Aktie fast 40 % unterbewertet
Nach Ansicht der Analysten von Morningstar ist Tate & Lyle unterbewertet: Das Rating wurde zuletzt von 4 auf 5 Sterne angehoben. Morningstar Ratings beziehen sich auf das Verhältnis von Kurs zu einem durch die Analysten ermittelten fairen Wert. Die Aktie notiert bei 565 GBp, den fairen Wert sehen die Modelle bei 900 GBp.
Tate & Lyle produziert verpackte Lebensmittel wie Getränke, Milchprodukte, Suppen, Saucen und Dressings sowie Backwaren und Snacks sowie Süßstoffe und Industriestärke. Das Unternehmen ist der einzige Hersteller von Sucralose ("Splenda"). Das Zuckersubstitut wird unter anderem an PepsiCo US7134481081851995 und Unilever GB00B10RZP78A0JNE2 geliefert.
Im Rahmen einer strategischen Erweiterung des Sortiments um mehr zuckerfreie Produkte wurde im vergangenen Jahr CP Kelko übernommen: Der Anbieter von Pektin, Spezialgummis und anderen naturbasierten Zutaten soll neues Wachstumspotenzial erschließen.
Kursrückgang wegen Wachstums- und Margenschwäche
Vor zwei Wochen brach die Aktie deutlich ein, nachdem das Unternehmen eine ausbleibende Beschleunigung der Volumina im Bereich Food & Beverage Solutions in der zweiten Jahreshälfte melden musste. Das EBITDA-Wachstum in diesem Jahr soll nun am unteren Ende der Spanne von 4-7 % liegen.
Neben dem niedrigen Wachstum kämpft das Tate & Lyle auch mit Margendruck. Die Vertragsrunde 2024 war bereits durch Preisabschläge um 4% belastet worden. In der letzten Meldung wurde zwar weiterhin betont, dass die jährlichen Vertragserneuerungen des Unternehmens Volumen- und Umsatzwachstum bringen sollen. Ein früherer Hinweis auf die Stückmarge fehlte jedoch.
Doch das Unternehmen macht Gewinne: 188 Mio. GBP erreichte der Nettogewinn 2024. Die durch das Wall Street Journal befragten Analysten rechnen für 2026 mit einem Anstieg des Gewinns pro Aktie um 15 % gegenüber 2024. Das zukunftsgerichtete KGV liegt bei knapp 10, das KBV bei 1,80. Nur wenige Aktien aus einem defensiven Sektor sind derzeit so niedrig bewertet wie das 1921 gegründete FTSE250-Unternehmen.
Die Analysten von Berenberg sind sehr viel skeptischer als Morningstar und senkten das Kursziel zuletzt auf 600 GBp (zuvor 900 GBp) und betonten, dass die Preis- und Volumenaussichten sich kurzfristig nicht wesentlich verbessern dürften.
Dennoch scheint die Aktie auf dem aktuellen Niveau nicht zu hoch bewertet. Die Marktbedingungen müssen nicht auf Dauer schlecht bleiben, bei wieder steigenden Margen könnten auch die Gewinne wieder spürbar anziehen.
Charttechnisch ist Tate & Lyle ein fallendes Messer – noch
Die Charttechnik allerdings spricht gegen die Aktie. Das Papier befindet sich seit Mitte Oktober mehr oder weniger im freien Fall. Am 16. Oktober lag der Preis noch bei 807 GBp. Mit dem letzten Abwärtsimpuls unterschritt der Kurs das Unterstützungsniveau von 591/598 GBp im März/Juni. Sogar das Tief von März 2020 (570 GBp) wurde unterschritten.
Wenn sich der Kurs stabilisiert, könnte ein Einstieg auf günstigem Niveau sich auszahlen, wenngleich sich Tate & Lyle nicht als Buy & Hold Titel empfiehlt. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Aufwärtsrallyes im Bereich von 20-30 %. Zu einer solchen könnte es in einem sich aufhellenden Umfeld abermals kommen.
Vier durch das Wall Street Journal befragte Analysten empfehlen die Aktie derzeit zum Kauf (1x Overweight, 3x Hold).