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Moskaus AssetsNach dem Trump Trade wittern einige Marktteilnehmer den Russland Trade

Aktien und Anleihen von Öl- und Gasunternehmen aus Russland waren vor dem Krieg beliebt. Nun wächst das Interesse wieder: Waghalsige Investoren setzen bei der Russland-Wette auf eine Rückkehr des Landes an die Finanzmärkte.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Zoonar / DesignIt / Zoonar.com/DesignIt

Wie es in der Ukraine weitergeht, ist bekanntlich höchst ungewiss und von einer Vielzahl von Entscheidungen unterschiedlicher Akteure abhängig. Mindestens genauso ungewiss ist die weitere Entwicklung der russisch-westlichen Beziehungen. Auf ein Comeback dieser Beziehungen setzen nun einige Marktteilnehmer: Die riskanten Wetten auf eine Rückkehr Russlands an die Finanzmärkte laufen.

Begrenztes Angebot und steigende Nachfrage bei russischen Assets

Sollten diese Wetten aufgehen, könnten einige russische Vermögenswerte drastisch an Wert gewinnen. Bloomberg etwa berichtet über Händler eines Londoner Brokerhauses, die im Auftrag von Family Offices aus dem Nahen Osten mit Hochdruck nach USD-Anleihen des russischen Energieunternehmens Gazprom suchen.

Deren Besitzer aber wollten entweder gar nicht oder nur zu höheren Preisen verkaufen. "Diese Kombination aus begrenztem Angebot und steigender Nachfrage trug dazu bei, die Renditen russischer Anleihen in Dollar und Euro im Februar um etwa fünf Prozentpunkte zu drücken", heißt es in dem Bericht der Agentur.

Die Käufer russischer Assets wetten darauf, dass die stark diskontierten Wertpapiere wieder näher an ihren Fundamentaldaten gehandelt werden, wenn die nach dem Einmarsch in die Ukraine 2022 gegen Russland verhängten Sanktionen enden sollten.

Das Interesse an Wetten auf den Rubel durch Non-Deliverable Forwards steigt Vermögensverwaltern zufolge. Diese Derivate umschiffen die Sanktionen. Jewgeni Kogan, ein in Moskau ansässiger Investmentbanker mit eigener Beratungsfirma, sieht eine weltweit intensive Suche nach Wertpapieren russischer Emittenten. "Investoren fragen sich generell, wie schnell sie in den russischen Markt einsteigen können."

Investoren hoffen auf Schnäppchen – doch die Risiken sind immens

Wer als Investor zum gegenwärtigen Zeitpunkt nach Russland schielt, hofft vielleicht auf besonders günstige Schnäppchen. Die kann es auch geben, sollte die Wette aufgehen. Im Fall einer westlichen Rehabilitierung Russlands wären Handels- und Investitionsvolumina von mehreren hundert Milliarden USD betroffen.

Doch das Risiko, die Wette zu verlieren, ist hoch. Erstens könnte die erhoffte Aufhebung der Sanktionen schlicht unterbleiben. Investoren würden bei der Russland-Wette also auf Umwegen rechtlich problematische oder zumindest unverkäufliche Assets erwerben. Zweitens könnten die Sanktionen in bestimmten Szenarien zunächst gelockert und dann wieder verschärft werden.

Wer die Russland-Wette in Betracht zieht, setzt häufig auf Donald Trump und dessen vergleichsweise freundlichen Ton gegenüber Moskau in den vergangenen Wochen. Doch Trump ist schwer auszurechnen und ändert seine Richtung laufend. Am 7. März warnte der US-Präsident etwa, er ziehe neue Bankensanktionen gegen Russland "ernsthaft in Erwägung" – mehr Sanktionen also statt weniger sind auch im Spiel.

Trump kann Sanktionen per Executive-Order aufheben

Trump hat die Macht, die US-Sanktionen gegen Russland per Exekutivbeschluss aufzuheben. Dies würde jedoch eine 30-tägige Überprüfungsfrist und eine mögliche Abstimmung im Kongress auslösen.

Emily Ferris, leitende Wissenschaftlerin in der Abteilung für Internationale Sicherheitsstudien am Royal United Services Institute in London, gibt zudem zu bedenken, dass Russland auf Kriegswirtschaft umgestellt habe. "Wie könnte ein westlicher Investor sicher sein, dass seine Investitionen nicht für den noch nicht beendeten Krieg oder für die russische militärische Aufrüstung verwendet werden?"