
Investor Woche: Fed lässt Zinsen unverändert, Microsoft & Amazon nach Zahlen im Aufwind, Apple & Meta unter Druck, Samsung mit Rekordgewinn, Purecore Metals macht Uran-Deal in Kanada fix
Eine gespaltene Fed lässt die Zinsen vorerst unverändert. Die Aktien von Microsoft, Meta, Amazon und Apple entwickeln sich nach Zahlen sehr unterschiedlich. Arctic Minerals startet ein Explorationsprogramm in Schweden, Silver Hammer Mining forciert die Exploration in Nevada. SpaceX legt nächste Woche erstmals seit dem IPO Zahlen vor. NVIDIA und OpenAI schüren AI Circular-Ängste.
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Marktentwicklung
Eine volatile Woche neigt sich dem Ende zu. Erst belasteten KI-Capex-Sorgen und der Abwärtsstrudel bei Chip-Aktien sowie eine geteilte Fed, dann führten Zahlen mehrerer Schwergewichte bei deren Aktien zu höchst unterschiedlichen Kursentwicklungen. Der DAX tendierte überwiegend seitwärts, stieß aber zum Wochenende in Richtung der 26.000-Punkte-Marke vor. Der NASDAQ-100 gab zeitweise um rund 1.000 Punkte nach, notierte am Freitagvormittag aber wieder nahe des Wochenauftaktniveaus bei 28.440 Punkten. Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich im S&P 500. Gold bleibt über 4.000 USD, Silber unter 60 USD.
Top-Meldungen
Fed lässt Zinsen unverändert
Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins unverändert in einer Spanne zwischen 3,5 % und 3,75 % belassen. Die Entscheidung erfolgte allerdings mit drei Gegenstimmen, die eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte gefordert hatten. Die US-Inflation liegt seit mittlerweile fünf Jahren über dem Zielwert.
Microsoft knackt bei Azure-Cloud 100-Mrd.-USD-Marke
Microsoft (ISIN: US5949181045, WKN: 870747) berichtete für das zweite Quartal einen Umsatzanstieg von 18 % auf 90 Mrd. USD und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Der Nettogewinn stieg um 31 % auf 35,8 Mrd. USD. Der Umsatz des Azure-Cloud-Geschäfts überstieg im Geschäftsjahr 2026, das im Juni endete, erstmals die 100-Mrd.-USD-Marke. Die Aktien legten nachbörslich um rund 8 % zu.
Meta wegen höherer KI-Investitionen unter Druck
Deutlich schlechter als für Microsoft lief es für Meta (ISIN: US30303M1027, WKN: A1JWVX). Die Aktien lagen zeitweise zweistellig im Minus und steuerten auf den höchsten Tagesverlust seit 2025 zu. Das Unternehmen meldete zwar einen Rekordumsatz im zweiten Quartal von 60,8 Mrd. USD, erhöhte aber gleichzeitig die Prognose für die jährlichen Mindestinvestitionen um 5 Mrd. USD auf 130 Mrd. USD. Der freie Cashflow sank auf weniger als 784 Mio. USD, nach mehr als 12 Mrd. USD im Vorquartal.
Amazon mit 37 % Plus bei Cloud-Computing
Amazon (ISIN: US0231351067, WKN: 906866) dagegen konnte im nachbörslichen Handel um fast 10 % zulegen. Der Versandriese meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 200,6 Mrd. USD, wobei der Umsatz in der Cloud-Computing-Sparte im Vergleich zum Vorjahr um 37 % stieg. Dass die Prognose für die Investitionsausgaben im laufenden Jahr um 20 Mrd. USD auf 220 Mrd. USD erhöht wurde, schreckte die Marktteilnehmer nicht ab. Der Nettogewinn von Amazon in Höhe von 62,2 Mrd. USD beinhaltete 53,4 Mrd. USD an außerordentlichen Vorsteuererträgen, die hauptsächlich aus den Investitionen in Anthropic stammten.
Samsung meldet Rekordgewinn und glaubt an Chip-Engpass
Samsung Electronics (ISIN: KR7005930003, WKN: 888322) verdiente im zweiten Quartal operativ etwas mehr als 89 Bill. Won (rund 51 Mrd. Euro) – so viel wie noch nie. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg um das 19-fache. Der Umsatz erreichte 171 Bill. Won und verdoppelte sich damit. Das Unternehmen rechnet mit einer Verschärfung des weltweiten Chipmangels.
Apple mit Bruttomarge von 50,1 %
Apple (ISIN: US0378331005, WKN: 865985) steigerte seinen Umsatz in den vergangenen drei Monaten um gut 16 % auf 109 Mrd. USD. Die Einnahmen aus dem Verkauf von iPhones legten um knapp 22 % auf 54 Mrd. USD zu. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,02 USD, die Bruttomarge bei 50,1 %. Dennoch gaben die Aktien deutlich nach.
Silver Hammer Mining startet Oberflächenexploration in Nevada
Silver Hammer Mining (ISIN: CA8277331069, WKN: A3C4PX) informierte am Montag über den Beginn eines Oberflächenarbeitsprogramms beim Silberprojekt Eliza im White Pine County in Nevada. Das Programm umfasst ein geologisches Kartierungsprogramm sowie Gesteins- und Bodenbeprobungen. Diese zielen darauf ab, frühere positive Ergebnisse weiter zu definieren und auszubauen, um das geplante zukünftige Bohrprogramm zu unterstützen.
Arctic Minerals startet Geophysik-Programm bei Kupfer-Silber-Projekt in Schweden
Arctic Minerals (ISIN: SE0024172779, WKN: A411LJ) informierte am Mittwoch über den Start eines geophysikalischen Programms auf dem Kupfer-Silber-Projekt Hennes Bay in Schweden. Die Arbeiten bauen auf dem geophysikalischen Programm von 2025 auf und sehen weitere 150 km2 zu untersuchende Fläche vor. Dadurch sollen bekannte Explorationsgebiete erweitert und neue Ziele generiert werden. Auf dem Plan stehen unter anderem eine magnetotellurische (MMT) Untersuchung aus der Luft und Gravitationsmessungen.
Purecore Metals macht Yurchison-Urandeal fix
Purecore Metals (ISIN: CA7459371026, WKN: A42ABN) hat eine endgültige Vereinbarung über eine Option auf den Erwerb einer bis zu 100%igen Beteiligung an dem Uranprojekt Yurchison im Athabasca-Becken im Norden von Saskatchewan in Kanada unterzeichnet. Das Projekt umfasst 22 Claims mit einer Gesamtfläche von gut 35.000 Hektar an Mineralrechten.
Unter der Lupe
SpaceX kurz vor den ersten Quartalszahlen: Darauf kommt es an
Die Aktie von SpaceX (ISIN: US84615Q1031, WKN: A42D4F) hat seit dem Börsengang deutlich an Wert verloren. In der kommenden Woche stehen die ersten Quartalszahlen nach dem IPO an. Worauf gilt es dabei zu achten?
SpaceX ist operativ hauptsächlich im Raumfahrt- und Kommunikationssektor tätig, hat jedoch auch hohe Investitionen in KI getätigt. Nicolas Owens von Morningstar sieht die Umsätze aus dem KI-Geschäft als wichtige Größe der Quartalszahlen an. "Dazu gehören die Mietzahlungen für die Infrastruktur von Anthropic, Google und möglicherweise Reflection sowie deren Kosten und Investitionsausgaben. Ich gehe nicht davon aus, dass KI in absehbarer Zeit profitabel sein wird."
Ähnlich wichtig wird die Umsatz- und Gewinnentwicklung des Satellitengeschäfts Starlink sein. Owens hält insbesondere das Abonnentenwachstum für bedeutsam. Dieser Bereich ist wichtig, weil Starlink anders als die anderen Geschäftsbereiche schwarze Zahlen schreibt. "Starlink ist derzeit der wichtigste Umsatzträger des Unternehmens und kann die Expansionspläne im Bereich der künstlichen Intelligenz teilweise finanzieren", sagt Owens.
2025 erlitt SpaceX bei einem Umsatz von 18,7 Mrd. USD einen Verlust von knapp 5 Mrd. USD. Im ersten Quartal wurde ein Verlust von 4,28 Mrd. USD ausgewiesen, wobei Starlink einen Gewinn von 1,2 Mrd. USD erzielte.
Doch SpaceX war schon beim IPO mehr als nur Bilanzzahlen. "The Alpha Analyst" betont in einer Analyse bei SeekingAlpha, dass "Anleger nun die Wahl haben, mit welchem Vehikel sie auf Elon Musks komplexe Vision von Autonomie und KI setzen wollen". Er glaubt, dass "die These für SpaceX überzeugender ist, um Einstiegspositionen aufzubauen", und empfiehlt die Aktie zum Kauf.
Unstrittig ist: Trotz eines Umsatzwachstums von 33 % auf 18,7 Mrd. USD im Jahr 2025 bleibt das Forward-Sales-Multiple mit 39x hoch. Gleichzeitig wird bis 2028 ein negativer freier Cashflow erwartet.
Doch die Story des Unternehmens und die Aussicht auf das Erreichen der Gewinnschwelle rechtfertigen nach Ansicht vieler Analysten offenbar mehr – vor allem im Zusammenhang mit dem Kursrückgang. 25 der durch das Wall Street Journal befragten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf – vor einem Monat waren es 6 (aktuell 3× overweight, 7× hold und je 1× underweight und sell).
Grafik der Woche
NVIDIA und Open AI: Grund zur Sorge?
Die Aktie von NVIDIA (ISIN: US67066G1040, WKN: 918422) geriet in dieser Woche unter Beschuss. Der Chiphersteller arbeitet an einer neuen Runde von KI-Deals im Wert von mehr als 750 Mrd. USD. Unter anderem wird über eine Bürgschaft von bis zu 250 Mrd. USD verhandelt, mit der OpenAI bei der Anmietung von Rechenleistung unterstützt werden soll. Dies wäre einer der größten Finanzierungsverträge von NVIDIA mit einem Kunden, aber keinesfalls der erste Vertrag dieser Art.
An den Märkten stellte sich rasch die Sorge vor den Risiken der AI Circular Economy ein. Die Lesart: NVIDIA finanziert seine eigenen Kunden. Solche Deals könnten die Nachfrage verzerren, Fehlentscheidungen begünstigen und Verluste vergrößern, sagen etwa Shortseller wie Michael Burry, aber auch Goldman Sachs. Im schlimmsten Fall könnte sich eine Blase selbst nähren, bis sie platzt.
Doch nicht alle Analysten sehen es so. Morningstar etwa sieht den Bericht "nicht als Anzeichen dafür, dass die Nachfrage nach KI eine Illusion ist". Die Nutzung von KI-Token steige weiterhin exponentiell an, während KI-Hosting-Unternehmen mit Engpässen bei den Rechenkapazitäten zu kämpfen hätten.
Morningstar-Analyst Brian Colello schrieb in einer Notiz: "Nach unserem Verständnis bietet Nvidia einigen "Neoclouds" Absicherungen an, die es ihnen ermöglichen, bessere Finanzierungsbedingungen für den Ausbau zu erhalten – im Gegenzug dafür, dass sie einen Teil ihrer KI-Hosting-Einnahmen mit Nvidia teilen."

Fun Fact
Farmer in Brasilien besichern Kredite mit tokensierten Kühen
In Brasilien dienen tokenisierte Kühe jetzt als Kreditsicherheit für Landwirte. Eine Gruppe von Landwirten im brasilianischen Paraná machte ihre Kühe zu Token und bot diese an der Börse an, um so Kreditsicherheiten nutzen zu können.
Die Kühe sind mit KI-gestützten Halsbändern ausgestattet, die ihren Standort, ihr Verhalten und ihren Gesundheitszustand erfassen. Die ersten zehn tokenisierten Milchkühe haben den Landwirten bereits Kredite in Höhe von rund 20.000 US-Dollar ermöglicht.
"Wir nehmen die Kuh, einen realen und greifbaren Vermögenswert, und wandeln sie in einen digitalen Vermögenswert um, der durch einen einzigartigen, in Echtzeit überwachten Code abgesichert ist", sagte Thiago Martins von Cowmed, einem brasilianischen Agrartechnologieunternehmen. Perspektivisch sollen Cowmed zufolge rund 20 % der 395 Mio. USD teuren Herde tokenisiert werden.




