
Milliardenfusion vollzogen: Skydance baut aus Paramount und Warner ein Medienimperium
Hollywood bekommt einen neuen Großkonzern: Skydance vereint Paramount und Warner Bros mit Studios, Streamingdiensten und Nachrichtensendern. Der Zusammenschluss schafft enorme Reichweite, trifft aber auf hohe Schulden und ein klassisches TV-Geschäft, das weiter an Boden verliert.
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Der US-Medienkonzern Skydance ISIN US69932A2042 WKN A412AL hat die Übernahme von Warner Bros Discovery abgeschlossen. Für dessen Aktionäre wurden rund 78 Mrd. USD Barzahlung angesetzt. Einschließlich übernommener Nettoschulden wurde das Unternehmen bei der Transaktion mit einem Unternehmenswert von 110 Mrd. USD bewertet. Entstanden ist nun ein Hollywood-Konzern, der Filmstudios, Nachrichtensender und Streamingdienste unter gemeinsamer Führung vereint. Der Skydance-Gründer und Konzernchef David Ellison kontrolliert nun Marken und Inhalte von Paramount, Warner Bros, DC Studios, CBS, CNN, Paramount+ und HBO Max.
Die wirtschaftliche Dimension reicht weit über die bekannten Marken hinaus. Skydance beziffert den Jahresumsatz des kombinierten Konzerns auf nahezu 70 Mrd. USD. Gleichzeitig soll die neue Gruppe rund 80 Mrd. USD Schulden tragen. Die neue Größe stärkt die Verhandlungsmacht, erhöht jedoch den Druck auf Cashflow und Integration.
Reichweite wächst – die Schuldenlast auch
Mit dem Abschluss wechselte die Aktie von der Nasdaq an die New York Stock Exchange. Dort wird sie nun unter dem Kürzel SKYD gehandelt. Warner Bros Discovery ist nach dem Zusammenschluss eine hundertprozentige Tochter von Skydance.
Allein die neuen dollarbasierten Anleihen und befristeten Kredite zur Finanzierung summieren sich auf 49,9 Mrd. USD. Hinzu kommen weitere Euro-Tranchen, vorhandene Barmittel und neues Eigenkapital. Die neu begebenen Dollar-Anleihen tragen Kupons zwischen 6,3 und rund 9,1 %. Die Zinslast wird damit zu einem zentralen Faktor der Strategie. Skydance muss im Streaming wachsen, das Kinogeschäft stärken und zugleich den Cashflow aus klassischen Kabelsendern möglichst lange stabil halten.
Für die Transaktion stellte ein Investorenkonsortium außerdem 47 Mrd. USD neues Eigenkapital bereit. Angeführt wurde diese Finanzierung von der Ellison-Familie und der US-Investmentgesellschaft RedBird Capital Partners sowie mehreren Staats- und Finanzinvestoren. Der Kauf ist damit zugleich eine außergewöhnlich große Rekapitalisierung des Mediengeschäfts.
Das traditionelle Geschäftsmodell der Branche steht seit Jahren unter Druck. Kabelabonnements gehen zurück, während der Wettbewerb um Streamingkunden hohe Ausgaben verlangt. Technologiekonzerne und digitale Plattformen konkurrieren zugleich immer stärker um Aufmerksamkeit, Werbegeld und Unterhaltung.
Bei Warner Bros Discovery sanken die Erlöse der linearen Netzwerke im zweiten Quartal 2026 währungsbereinigt um 17 %. Die Zahl der heimischen Pay-TV-Abonnenten fiel um 10 %. Dagegen stiegen die währungsbereinigten Streamingumsätze um ebenfalls 10 %. Bei Paramount zeigt sich dieselbe Verschiebung. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Direct-to-Consumer-Umsatz um 9 %, während das klassische TV-Geschäft weiter unter Druck stand. Die Übernahme beschleunigt einen Umbau, der bei beiden Unternehmen bereits vor dem Abschluss lief.
Sechs Milliarden USD Einsparungen als erster Härtetest
An der Spitze teilt sich Ellison die Führung mit dem früheren Mattel-Chef Ynon Kreiz. Kreiz übernimmt als Co-CEO das Tagesgeschäft und soll die Integration steuern. Ellison konzentriert sich auf kreative Richtung, langfristige Strategie, Technologie und Kapitalallokation. Besonders ambitioniert ist das Sparziel. Rund 6 Mrd. USD an jährlichen Kosten sollen innerhalb von drei Jahren wegfallen. Skydance will einen wesentlichen Teil außerhalb der Personalkosten finden und diese laufenden Synergien innerhalb von drei Jahren erreichen.
Dazu gehören die Zusammenlegung von Technologie, Infrastruktur, Einkauf, Marketing und Immobilien. Auswirkungen auf Beschäftigte erscheinen dennoch kaum vermeidbar. Zwei große Medienorganisationen besitzen zahlreiche doppelte Funktionen, Systeme und Verwaltungsstrukturen.
Für Ellison ist dieser Umbau zentral, weil zusätzliche Reichweite allein die Übernahme wirtschaftlich nicht trägt. Hohe Schulden und hohe laufende Ausgaben lassen wenig Raum für schwache operative Ergebnisse. Skydance setzt deshalb ein konkretes Entschuldungsziel. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA soll bis Ende 2029 auf 3,0 sinken. Dafür müssen Einsparungen und Cashflow schneller wachsen als die finanzielle Belastung.
Streaming und Kino sollen für Wachstum sorgen
Im Streaming will Skydance seine Angebote zusammenführen. Paramount+ und HBO Max sollen nach den bisherigen Plänen mit der Zeit in einem gemeinsamen Dienst aufgehen. So ließen sich Inhalte, Technik und Vermarktung stärker bündeln. Die Ausgangslage ist dabei nicht ausschließlich defensiv. Warner Bros Discovery steigerte im zweiten Quartal 2026 sein Streaming-EBITDA deutlich. Das bereinigte Segmentergebnis stieg währungsbereinigt um 63 % auf 512 Mio. USD.
Auch Paramount meldete zuletzt Wachstum bei Paramount+. Im zweiten Quartal 2026 legte der Umsatz des Dienstes um 16 % zu. Diese Entwicklung erklärt, weshalb Skydance gerade im Streaming zusätzliche Größe wirtschaftlich nutzen will. Parallel setzt Skydance auf ein hohes Produktionstempo. Vorgesehen sind mindestens 30 Kinofilme pro Jahr. Der Konzern plant zusätzlich mehr als 180 Fernsehserien und Sendungen jährlich.
Ellison hat außerdem zugesagt, jährlich mehr als 30 Mrd. USD in Inhalte zu investieren. Skydance will damit offensiv um Abonnenten, Zuschauer und kulturelle Relevanz konkurrieren. Die Strategie ist teuer, aber nachvollziehbar. Ein größerer Katalog allein garantiert im Streaming keine höheren Erträge. Maßgeblich sind Nutzung, Preissetzung, Kundenbindung und die wiederholte Verwertung erfolgreicher Marken.
Das US-Analysehaus MoffettNathanson erwartet für 2028 rund 67 Mrd. USD Umsatz und 16 Mrd. USD operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Für 2030 prognostiziert es etwa 70 Mrd. USD Umsatz und 19 Mrd. USD dieses Ergebnisses. Skydance selbst stellt für 2030 einen freien Cashflow von mehr als 10 Mrd. USD in Aussicht. Diese Zielmarke ist für die Übernahme besonders wichtig. Aus dem Wachstum muss schließlich genügend Geld für Investitionen und Entschuldung entstehen.
Nachrichtenmarken bleiben politisch sensibel
Mit CNN und CBS News übernimmt Skydance zwei besonders sichtbare Nachrichtenmarken. CNN-Chef Mark Thompson und CBS-News-Chefin Bari Weiss sollen ihre Funktionen behalten. Beide berichten künftig direkt an Ellison und Kreiz.
Die Frage nach redaktioneller Unabhängigkeit begleitet den Deal deshalb weiter. Im Zuge der regulatorischen Einigung sagte Ellison ein eigenes Aufsichtsgremium für CNN und CBS zu. Fachleute bezweifeln allerdings, dass dieses Gremium starken Einfluss entfalten kann. US-Präsident Donald Trump begrüßte den Zusammenschluss öffentlich. Zugleich werfen Kritiker im Kongress Ellison vor, die CBS-Berichterstattung zugunsten Trumps beeinflusst zu haben. Die Integration reicht damit weit über klassische Kostensynergien hinaus.
Die Ellison-Familie und RedBird halten gemeinsam sämtliche stimmberechtigten Class-A-Aktien des neuen Konzerns. Die strategische Kontrolle bleibt damit stark konzentriert. Für die Nachrichtensparten erhöht dies die Bedeutung glaubwürdiger Regeln zur redaktionellen Unabhängigkeit.
Rechtliche Hürden waren vor dem Abschluss durch Einigungen mit mehreren US-Bundesstaaten und einer Hollywood-Autorenvertretung ausgeräumt worden. Nach Unternehmensangaben erhielt die Transaktion Freigaben in nahezu 70 Rechtsordnungen weltweit.
Nach dem Kauf beginnt die schwierigere Arbeit
Skydance ist innerhalb weniger Jahre vom unabhängigen Studio zum Zentrum eines globalen Medienkonzerns aufgestiegen. Gegründet wurde das Unternehmen 2010 von David Ellison, dem Sohn des Technologieunternehmers Larry Ellison. Nach der Fusion mit Paramount 2025 wandte sich Skydance der Übernahme von Warner Bros Discovery zu.
Nun muss aus dem finanziellen Kraftakt ein operativ schlüssiges Unternehmen werden. Dafür braucht Skydance mehr als bekannte Marken und große Budgets. Der Konzern muss Kosten senken, kreative Leistung erhalten und seine verschiedenen Vertriebswege wirtschaftlich besser verzahnen.
Die Übernahme verändert die Machtverhältnisse in Hollywood. Der neue Konzern startet mit rund 80 Mrd. USD Schulden in einen Markt, in dem das klassische TV-Geschäft schrumpft und Streaming wächst.