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Lithium bleibt gefragtWer jetzt auf Solar starrt verpasst die Speicherrakete

Der vermeintliche Solardämpfer trügt. Stromspeicher profitieren von Preisverzerrungen im Netz und befeuern die Nachfrage nach Lithium.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 6 min
Titelbild: Unsplash / Philip Oroni

Die Solarindustrie gilt seit Jahren als Paradebeispiel für exponentielles Wachstum - doch jetzt scheint die Kurve abzuflachen. Analysten von IEA, Wood Mackenzie und BloombergNEF rechnen damit, dass der weltweite Ausbau der Solarkapazitäten 2025 sein vorläufiges Hoch erreicht haben könnte. Trotzdem zeigen sich die Märkte für stationäre Stromspeicher (ESS, Energy Storage Systems) davon unbeeindruckt. Die Nachfrage bleibt robust und könnte laut BMO Global Commodities Research sogar weiter steigen.

Speicher boomen auch ohne neue Solarkapazitäten

Energiespeicher gelten oft als natürliche Ergänzung zur Photovoltaik - doch laut BMO sei diese Sichtweise zu simpel. Solar sei vielmehr ein Frühindikator für den Bedarf an Stromspeichern. Denn wo viel Solarstrom ins Netz eingespeist wird, steigen auch die Fälle negativer Strompreise - ein ideales Umfeld für Speichersysteme, die günstigen Strom zwischenlagern und später verkaufen.

Hinzu kommt: Die Kosten für Speicherzellen sinken rasant. Das chinesische Analysehaus Infolink erwartet für 2026 Zellkosten von nur noch 43 USD pro Kilowattstunde. Parallel dazu entstehen in vielen Regionen neue Geschäftsmodelle für Netzdienstleistungen und Arbitrage. Das sorgt für ein anhaltend starkes Projektvolumen - trotz Solar-Stagnation.

Lithium-Nachfrage steigt spürbar

Für den Rohstoff Lithium sorgt der Speicherboom für eine Anhebung der Nachfrageprognosen. BMO rechnet mit einem jährlichen Wachstum der lithiumbezogenen ESS-Nachfrage von 18 bis 19 % bis 2030. Bereits 2026 soll der Speichersektor rund 297.000 Tonnen LCE (Lithiumkarbonat-Äquivalent) verbrauchen - nach einem erwarteten Wachstum von etwa 40 % im Jahr 2025.

Zwar erwarten die Analysten weiterhin ein Überangebot an Lithium für 2026, doch sie warnen: Sollte der ESS-Markt stärker wachsen als prognostiziert, könnte die weltweite Nachfrage von etwa 1,6 Mio. Tonnen das Angebot übersteigen. Besonders dynamisch entwickelt sich dabei der Anteil großer Netzprojekte: Laut Wood Mackenzie entfallen 2025 über 1.200 GWh ESS-Nachfrage auf den Utility-Sektor - gegenüber rund 200 GWh für Wohn- und Gewerbeanwendungen zusammen.

Produzenten und Explorer reagieren mit Strategie und neuen Projekten

Wichtige Lithiumproduzenten wie SQM (ISIN: US8336351056, WKN: 895007) aus Chile und Albemarle (ISIN: US0126531013, WKN: 890167) aus den USA stehen in einem angespannten Marktumfeld. Beide Unternehmen mussten 2025 ihre Preisziele und Gewinnprognosen mehrfach nach unten korrigieren, halten aber an ihren langfristigen Wachstumsplänen fest. Albemarle setzt verstärkt auf eine Diversifizierung in den ESS‑Markt, während SQM laut BMO an kosteneffizienten Expansionen in Südamerika arbeitet.

Parallel dazu treiben kleinere Entwickler neue Projekte voran. Besonders im Fokus steht das Cisco‑Projekt von Q2 Metals (ISIN: CA74739G1072, WKN: A3D4CR) in Québec, Kanada. Die Region gilt als geopolitisch stabil und gut erschlossen für die Rohstofflogistik. Q2 Metals meldete dort in jüngsten Bohrkampagnen deutliche Hinweise auf hochgradige Spodumen‑Vorkommen. Das Unternehmen bringt sich damit strategisch in Stellung, um künftig Teil der nordamerikanischen Lieferkette für stationäre Speicher und Batteriematerialien zu werden.

Insgesamt zeigt sich: Der Markt sortiert sich neu. Große Produzenten sichern sich Marktanteile, während Explorer mit günstiger Kostenstruktur und geografischem Vorteil auf Chancen setzen. Gerade für Projekte in rohstofffreundlichen Regionen mit zuverlässiger Infrastruktur könnten sich in den kommenden ein bis drei Jahren wieder Chancen auf eine Finanzierung bieten - insbesondere dann, wenn die ESS-Nachfrage anhält.

Zellproduktion und Lieferketten legen vor

Ein Indiz für die hohe Erwartungshaltung der Industrie zeigt sich in den Lieferketten: Bereits in den ersten neun Monaten 2025 wurden 410 GWh an ESS-Zellen ausgeliefert - mehr als doppelt so viel wie tatsächlich installiert wurden.Laut dem Beratungsunternehmen Benchmark Minerals könnte es sich dabei um einen gezielten Aufbau von Lagerbeständen bei Zellherstellern handeln – möglicherweise im Vorgriff auf sinkende Exportanreize in China oder wegen der niedrigen Lithiumpreise im zweiten Halbjahr 2025.

Trotzdem sehen die Analysten von BMO darin ein klares Zeichen für Vertrauen in kommende Projekte. Denn neben den niedrigen Zellkosten sorgt auch der gestiegene Anteil erneuerbarer Energien für eine fundamentale Marktveränderung: Die Häufigkeit negativer Strompreise in Regionen wie Kalifornien, Südaustralien oder Teilen Europas hat sich zwischen 2019 und 2025 teils verdoppelt - ein Nährboden für Speicher.

Zwischen Solar-Pessimismus und Speicher-Optimismus

Die Analyse von BMO zeigt: Auch wenn die Solarkurve abflacht, steht der Speichersektor vor einem Wachstumsschub. Das zeigt sich nicht nur an den Zellmengen, sondern auch an Aussagen großer Hersteller. So rechnet CATL (ISIN: CNE100003662, WKN: A2JQNK), der weltgrößte Batterieproduzent, mit 30 % mehr Output bis 2026 - vor allem wegen hoher ESS-Nachfrage.

Unklar bleibt, ob dieser Boom dauerhaft ist. Einige Schwellenländer haben 2024 große Mengen an Photovoltaikmodulen importiert importiert - etwa Pakistan mit 16,6 GW, was rund der Hälfte des nationalen Stromverbrauchs entspricht. Doch diese Entwicklung könnte kurzfristiger Natur sein, da vielerorts bereits die Kapazitätsgrenze erreicht ist.

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