
KI treibt Silberpreis: Silber übertrifft Gold deutlich und profitiert von digitaler Revolution
Mehr als eine Verdopplung seit Jahresbeginn macht Silber zu einem der erfolgreichsten Rohstoffe 2025. Knappe Vorräte und steigende Nachfrage aus der Technologiebranche heizen die Preisentwicklung an.
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Silber hat am Dienstag erstmals die Marke von 60 US-Dollar je Feinunze durchbrochen und kletterte im weiteren Verlauf auf über 61 USD. Damit hat sich der Preis des Edelmetalls seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt und übertrifft die Entwicklung von Gold deutlich. Gold legte im gleichen Zeitraum rund 60 Prozent zu. Die rasante Preisentwicklung überrascht viele Beobachter und stellt traditionelle Rohstoffprognosen infrage.
Künstliche Intelligenz wird zum entscheidenden Nachfragetreiber
Der Anstieg lässt sich nicht allein mit geldpolitischen Erwartungen erklären. Ed Yardeni, erfahrener Stratege an der Wall Street, betont, dass Silber mittlerweile eng mit dem Ausbau der KI-Wirtschaft verknüpft sei. Das Metall habe sich faktisch zu einem weiteren KI-Investment entwickelt.
The Silver Institute und Oxford Economics unterstreichen diese Einschätzung in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht welcher von Business Insider aufgegriffen wurde. Darin heißt es, die schnelle Ausbreitung künstlicher Intelligenz treibe die Nachfrage nach Silber in Anwendungen der digitalen Wirtschaft voran. Datenzentren setzen zunehmend auf leistungsfähige Chips wie Grafikprozessoren und spezialisierte KI-Beschleuniger, deren Halbleiter Silber in internen Verbindungen und Gehäusen nutzen. Mit dem Vordringen von KI in autonome Fahrzeuge, Robotik und dezentrale Geräte wächst der Bedarf an silberhaltigen Komponenten weiter.
Industrielle Anwendungen und strukturelle Verknappung verstärken Preisdruck
Silber leitet Elektrizität und Wärme außergewöhnlich gut. Das macht es unverzichtbar für Medizintechnik, Photovoltaik, Windkraftanlagen und Elektronik in der Automobilindustrie. Diese breite industrielle Verwendung trifft auf schrumpfende Lagerbestände und rückläufige Produktion.
Kaum noch neue Silberminen gehen in Betrieb. Die Vereinigten Staaten haben Silber zudem als kritisches Mineral eingestuft. Chris Weston, Forschungschef bei Pepperstone, schreibt in einer Mitteilung vom Dienstag, dies sei zweifellos ein angespannter Markt. Die Vorräte fallen, und Händler wollten jedes verfügbare Stück Silber ergattern.
Auch private Anleger nehmen den Preissprung zur Kenntnis. Der Durchbruch über die psychologisch wichtige 60-Dollar-Schwelle weckt das Interesse kurzfristig orientierter Spekulanten und trendorientierter Marktteilnehmer. Sinkende Zinssätze erhöhen normalerweise die Nachfrage nach Edelmetallen, die selbst keine Zinserträge abwerfen.
Zyklische Risiken dämpfen Euphorie
Trotz der beeindruckenden Rally warnt Goldman Sachs vor den Risiken des Silberhandels. Das Edelmetall sei aufgrund seiner starken industriellen Nutzung deutlich zyklischer als Gold und damit eine weniger verlässliche Absicherung, hieß es bereits im Oktober.
Anders als Gold profitiere Silber nicht von Käufen durch Zentralbanken, die den Goldpreis stützen. Weston betont dennoch, Trend- und Momentum-Strategien dominierten derzeit das Geschehen. Die Kombination aus struktureller Verknappung, expandierendem KI-Sektor und spekulativem Interesse treibt den Preis daher vorerst weiter nach oben.
Silberproduzenten rücken in den Fokus
Die beschriebenen Engpässe machen deutlich, warum Bergbaufirmen derzeit besonders profitieren. Während kaum neue Silberminen entstehen und die Lagerbestände schwinden, vervielfacht sich bei steigenden Preisen oft der Gewinn der Förderer. Die Produktionskosten bleiben weitgehend stabil, während jeder zusätzliche Dollar je Unze direkt in die Marge fließt. Dieser operative Hebel macht Silberproduzenten, Entwickler und Explorer zu interessanten Beobachtungsobjekten.
Etablierte Produzenten wie Pan American Silver (ISIN: CA6979001089, WKN: 876617) und Fresnillo (ISIN: GB00B2QPKJ12, WKN: A0MVZE) fördern bereits in größerem Umfang und setzen höhere Preise unmittelbar in verbesserte Ergebnisse um. Entwickler wie Aftermath Silver (ISIN: CA00831V2057, WKN: A2DMFN) arbeiten daran, Projekte zur Produktionsreife zu bringen. Gelingt dies in einem Hochpreisumfeld, steigt die Wirtschaftlichkeit erheblich. Explorer wie Prismo Metals (ISIN: CA74275P1071, WKN: A2QEGD) suchen in den USA und Mexiko nach neuen Vorkommen. Erfolgreiche Entdeckungen gewinnen bei hohen Rohstoffpreisen deutlich an Wert, da sich die Erschließung eher rechnet. Je früher ein Unternehmen in der Wertschöpfungskette steht, desto stärker wirkt der spekulative Hebel auf mögliche künftige Erträge. Gerade weil der Markt aktuell so angespannt ist und die KI-getriebene Nachfrage weiter anzieht, bleibt die Aufmerksamkeit auf Unternehmen gerichtet, die neues Silber erschließen oder bereits fördern können.