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KI als KomplizeCyber-Massenangriff auf Unternehmens-Websites – Sekur Private Data und Integrated Quantum Technologies setzen auf Schutzkonzepte

Ein Hacker nutzt KI-Agenten für eine groß angelegte Angriffswelle – zu geringen Kosten. Der Fall zeigt, wie wichtig der Schutz von Daten und Systemen wird – und damit ein Geschäftsfeld, auf dem auch Sekur Private Data und Integrated Quantum Technologies tätig sind.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 12 min
Titelbild: Alex Shuper / Unsplash

Ein einzelner Angreifer ließ weitgehend selbstständig arbeitende KI-Agenten mehr als 1.200 Websites attackieren. Bei über 100 Unternehmenswebsites gelang offenbar der erfolgreiche Zugriff. Laut Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters richteten sich die Attacken bereits ab dem 25. September insbesondere gegen Websites von Onlinehändlern in den USA, Kanada, Australien und Japan. Der chinesischsprachige Täter gab die Richtung vor und überließ den langwierigen Teil der Angriffe dann weitgehend der Software. Nach Schätzung von Snorre Fagerland, dem leitenden Bedrohungsforscher beim Cybersicherheitsunternehmen NorForge, war der Einsatz der KI-Modelle ausgesprochen kostengünstig.

Knapper Auftrag für Hunderte Angriffsversuche

Fagerland untersuchte seit Anfang Oktober irrtümlich öffentlich zugängliche Installationen von Cairn, einer frei verfügbaren, allgemein einsetzbaren KI-Plattform, auf der mehrere Agenten gemeinsam an einem vorgegebenen Ziel arbeiten. Ihre Erkenntnisse sammeln sie auf einer gemeinsamen digitalen Tafel und leiten daraus weitere Untersuchungsschritte ab. Der menschliche Betreiber kann zusätzliche Hinweise geben, muss jedoch nicht jeden Versuch einzeln anstoßen. Der Entwickler von Cairn, der im Internet unter dem Namen le1xia0 auftritt, betonte, die Plattform sei nicht für kriminelle Angriffe konzipiert worden.

Fagerland entdeckte rund zwei Dutzend Systeme, die offenbar für gesetzeswidrige Aktivitäten genutzt wurden. Vierzehn der öffentlich erreichbaren Bedienoberflächen konnte NorForge anhand gemeinsamer Merkmale derselben Angriffskampagne zuordnen. Auf ihnen waren mehr als 1.100 Angriffsprojekte angelegt. Bevorzugt wurden gut besuchte Onlineshops, bei denen ein Browserprogramm zuvor überprüft hatte, ob sich Bestellungen aufgeben lassen.

Offenbar ging es den Angreifern darum, sich dauerhaften Zugang zu Handelssystemen und Zahlungsinfrastruktur zu verschaffen und diesen später wirtschaftlich auszunutzen. Dafür reichten Anweisungen von weniger als 100 chinesischen Schriftzeichen. Nach Fagerlands Einschätzung kamen offenbar ein Modell des chinesischen KI-Anbieters DeepSeek und das Programmierwerkzeug Claude Code des US-KI-Unternehmens Anthropic zum Einsatz.

KI-Agenten finden selbstständig neue Angriffswege

Bei einem dokumentierten Angriff fanden die Agenten zunächst keine Schwachstelle in der öffentlich erreichbaren Anwendung ihres Ziels. Anschließend durchsuchten sie Informationen über die zugehörige technische Infrastruktur und entdeckten eine zugängliche Verwaltungsoberfläche. Dort stießen sie auf eine schwer erkennbare Schwäche bei der Verarbeitung von Daten. Nach zahlreichen Versuchen meldeten sie schließlich, den Server zur Ausführung unerwünschter Befehle gebracht zu haben.

Für erfolgreich abgeschlossene Projekte nennt Fagerland im Mittel knapp 23 Stunden bis zur Zielerreichung und rund 140 dokumentierte Erkenntnisse.

Umfang des tatsächlichen Schadens bleibt unklar

Einzelne erfolgreiche Einbrüche konnte NorForge unabhängig von den Meldungen der KI-Agenten bestätigen. Bei einem großen Händler für technische Ersatzteile fanden die Forscher ein von den Programmen gemeldetes Werkzeug zum Hochladen weiterer Dateien. Der unerlaubte Zugang war damit nachgewiesen, ein Abfluss von Kundendaten hingegen nicht.

Über sämtliche untersuchten Angriffskampagnen hinweg schätzt NorForge die Erfolgsquote auf rund zehn Prozent. Allerdings unterschieden sich die Kriterien dafür, wann eine Aufgabe als erfolgreich galt. Manche Projekte zählten bereits mit dem Nachweis einer Sicherheitslücke als abgeschlossen, andere erst nach Einrichtung eines dauerhaft nutzbaren Zugangs. Die gemeldeten Erfolge sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.

Während NorForge die technischen Aufzeichnungen der Angriffe untersuchte, wertete Reuters die zugänglichen Cairn-Daten eigenständig aus und ermittelte so die Identität mehrerer betroffener Unternehmen. Dazu gehören der US-Landmaschinenhersteller Deere ISIN US2441991054 WKN 850866, der Haushaltsgeräteanbieter SharkNinja ISIN KYG8068L1086 WKN A3EQAJ und der US-Motorenhersteller Cummins ISIN US2310211063 WKN 853121.

Deere erklärte, die notwendigen Gegenmaßnahmen bereits ergriffen zu haben. Hinweise darauf, dass auf sensible Informationen zugegriffen wurde, gebe es nicht. Bei SharkNinja betraf der Angriff nach Unternehmensangaben eine eigenständige Website mit Produktinformationen für den Kundendienst. Die Bedrohung sei inzwischen unter Kontrolle.

Cummins untersucht dagegen einen möglichen Angriff auf eine Website, die von einem externen Dienstleister betrieben wird. Zwei kleinere Unternehmen bestätigten ebenfalls, kompromittiert worden zu sein. Ob bei den Angriffen tatsächlich Daten entwendet wurden und gegebenenfalls in welchem Umfang, blieb auch nach den Recherchen von Reuters ungeklärt. Zahlreiche weitere mutmaßlich betroffene Unternehmen beantworteten entsprechende Anfragen nicht.

Geringe Kosten ermöglichen Angriffe in großem Umfang

Für den Einsatz der KI-Modelle während der gesamten Kampagne veranschlagt Fagerland rund 5.000 USD, das entspricht etwa 50 USD je erfolgreichem Einbruch. Im ausführlichen Bericht kalkuliert NorForge mit durchschnittlich etwa fünf USD je gestarteter Aufgabe, einschließlich gescheiterter Versuche. Besonders langwierige Projekte könnten dagegen mehr als 100 USD kosten.

Exakte Abrechnungsdaten zur Nutzung der KI-Modelle standen den Forschern nicht zur Verfügung. Auch die gesamten Ausgaben für Vorbereitung und technische Infrastruktur sind in den Schätzungen nicht enthalten. Eine Einzelperson kann zahlreiche aufwendige Versuche gleichzeitig von Software ausführen lassen, statt jeden Schritt selbst übernehmen zu müssen.

NorForge vermutet bei den beobachteten Akteuren vor allem finanzielle Motive. Klare Anzeichen für staatlich gesteuerte Operationen fanden die Forscher nicht. Auch die Sprache der Anweisungen erlaubt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Herkunft des Täters.

Im Zuge seiner Untersuchungen stieß Fagerland auf weitere Fälle krimineller KI-Nutzung. Einer der beobachteten Akteure erbeutete Kreditkartendaten, während ein anderer mithilfe von KI-Agenten versuchte, eine Kryptobörse zu bestehlen. Beide Vorfälle standen allerdings nicht im Zusammenhang mit der Kampagne des besonders aktiven chinesischsprachigen Angreifers.

Weitere Angriffe und steigendes Interesse in Hackerforen

Im August berichtete das israelische Cybersicherheitsunternehmen Gambit Security von Angriffen auf sieben Organisationen, bei denen das KI-Programmierwerkzeug Cursor eingesetzt worden sein soll. Im September veröffentlichte die Firma Erkenntnisse über eine weitere Angriffswelle gegen 25 Unternehmen. Dabei wurden mindestens 600.000 Kreditkartendatensätze entwendet.

Das US-Cybersicherheitsunternehmen Bitsight untersuchte außerdem Beiträge in 16 kriminellen Internetforen aus dem Zeitraum Februar bis August 2026. Die Erwähnungen von KI-Agenten, dem Schnittstellenstandard MCP und indirekten Manipulationsversuchen an KI-Systemen stiegen dort zusammengenommen um 67 %. Die Auswertung dokumentiert das zunehmende Interesse an diesen Werkzeugen, lässtallerdings keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Zahl erfolgreicher Angriffe zu.

Öffentlich erreichbare Steuerungen schaffen weitere Risiken

Bei den von NorForge entdeckten Cairn-Oberflächen bestanden offenbar erhebliche Sicherheitsmängel. Die einsehbaren Projektdaten enthielten Hunderte vertrauliche Informationen, darunter Zugangsdaten und technische Schlüssel. Ein Prüfprogramm bestätigte elf Prozent der erkannten Einträge als gültig. Somit können die Aufzeichnungen einer Angriffskampagne selbst zum Ausgangspunkt weiterer Sicherheitsprobleme werden.

Die offen zugänglichen Bedienoberflächen zeigten zudem Steuerungsfunktionen zum Stoppen, Verändern und Neustarten von Aufgaben. Ob Unbefugte diese Funktionen tatsächlich ausführen konnten, haben die Forscher allerdings nicht getestet. NorForge arbeitet nach eigenen Angaben mit Reuters zusammen, um betroffene Unternehmen über die Sicherheitsvorfälle zu informieren. Das Cybersicherheitsunternehmen bemüht sich außerdem darum, die öffentlich erreichbaren Bedienoberflächen abschalten zu lassen.

Für Unternehmen steigt damit der Druck, öffentlich erreichbare Systeme und die Zugänge externer Dienstleister sorgfältig zu überwachen. Angriffe können sich inzwischen über viele Stunden weiterentwickeln, während auf Täterseite kaum menschliche Eingriffe erforderlich sind. Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens hängt jedoch weiterhin davon ab, welche Systeme kompromittiert werden und auf welche Daten die Angreifer tatsächlich zugreifen können.

Sekur Private Data setzt auf geschützte Kommunikation

Neben der Absicherung technischer Systeme müssen Firmen auch vertrauliche Kommunikationswege schützen. Darauf spezialisiert ist der kanadische Anbieter Sekur Private Data ISIN CA81607F1036 WKN A3DKJ0. Er bietet verschlüsselte E-Mail-Dienste, Messenger und virtuelle private Netzwerke (VPN) an. Die Infrastruktur wir in der Schweiz betrieben und soll eine möglichst weitgehende Kontrolle über Kommunikationsinhalte und deren Übertragung ermöglichen.

Mit der Plattform SekurOne bündelt der Anbieter seine verschiedenen Kommunikationsdienste in einem gemeinsamen Angebot. Im Juli 2026 meldete Sekur Private Data die Bereitstellung verschlüsselter Sprachkommunikation für Android, iOS und Webanwendungen. Weitere Funktionen für Videokonferenzen sollten folgen. Parallel dazu richtet das Management das Geschäft stärker auf Behörden, Verteidigungseinrichtungen, Unternehmen und Führungskräfte mit besonders hohen Sicherheitsanforderungen aus. Im September kündigte die Gesellschaft für Oktober den kommerziellen Start von SekurOne an. Als vorgesehenen Monatspreis nannte sie 300 USD.

Auch beim Vertrieb orientiert sich Sekur zunehmend an institutionellen Kunden. Bereits im Februar 2026 wurden die Kommunikationslösungen über den Vertragspartner i3ICS in ein Beschaffungsprogramm der US-Bundesverwaltung aufgenommen. Dadurch können berechtigte Behörden die Produkte über einen bestehenden Rahmenvertrag beziehen. Der Zugang zu diesem Vertriebskanal erleichtert die Vermarktung im öffentlichen Sektor. Für Sekur Private Data eröffnet die Neuausrichtung die Möglichkeit, sich vom preisintensiven Privatkundengeschäft stärker auf zahlungskräftige Spezialkunden zu konzentrieren.

Integrated Quantum Technologies sichert sensible KI-Daten

Das kanadische Technologieunternehmen Integrated Quantum Technologies ISIN CA45836R1055 WKN A423XJ beschäftigt sich dagegen mit dem Schutz sensibler Informationenbeim Einsatz künstlicher Intelligenz. Seine Technologie VEIL soll Unternehmensdaten vor der Verarbeitung durch KI-Modelle in geschützte Darstellungen umwandeln. Die Originalinformationen bleiben nach Angaben des Anbieters innerhalb der kontrollierten Unternehmensumgebung. KI-Anwendungen sollen dadurch mit den für ihre Aufgaben notwendigen Informationen arbeiten können, ohne unmittelbar auf die zugrunde liegenden sensiblen Datensätze zuzugreifen.

Bei der kommerziellen Entwicklung meldete Integrated Quantum Technologies im September erste Fortschritte. Das Unternehmen schloss ein Pilotprojekt mit Pivotly ab, einem Anbieter KI-gestützter Software für die Bauwirtschaft. Dabei verkürzte sich nach Unternehmensangaben die Verarbeitung von Bauplänen von Stunden auf wenige Sekunden. Zugleich verbesserte sich die gemessene Modellleistung in der untersuchten Anwendung. Ende September vereinbarte die Gesellschaft außerdem eine Vertriebspartnerschaft mit dem US-Dienstleister Synergis, der VEIL bei potenziellen Unternehmenskunden vorstellen soll. Anfang Oktober gründete das Unternehmen eine US-Tochtergesellschaft, um dort Geschäftskunden und mögliche öffentliche Auftraggeber besser erreichen zu können.

Daneben entwickelt Integrated Quantum Technologies mit MASQ eine Sicherheitsarchitektur für autonome KI-Agenten. Sie soll künftig deren Handlungsspielraum begrenzen, etwa beim Zugriff auf Anwendungen, Werkzeuge und Unternehmenssysteme. Im Juli meldete das Unternehmen eine vorläufige US-Patentanmeldung für das Konzept. Während VEIL bereits für Unternehmenskunden angeboten wird, befindet sich MASQ allerdings noch in der Entwicklung. Die Steuerung autonomer Agenten gehört damit zu den längerfristigen Entwicklungszielen.

Die von NorForge aufgedeckte Angriffswelle zeigt, wie wichtig klare Grenzen für den Zugriff auf sensible Informationen und die Handlungen autonomer Software geworden sind. Sekur Private Data und Integrated Quantum Technologies entwickeln Lösungen für unterschiedliche Bereiche dieses Sicherheitsbedarfs. Daneben bleibt die Absicherung öffentlich erreichbarer Systeme und der Zugänge externer Dienstleister unverzichtbar, wie die von NorForge dokumentierten Angriffe zeigen.