
Investor Woche: VW verdoppelt Stellenstreichungen, Nvidia kauft Hugging Face, Delivery Hero empfiehlt Uber-Offerte, Netflix erhöht Preise, Visionary Copper and Gold erhält Bohrgenehmigung
Der VW-Aufsichtsrat billigt überraschend ein großes Sanierungspaket, Nvidia stellt mit dem Kauf von Hugging Face bei Open-Weight-Modellen stärker auf. Netflix erhöht die Preise in Deutschland. Algo Grande Copper beschafft sich 4,8 Mio. CAD und Campbell's forciert Einsparungen.
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Marktentwicklung
Der DAX gab angesichts wachsender Zinssorgen und steigender Ölpreise im Wochenverlauf um rund 1,5 % ab. S&P 500 und NASDAQ-100 konnten in der zweiten Woche ihre Verluste aufgrund der Hoffnung auf eine Zinspause weitgehend ausgleichen. Gold notiert wieder über 4.400 USD.
Top-Meldungen
VW-Aufsichtsrat billigt Sanierungspaket
Der Aufsichtsrat von VW DE0007664039766403 hat überraschend einem Plan zugestimmt, der den Stellenabbau beim Automobilhersteller auf 100.000 verdoppeln und das Modellportfolio halbieren soll. Das Unternehmen bezeichnete es als das "strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns", die Aktien legten deutlich zu. Bis 2035 will der Automobilhersteller die Anzahl seiner Modelle um 50 % und die der Varianten sogar noch stärker reduzieren. Von den Stellenstreichungen betroffen sind auch Führungspositionen.
Nvidia kauft Hugging Face für 13 Mrd. USD
Nvidia US67066G1040918422 hat eine Vereinbarung zur Übernahme des in New York ansässigen KI-Startups Hugging Face für 13 Mrd. USD abgeschlossen. Damit will der Chiphersteller die Verbreitung von Open-Weight-Modellen beschleunigen und die eigene Entwicklung von Open-Weight-Modellen und zugehörigen Diensten unterstützen. Open-Weight-Modelle sind öffentlich zugänglich, sodass Benutzer sie herunterladen, anpassen und auf eigener oder fremder Hardware ausführen können.
Delivery Hero empfiehlt Annahme der Uber-Offerte
Die Führungsspitze des Essenslieferdienstes Delivery Hero DE000A2E4K43A2E4K4 empfiehlt seinen Aktionären die Annahme des Übernahmeangebots des US-Fahrdienstvermittlers Uber US90353T1007A2PHHG. Aus Sicht von Vorstand und Aufsichtsrat sei der Angebotspreis von 41,50 Euro je Aktie "angemessen und fair", teilte das Unternehmen mit. Der Kaufpreis von 41,50 Euro entspricht einer Prämie von rund 35 % auf den Dreimonatsdurchschnittskurs vor der Veröffentlichung der Offerte im Juli.
Netflix erhöht Preise in Deutschland
Netflix US64110L1061552484 erhöht nach mehr als zwei Jahren wieder die Preise für Abonnenten aus Deutschland. Das teuerste Abo mit 4K-Bildqualität und 3D-Sound kostet nun pro Monat 21,99 statt zuvor 19,99 EUR. Beim "Standard"-Abonnement mit Full-HD-Bild und weniger gleichzeitig nutzbaren Geräten steigt der Preis von 13,99 auf 15,99 EUR, das Abo mit Werbung kostet fortan 4,99 statt 6,99 EUR. Das Unternehmen verweist zur Begründung wie bereits bei früheren Preiserhöhungen auf das größere Angebot.
Polestar nach US-Einfuhrverbot unter Druck
Die Aktie von Polestar US7311056078A41TQX gerät unter Druck: Der schwedische Autobauer hat seine Absatzprognose für das laufende Jahr gesenkt und erwartet statt eines Wachstums im zweistelligen Prozentbereich 2026 nur ein "niedriges bis mittleres einstelliges Volumenwachstum". Grund ist eine Entscheidung des US-Handelsministeriums, die sich gegen Autos mit Technik richtet, die in Bezug zu China oder Russland steht. Polestar darf ab dem Modelljahr 2027 keine neuen Autos mehr in den USA verkaufen.
Algo Grande Copper beschafft sich 4,8 Mio. CAD
Der Metallexplorer Algo Grande Copper CA0156071049A41UK1 hat sich im Wege einer Privatplatzierung knapp 4,8 Mio. CAD beschafft. Die Mittel dienen primär zur Finanzierung laufender Bohrungen und Explorationen auf dem Adelita-Kupferprojekt im mexikanischen Sonora. Die im Rahmen des Angebots ausgegebenen Wertpapiere unterliegen einer viermonatigen Haltefrist.
Campbell's will bis 2030 500 Mio. USD einsparen
Campbell's US1344291091850561 legte Zahlen vor: Der Nettoerlös sank im vierten Quartal um 8 % auf 2,1 Mrd. USD und organisch um 1 %. Das bereinigte EBITDA sank um 25 % auf 242 Mio. USD, einschließlich eines geschätzten Effekts von 8 % aufgrund der zusätzlichen Woche im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen will bis 2030 nun 500 Mio. USD einsparen. Die Dividende wird gesenkt, um den Schuldenabbau zu beschleunigen. CEO Mick Beekhuizen sagt: "Unsere Leistung entspricht noch nicht unseren Ansprüchen, und wir ergreifen entschlossene Maßnahmen, um sie zu verbessern."
Visionary Copper and Gold erhält Bohrgenehmigung
Visionary Copper and Gold CA9279521012A41FV3 informierte am Dienstag über den Erhalt der Genehmigung für das Diamantbohrprogramm der Phase 2 auf dem Pt. Leamington-Projekt in Neufundland. Das Programm zielt auf die Umwandlung abgeleiteter in angezeigte Mineralressourcen, die Erweiterung der gesamten Mineralressourcen der Lagerstätte sowie die Bestimmung von Ausmaß und Gehalt der Kraken-Zone ab.
Jason Flight, Vizepräsident Exploration, erklärte: "Die Definition der Kraken-Zone und die Umwandlung der Ressourcen in die Kategorie "angezeigt" sind nun unsere Hauptprioritäten für die Lagerstätte, um einen klaren Weg für Wirtschaftlichkeitsstudien einschließlich einer vorläufigen wirtschaftlichen Bewertung (PEA) zu schaffen."
Unter der Lupe
Anthropic-IPO: Darauf müssen Anleger achten
Für Ende September oder Anfang Oktober wird das Anthropic-IPO erwartet. Der KI-Gigant erhofft sich eine Bewertung von 2 Mrd. USD. Auf welche Entwicklungen müssen Anleger, die eine Zeichnung in Betracht ziehen, achten?
Die Herausforderung für Investoren besteht darin, dass die Geschäftsmodelle zur Monetarisierung von KI unerprobt sind und dynamischen Veränderungen unterliegen.
PitchBook-Analyst Harrison Rolfes sagt: "Um herauszufinden, wo Anthropic tatsächlich Geld verdient, müssen wir die Kundenbindung und die Vertragslaufzeit analysieren. Wie viele Kunden zahlen regelmäßig denselben Betrag? Wenn wir diese Datenpunkte erhalten, (…), können wir die durchschnittlichen wiederkehrenden Zahlungen der Kunden ermitteln. Aktuell schwanken diese Zahlen stark, und wir wissen nicht einmal, wie Anthropic sie erfasst."
Bekannt ist, dass der Umsatz rasant wächst und dass das operative Ergebnis (bereinigt) positiv ist. Es gibt den Enterprise-Mix und Claude Code, das sowohl von Einzel- als auch von Unternehmenskunden genutzt wird. Claude Code ist der wichtigste Wachstumstreiber. Rolfes rechnet mit der Abschaffung des Abonnementmodells und einer nutzungsbasierten Abrechnung. Zum Druck auf die Preise sagt er: "Ich denke, Anthropic kann fallende Inferenzpreise übertreffen, wenn die Nutzung von Claude schneller wächst als der Tokenpreis sinkt."
Rolfes sieht die Bruttomarge von Anthropic bei 44 % – und hält sie für zu niedrig. So gebe es zu hohe Verpflichtungen bis 2030–2032. "Um diese Verpflichtungen zu erfüllen, müsste die Bruttomarge auf etwa 70 % gesteigert werden."
Die Entwicklung der Marge ist Rolfes zufolge essentiell für KI-Unternehmen. Es seien hohe Investitionen in die Weiterentwicklung notwendig. "Wenn man seine Kundenbasis verzehnfachen will, wie soll man die nötige Rechenleistung dafür aufbringen? Das erfordert erhebliche Investitionen."
Grafik der Woche
Japans Renditen so hoch wie seit 30 Jahren nicht
Der Ausverkauf an den Bondmärkten geht weiter. Hohe Staatsverschuldung, wachsende Inflationssorgen und Zweifel am verbliebenen Wachstumspotenzial der Industrieländer drücken die Kurse von Staatsanleihen.
Sinnbildlich dafür steht Japan: Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen überschritt dort erstmals seit 30 Jahren die Marke von 3 %. Damit hat sich die Rendite binnen eines Jahres fast verdoppelt. Auch die Rendite der zweijährigen Anleihe überschritt die Marke von 1,8 %, die der fünfjährigen erreichte mit 2,27 % den höchsten Stand seit Mitte der 90er Jahre.
Die Märkte erwarten einen Anstieg der japanischen Neuverschuldung. Am Dienstag wurden die Ausgabenanträge der Ministerien des Landes für das kommende Haushaltsjahr veröffentlicht. Laut Bloomberg haben diese mit insgesamt rund 143 Bill. Yen (77 Mrd. Euro) eine Rekordhöhe erreicht. Das Wirtschaftsministerium allein hat demnach mehr als fünfmal so viel Haushaltsmittel beantragt wie im Vorjahr.

Fun Fact
Rechenzentrum mit menschlichen Gehirnzellen geht an den Start
Forscher in Singapur haben einen neuen Prototyp für ein Rechenzentrum vorgestellt, der anstelle von Siliziumchips lebende menschliche Neuronen zur Informationsverarbeitung nutzt.
Das Projekt wurde von der Yong Loo Lin School of Medicine der National University of Singapore (NUS Medicine) initiiert. Das am NUS Life Sciences Institute eingerichtete Biologische Datenzentrum besteht aus 20 CL1-Biocomputern. Der CL1 ist der weltweit erste kommerzielle, codebasierte Biocomputer. Er wird von 800.000 im Labor gezüchteten menschlichen Gehirnzellen angetrieben.



