
Investor Woche: BYD überholt Tesla, BP verkauft Castrol-Mehrheit, Warner lehnt Paramount weiter ab, Sanofi kauft Dynavax, Meta kauft Manus, Warren Buffett ist abgetreten
Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland sinkt, die Kreditvergabe in der Eurozone steigt. BYD dürfte Tesla als größten E-Auto-Hersteller abgelöst haben. Warner favorisiert trotz Ellison-Garantie Netflix anstatt Paramount. Sanofi kauft Dynavax, Meta kauft Manus, BP verkauft Castrol - und Berkshire Hathaway startet ins erste Jahr ohne Buffett an der Spitze.
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Marktentwicklung
Der DAX notierte am Freitagmittag rund 1,3 % im Plus, auch S&P 500 und Nasdaq zeigten sich im frühen Handel leicht im grünen Bereich. Der EUR/USD notiert weiter zwischen 1,17 und 1,18. Silber eröffnet das neue Jahr ebenso wie Gold im Plus.
Top Meldungen
Zahl der Erwerbstätigen sinkt in Deutschland erstmals seit 2020
Im Jahr 2025 ist die Erwerbstätigkeit in Deutschland zum ersten Mal seit 2020 gesunken. Laut Statistischem Bundesamt fiel die jahresdurchschnittliche Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjahr minimal um 5.000 Personen auf 46,0 Millionen. Abgesehen vom Jahr 2020 war die Erwerbstätigenzahl seit 2006 durchgängig gewachsen, wenn auch seit 2024 mit deutlich nachlassender Dynamik. "Ursächlich für diese Beschäftigungsentwicklung waren im Jahr 2025 die konjunkturelle Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt und - wie bereits in den Vorjahren - die immer stärkeren Effekte des demografischen Wandels", heißt es aus Wiesbaden.
Kreditvergabe an Unternehmen in der Euro-Zone steigt um 3,1 %
Die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen in der Euro-Zone legt zu: Im November stieg die ausgereichte Darlehenssumme gegenüber dem Vorjahr um 3,1 % nach 2,9 % im Oktober. Auch an Privathaushalte wurden mehr Kredite vergeben: 2,9 % Zuwachs bedeuten das größte Plus seit dem Frühjahr 2023.
BYD verkauft weltweit 4,6 Mio. Fahrzeuge
BYD (ISIN: CNE100000296, WKN: A0M4W9) hat 2025 weltweit 4,6 Mio. Fahrzeuge verkauft - und damit 7,7 % mehr als im Vorjahr. Die Chinesen dürften damit Tesla (ISIN: US88160R1014, WKN: A1CX3T) als weltweit größten Hersteller von Elektroautos überholt haben. Die Auslieferungen außerhalb Chinas stiegen 2025 auf 1,05 Millionen Fahrzeuge, für dieses Jahr werden 1,5-1,6 Millionen angepeilt.
Paramount vor erneuter Zurückweisung durch Warner
Warner Bros (ISIN: US9344231041, WKN: A3DJQZ) lehnt die 108,4 Mrd. USD schwere Übernahmeofferte von Paramount (ISIN: US69932A2042, WKN: A412AL) trotz der zwischenzeitlichen Garantie von Larry Ellison über 40,4 Mrd. USD ab. Dies berichtet zumindest CNBC. Favorisiert wird weiterhin das Angebot von Netflix (ISIN: US64110L1061, WKN: 552484), das 72 Mrd. USD Cash sowie Aktien vorsieht.
Meta kauft chinesisches KI-Unternehmen für 2 Mrd. USD
Meta (ISIN: US30303M1027, WKN: A1JWVX) will das in Singapur ansässige, chinesische KI-Startup Manus kaufen, um fortschrittliche Künstliche Intelligenz schneller in seine Plattformen integrieren zu können. Im Fokus steht dabei offenbar der KI-Agent von Manus. Unbestätigten Medienberichten zufolge liegt der Kaufpreis bei 2 Mrd. USD.
Sanofi kauft Dynavax für 2 Mrd. USD
Sanofi (ISIN: FR0000120578, WKN: 920657) kauft den Impfstoffentwickler Dynavax (ISIN: US2681582019, WKN: A12EV9) aus Kalifornien für 2 Mrd. USD Cash. Damit wird die im Mai angekündigte und bis 2030 auf 30 Mrd. USD ausgelegte US-Einkaufstour fortgesetzt. Im Sommer hatte Sanofi bereits die US-Biopharmafirma Blueprint Medicines für bis zu 9,5 Mrd. USD übernommen.
BP verkauft Mehrheit an Castrol für 6 Mrd. USD an Investor
BP (ISIN: GB0007980591, WKN: 850517) verkauft 65 % seines Anteils am Schmierstoffproduzenten Castrol für 6 Mrd. USD an den US-Investor Stonepeak Partners. Damit wird die im Februar angekündigte Straffung des Portfolios fortgesetzt.
Unter der Lupe
Wie gut ist die Berkshire Hathaway Aktie nach Warren Buffett?
Der Tag ist gekommen: Nach über 55 Jahren an der Spitze von Berkshire Hathaway (ISIN: US0846707026, WKN: A0YJQ2) gibt Warren Buffett das Zepter an seinen Nachfolger Greg Abel weiter. Was bedeutet dieser Wechsel für die Perspektiven der Aktie?
Ein Blick zurück zeigt, dass Buffetts Abgang den Markt ein Stück weit beunruhigt hat - von der "Auspreisung der Buffett-Prämie" war die Rede. In den drei Monaten nach der Ankündigung des Rücktritts sank die Aktie (in USD) um gut 15 %. Obwohl seitdem rund die Hälfte der Verluste wieder aufgeholt wurden, notiert die Berkshire Aktie unter ihrem Allzeithoch - und dies trotz der freundlichen Entwicklung der Aktienmärkte.
Die Meinungen zum Potenzial der Aktie gehen auseinander. RI-Research sieht das Unternehmen mit einem TTM-KGV von 22 attraktiv bewertet und macht ein Aufwärtspotenzial von 18 % auf ein Kursziel von 590 USD innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate aus. Mit liquiden Mitteln von 382 Mrd. USD sei Berkshire "bestens gerüstet, um notleidende Vermögenswerte zu erwerben, wie das Unternehmen es bereits in früheren Krisen getan hat, beispielsweise mit dem Erwerb einer bedeutenden Beteiligung an der Bank of America während der Finanzkrise."
Anders sieht es Steven Fiorillo von SeekingAlpha. Er kritisiert, das Portfolio von Berkshire sei "stark auf Cash, Staatsanleihen und operative Unternehmen außerhalb des Technologiesektors ausgerichtet", was das Aufwärtspotenzial begrenze. Fiorillo hofft auf "Anzeichen strategischer Kurswechsel unter Greg Abel, insbesondere hin zu Technologieinvestitionen."
In einem Kommentar von JR Research heißt es, die Zweifel der Märkte würden nicht anhalten. "Da die Berkshire-Aktie bereits einen Abschlag aufgrund des bevorstehenden Ausscheidens von Buffett widerspiegelt, sollten Käufer die Gelegenheit nutzen, jetzt mehr zu kaufen.
Greg Warren von Morningstar sieht eine im Zeitverlauf allmählich verschlechterte Erfolgsbilanz des Unternehmens. "Berkshire kämpft nicht nur mit der schieren Größe und dem Umfang seiner Geschäftstätigkeit, die immer größere Transaktionen (...) erforderten, (...), sondern muss sich auch mit einem wachsenden Angebot an privatem Kapital auseinandersetzen (...)." Morningstar sieht den fairen Wert der Aktie bei 510 USD und damit in etwa auf dem aktuellen Kursniveau.
Ein Kommentar von Bespoke Investmentgroup blickt auf die relative Stärke im Vergleich zum S&P 500. "Als die relative Stärke der Aktie gegenüber dem S&P 500 Ende 2008 zuletzt sprunghaft anstieg und dann rasch wieder abfiel, erreichte sie dieses Niveau erst nach über 15 Jahren wieder."
Ob es erneut 15 Jahre dauern werde, bis die Aktie ein neues Allzeithoch der relativen Stärke erreiche, hänge auch vom Willen und der Fähigkeit des CEOs ab, das Unternehmen "in die nächste Phase" zu führen.
Chart der Woche
Öl-Silber-Ratio unter 1
Silber ist an den Märkten derzeit gefragt, der Ölpreis dagegen gefallen. Das Verhältnis der beiden Preise, die Öl-Silber-Ratio, befindet sich in einem bemerkenswerten Extrembereich: Ein Barrel Öl kostet weniger als eine Feinunze Silber.
Ein Blick zurück zeigt, wie außergewöhnlich diese Situation ist: Seit 1975 liegt das durchschnittliche Verhältnis der beiden Rohstoffe laut Data Trek bei 3,8. Bei einer solchen Ratio sind 3,8 Feinunzen Silber notwendig, um ein Barrel Öl zu kaufen.
Nur sehr selten lag die Öl-Silber-Ratio bei Werten von 1 oder darunter. Ein solcher Extremwert wurde etwa im Januar 1980 auf dem Höhepunkt der Spekulation der Gebrüder Hunt erreicht, die den Silbermarkt nach oben trieben. Auch im Frühjahr 2020 kam es kurzzeitig zu Extremwerten, als die Ölpreise in den USA aufgrund ausgeschöpfter Lagerkapazitäten in den Keller sanken. Der aktuelle Wert von 0,77 (bezogen auf WTI) markiert deshalb eine Ausnahmesituation, die Anleger aufmerksam beobachten sollten.
Nicholas Colas, Mitbegründer von DataTrek, kommentierte am Dienstag: "Wir befinden uns in völlig unbekanntem Terrain für dieses Rohstoffpaar, da Silber im Vergleich zu Öl sehr teuer erscheint. Silber ist bei den aktuellen Preisen keine solide langfristige Investition." Colas betont, sowohl der Preis von Silber als auch der Preis von Öl hänge grundsätzlich von der Wirtschaftstätigkeit ab.

Fun Fact
Das erste Buch über Börsenspekulation wurde 1688 geschrieben
Bücher zum Thema Börse & Geldanlage gibt es heute in großer Zahl. Das erste Werk stammt aus dem Jahr 1688 und ist damit bereits 338 Jahre alt. Confusion de Confusiones wurde durch Jose de La Vega verfasst, der im 17. Jahrhundert als Kaufmann in Amsterdam lebte. Er stellt in seinem Buch vier Regeln auf. Erstens: Raten Sie niemandem zum Kauf oder Verkauf von Aktien. Zweitens: Akzeptieren Sie sowohl Ihre Gewinne als auch Ihre Verluste. Drittens: Der Gewinn am Aktienmarkt ist wie ein Koboldschatz: In einem Moment Diamanten, im nächsten Kieselsteine. Viertens: Wer im Spiel der Spekulation reich werden möchte, benötigt Geld und Geduld.

