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Humanoide im WerkToyota entwickelt lernende Roboter für die Fertigung

Toyota will seine Autofabriken mit lernfähigen Robotern produktiver machen. Dahinter stehen Arbeitskräftemangel und der Wettbewerb mit chinesischen Herstellern. Während der Einsatz im Konzern bereits beginnt, ist ein Geschäft mit externen Kunden noch ungewiss.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / NurPhoto / Chris Jung

Der japanische Automobilhersteller Toyota ISIN JP3633400001 WKN 853510 will künftig erheblich mehr Roboter in seiner Produktion einsetzen. Nach Schätzungen des Konzerns werden dafür rund 400.000 Systeme benötigt, etwa 250.000 davon für Konzerngesellschaften und Zulieferer. Die Automatisierung eröffnet die Aussicht auf effizientere Fabriken und möglicherweise ein zusätzliches Geschäft außerhalb des Automobilbaus.

Die Roboterpläne beginnen bei den eigenen Werken

Toyota rechnet damit, dass die Modernisierung seiner Fabriken ab 2028 jährlich rund 6,4 Mrd. USD kosten könnte. Eine eigene Robotikeinheit soll künftig dem Produktionschef unterstehen. Einen verbindlichen Zeitplan für den Einsatz sämtlicher 400.000 Systeme hat Toyota bislang nicht genannt. Die Bedarfsrechnung umfasst neue Anlagen und den Ersatz bestehender Maschinen. Dazu zählen sowohl humanoide als auch andere Roboter.

Für den Vorstoß gibt es wirtschaftliche Gründe. In Japan und anderen großen Volkswirtschaften fehlen Arbeitskräfte, während chinesische Hersteller die Automobilindustrie mit neuen Produktionsverfahren herausfordern. Nach Angaben des japanischen Arbeitsministeriums waren 2025 noch 10,33 Mio. Menschen im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt. Zwei Jahre zuvor waren es 10,55 Mio. gewesen. Für Hersteller wächst damit der Anreiz, bislang personalintensive Tätigkeiten zu automatisieren.

Tomohiro Nomi, Toyotas Leiter der humanoiden Robotikforschung, räumt Anwendungen in den eigenen Fabriken Vorrang ein. Dort lassen sich die Arbeitsbedingungen besser kontrollieren und mögliche Einsatzgebiete konkreter bestimmen. Neue Systeme können zunächst in einer Umgebung erprobt werden, deren Abläufe der Konzern weitgehend selbst gestaltet.

Eine weitere Gelegenheit bietet möglicherweise ein geplanter Produktionsstandort in Japan. In den frühen 2030er-Jahren will Toyota nahe Nagoya eine neue Fahrzeugfabrik in Betrieb nehmen. Es wäre das erste neue Montagewerk des Konzerns im Heimatland seit 2012. Moderne Automatisierung ließe sich dort bereits bei der Gestaltung der Produktionsabläufe berücksichtigen.

Eigene KI soll Robotern neue Handgriffe beibringen

Technologisch setzt Toyota auf eigene KI-Forschung. Sein kalifornisches Toyota Research Institute hat ein KI-Basismodell entwickelt, das übergeordnete Entscheidungen in präzise Bewegungen übersetzt. Die Technik wird auch beim humanoiden Atlas-Roboter des US-Robotikunternehmens Boston Dynamics eingesetzt.

Im August 2025 demonstrierten beide Forschungspartner, wie Atlas innerhalb einer längeren Aufgabenfolge Gegenstände bewegt und seine eigenen Bewegungen koordiniert. Mithilfe solcher KI-Modelle lassen sich laut Toyota neue Fähigkeiten entwickeln, ohne jeden einzelnen Bewegungsablauf gesondert programmieren zu müssen. Das könnte den Aufwand verringern, Roboter auf wechselnde Aufgaben vorzubereiten.

Für den Einsatz in der eigenen Fertigung entwickelt Toyota unter anderem Eley, einen 50 Kilogramm schweren humanoiden Roboter. Er soll Beschäftigte beobachten und aus ihren Handgriffen neue Bewegungsabläufe erlernen, etwa das Umsetzen kleiner Bauteile zwischen Behältern. Solche feinmotorischen Tätigkeiten stellen höhere Anforderungen als die standardisierten Bewegungen herkömmlicher Industrieroboter.

Im Unternehmensumfeld gibt es bereits erste industrielle Anwendungen. Walden Robotics, eine Ausgründung aus Toyotas KI-Robotik, hat Roboter in nordamerikanischen Toyota-Werken eingesetzt. Im Juli 2026 erhielt das Unternehmen eine Finanzierung über 300 Mio. USD bei einer Bewertung von 1,1 Mrd. USD.

Mit Robotik beschäftigt sich Toyota schon seit etwa zwei Jahrzehnten. Bei einer Veranstaltung in Tokio demonstrierte der Konzern im April 2026 den humanoiden Roboter Cue7 beim Basketballspielen. Solche Vorführungen machen technische Fortschritte sichtbar. Über die Wirtschaftlichkeit eines dauerhaften Fabrikeinsatzes sagen sie allerdings nur begrenzt etwas aus.

Konkurrenz investiert in die Serienfertigung

Wie unterschiedlich stark die industrielle Automatisierung in den einzelnen Ländern voranschreitet, zeigen aktuelle Installationszahlen. Nach Angaben des Robotikverbands International Federation of Robotics wurden 2025 in China rund 354.000 neue Industrieroboter installiert. Das entsprach 59 % der weltweiten Neuinstallationen. In Japan waren es im selben Jahr lediglich 36.219 Einheiten. Die Statistik erfasst allerdings Industrieroboter insgesamt und erlaubt daher keinen direkten Vergleich mit den geplanten Produktionskapazitäten humanoider Modelle.

Auch der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai ISIN KR7005380001 WKN 885647 bereitet die industrielle Fertigung humanoider Roboter vor. Die 2020 vereinbarte Übernahme von Boston Dynamics schloss der Konzern 2021 ab. Ab 2028 sollen Atlas-Roboter in Hyundais Automobilwerk im US-Bundesstaat Georgia eingesetzt werden. Zugleich plant der Konzern eine Roboterfabrik in den USA mit einer jährlichen Produktionskapazität von 30.000 Einheiten.

Die Robotikpläne sind Teil umfangreicher Investitionsvorhaben. Hyundai kündigte 2025 Ausgaben von 86 Mrd. USD in Südkorea bis zum Ende des Jahrzehnts an. Ein Teil davon soll in künstliche Intelligenz und Robotik fließen.

Der US-Elektroautohersteller Tesla ISIN US88160R1014 WKN A1CX3T hat unterdessen mit der Produktion erster Exemplare seines humanoiden Roboters Optimus begonnen. Die Massenfertigung steht allerdings noch aus. Langfristig strebt der Konzern eine jährliche Produktion von einer Million Geräten an.

Auch Teslas chinesischer Mitbewerber Xpeng ISIN US98422D1054 WKN A2QBX7 entwickelt humanoide Roboter. Der zunehmende Wettbewerb setzt Toyota unter Druck, seine langjährige Forschung in praxistaugliche Fertigungssysteme zu überführen. Japanische Hersteller präsentierten zwar schon in den 2000er- und 2010er-Jahren humanoide Roboter. Heute kommt es jedoch vor allem auf leistungsfähige KI und die industrielle Fertigung großer Stückzahlen an.

Absatzprognosen treffen auf industrielle Grenzen

Unter Investoren wird inzwischen auch über das Potenzial eines eigenständigen Robotikgeschäfts diskutiert. Analysten von Goldman Sachs halten für Toyota bis 2035 einen Marktanteil von drei bis acht Prozent bei humanoiden Robotern für möglich. Das entspräche 190.000 bis 540.000 Einheiten.

Masahiro Akita vom Analysehaus Bernstein sieht eine besondere Stärke des Konzerns im Zusammenspiel von Robotern, KI und Produktionsprozessen. Toyotas Erfahrung mit großen Fertigungsvolumen könnte dabei ein Vorteil sein. Ein leistungsfähiges Gesamtsystem wäre wirtschaftlich möglicherweise wertvoller als ein technisch besonders hoch entwickelter Einzelroboter.

Technische Hürden bremsen den breiten Einsatz

Bis zum breiten industriellen Einsatz müssen allerdings noch erhebliche technische und wirtschaftliche Schwierigkeiten überwunden werden. Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung aus dem Jahr 2026 beschreibt entsprechende Hindernisse. Insbesondere Roboterhände, Batterien und Sensoren erfüllen demnach noch nicht durchgehend die Anforderungen industrieller Anwendungen. Auch Kosten und Zuverlässigkeit schränken die Möglichkeiten einer großflächigen Nutzung bislang ein.

Das US-Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet, dass bis 2028 weniger als 20 Unternehmen humanoide Roboter in der Fertigung oder in Lieferketten produktiv einsetzen. Nach Einschätzung der Analysten sind solche Systeme derzeit deutlich teurer als auf bestimmte Aufgaben zugeschnittene Roboter. Gleichzeitig erreichen sie häufig geringere Betriebszeiten und Arbeitsleistungen.

Der möglichen Vielseitigkeit humanoider Maschinen stehen damit zunächst erhebliche wirtschaftliche Nachteile gegenüber. Für Unternehmen zählen vor allem die Kosten je erledigter Aufgabe und die Zuverlässigkeit im laufenden Betrieb. In der Fahrzeugproduktion müssen neue Systeme zudem dauerhaft in bestehende Abläufe integriert werden.

Für Toyota bleibt das Autogeschäft der Maßstab

Auch Toyotas bisherige Erfahrungen mit Zukunftstechnologien stimmen manche Investoren vorsichtig. Sie verweisen auf Wasserstoffantriebe, eine eigene Softwareplattform und Festkörperbatterien, deren kommerzielle Entwicklung teils hinter den Erwartungen zurückblieb. Ein großer Markt für humanoide Roboter allein garantiert dem Konzern daher noch kein tragfähiges neues Geschäft.

Hinzu kommt die Größenordnung des bestehenden Automobilgeschäfts. Toyota produziert jährlich rund zehn Millionen Fahrzeuge. Selbst der Verkauf Hunderttausender Roboter hätte damit nicht automatisch eine vergleichbare wirtschaftliche Bedeutung. Dafür müssten auch Preise, Gewinnspannen und Betriebskosten berücksichtigt werden, die bislang noch offen sind.

Der unmittelbar messbare Nutzen liegt vorerst in der eigenen Fahrzeugfertigung. Gelingt die zuverlässige Automatisierung anspruchsvoller Arbeitsabläufe, kann Toyota seine Produktion stärken. Ein bedeutendes Robotikgeschäft mit externen Kunden bleibt darüber hinaus eine mögliche längerfristige Perspektive.