Bild zum Artikel: Chipkonzerne als Investoren: Nvidia und Meta festigen ihre KI-Allianz mit Milliarden

Chipkonzerne als InvestorenNvidia und Meta festigen ihre KI-Allianz mit Milliarden

Die Finanzierung des KI-Ausbaus verknüpft Chiphersteller und ihre Kunden immer enger. Metas geplante Aktienverkäufe sollen neue Rechenkapazitäten ermöglichen. Anthropics KI-Umsätze stärken die Zuversicht an den Börsen, während das Risiko wechselseitiger Abhängigkeiten steigt.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 8 min
Titelbild: picture alliance / NurPhoto / Samuel Boivin

Zwischen Chipherstellern und ihren größten Kunden entstehen durch den milliardenschweren Ausbau künstlicher Intelligenz immer engere finanzielle Beziehungen. Der US-Chipentwickler Nvidia ISIN US67066G1040 WKN 918422 will drei Milliarden USD in den Technologiekonzern Meta ISIN US30303M1027 WKN A1JWVX investieren. Meta plant zugleich, nach einer Aufstockung seines Aktienangebots rechnerisch bis zu 97,5 Mrd. USD am Kapitalmarkt aufzunehmen.

Meta verbindet Aktienangebote mit späteren Kapitalzuflüssen

Für den Ausbau seiner KI-Infrastruktur setzt der Konzern auf unterschiedliche Formen der Aktienfinanzierung. Das ursprünglich mit 35 Mrd. USD angekündigte öffentliche Angebot wurde auf 37,5 Mrd. USD aufgestockt. Davon entfallen 25 Mrd. USD auf Stammaktien und 12,5 Mrd. USD auf Vorzugsaktien. Weitere bis zu 60 Mrd. USD sollen über ein Programm eingeworben werden, bei dem Meta schrittweise Aktien an der Börse verkaufen kann. Der Start ist frühestens für das erste Quartal 2027 geplant, wobei eine verbindliche Vereinbarung über das Programm bislang aussteht. Wie viel Kapital insgesamt zusammenkommt, hängt somit von der tatsächlichen Umsetzung der geplanten Maßnahmen ab.

Auch die 25 Mrd. USD aus dem Stammaktienangebot fließen Meta nicht unmittelbar zu. Die Zahlung erfolgt erst bei der späteren Abwicklung entsprechender Aktienverkaufsvereinbarungen, mit der Meta spätestens bis zum 19. November 2027 rechnet. Für die Vorzugsaktien ist hingegen eine jährliche Dividende von 6,5 % vorgesehen. Im Jahr 2029 sollen sie automatisch in Stammaktien umgewandelt werden. Die verschiedenen Instrumente verteilen damit sowohl die Kapitalzuflüsse als auch mögliche finanzielle Belastungen auf unterschiedliche Zeiträume.

Der Kapitalbedarf hängt mit Metas umfangreicher Investitionsplanung zusammen. Für 2026 erwartet das Unternehmen Sachinvestitionen von 135 bis 145 Mrd. USD, einschließlich Tilgungszahlungen für geleaste Anlagen. Ende September verfügte der Konzern über rund 82 Mrd. USD an liquiden Mitteln und handelbaren Wertpapieren. Die Aktienfinanzierung ergänzt somit die eigenen Mittel und weitere Finanzierungsquellen.

Chipkonzerne investieren und liefern die Technik

Neben Nvidia haben auch der Chipentwickler AMD ISIN US0079031078 WKN 863186 und der Halbleiterkonzern Broadcom ISIN US11135F1012 WKN A2JG9Z Interesse an Meta-Aktien signalisiert. Zusammen nannten die drei Unternehmen einen möglichen Kaufbetrag von bis zu fünf Milliarden USD. Welche Summen letztlich auf die einzelnen Konzerne entfallen, steht noch nicht fest.

Die Zusammenarbeit zwischen Nvidia und Meta reicht über die geplante Kapitalbeteiligung hinaus. Meta will künftig mehr Vera-Rubin-Systeme für das Training und den Betrieb leistungsfähiger KI-Modelle sowie Vera-Prozessoren zur Steuerung der Rechenabläufe einsetzen. Die Netzwerktechnik Spectrum-X soll einen schnellen Datenaustausch zwischen den Rechnern ermöglichen, während BlueField-4-Prozessoren unter anderem Netzwerk- und Speicheraufgaben übernehmen. Daneben vertiefen beide Unternehmen ihre Kooperation bei Muse, einem von Meta im September vorgestellten KI-Agenten. Solche Programme sollen mithilfe digitaler Werkzeuge Aufgaben weitgehend selbstständig erledigen können.

Nvidias Beteiligungen erhöhen die Abhängigkeiten

Neben dem Verkauf leistungsfähiger Rechentechnik baut Nvidia seine Finanzbeteiligungen innerhalb der KI-Branche aus. Nach Angaben des Datenanbieters Dealroom war der Konzern 2026 bislang an 121 Finanzierungsrunden beteiligt. Im Jahr 2022 waren es lediglich 13 gewesen. Zu den Unternehmen, in die Nvidia investiert hat, gehören unter anderem die KI-Entwickler OpenAI, Anthropic und xAI.

Solche Beteiligungen eröffnen zusätzliche Ertragsmöglichkeiten, wenn die Bewertungen der Geschäftspartner steigen. Sie schaffen allerdings auch eine doppelte Abhängigkeit von den Investitionsausgaben der Branche. Sollten Unternehmen ihre KI-Budgets deutlich kürzen, wären sowohl neue Chipaufträge als auch die Werte entsprechender Finanzbeteiligungen gefährdet.

Anthropics Börsenpläne geben Einblick ins KI-Geschäft

Wie viel sich mit KI-Modellen verdienen lässt, zeigen die Unterlagen, die Anthropic für seinen geplanten Börsengang bei der US-Börsenaufsicht eingereicht hat. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte der KI-Entwickler rund 16 Mrd. USD Umsatz, nach etwa 1,2 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum.

Trotz des kräftigen Umsatzwachstums schreibt Anthropic operativ weiterhin Verluste. Das Minus aus dem laufenden Geschäft verringerte sich im ersten Halbjahr von rund 2,1 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum auf 693 Mio. USD. Der ausgewiesene Nettoverlust von 80,7 Mrd. USD geht zu rund 72,4 Mrd. USD auf nicht zahlungswirksame Bewertungsänderungen bei Finanzierungsinstrumenten zurück.

Ende Juni verfügte Anthropic laut Börsenunterlagen über rund 112 Mrd. USD an Barmitteln und kurzfristig verfügbaren Geldanlagen sowie weitere 19,3 Mrd. USD an kurzfristigen Wertpapieranlagen. Für die Beurteilung des Geschäfts bleibt dennoch maßgeblich, welcher Teil der wachsenden Umsätze nach Abzug der hohen Kosten für Rechenleistung und Modellentwicklung übrig bleibt.

Florian Ielpo, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung Lombard Odier Investment Managers, sieht in der Umsatzentwicklung einen Hinweis auf die zunehmende kommerzielle Nachfrage nach KI. Aussagen über die langfristige Rentabilität lassen sich daraus allerdings noch nicht ableiten: Errichtung neuer Rechenzentren sowie Entwicklung und Betrieb leistungsfähiger KI-Modelle erfordern weiterhin erhebliche finanzielle Mittel.

Asiatische Chipaktien legen besonders deutlich zu

An den Börsen profitierten vor allem Unternehmen, die Speicherchips und Rechentechnik anbieten. Der südkoreanische Leitindex Kospi gewann am Dienstag zeitweise fast fünf Prozent und lag später noch rund drei Prozent im Plus. Die Aktie des Speicherchipherstellers SK Hynix ISIN KR7000660001 WKN 907210 verteuerte sich um 5,2 %. Der Elektronik- und Chipkonzern Samsung Electronics ISIN KR7005930003 WKN 888322 legte um 4,2 % zu.

Auch in Japan überwogen die Kursgewinne. Der Nikkei 225 stieg um 1,7 %, während die Aktien des Technologieinvestors SoftBank ISIN JP3436100006 WKN 891624 zeitweise 6,7 % gewannen. Zuvor hatte das Unternehmen innerhalb eines Monats mehr als ein Viertel seines Börsenwerts verloren. In den USA war der Nasdaq 100 bereits am Montag mit einem Plus von 1,1 % aus dem Handel gegangen.

Vor dem US-Börsenstart am Dienstag lagen zudem der Speicherchiphersteller Micron ISIN US5951121038 WKN 869020 mit 1,6 % und der Speichertechnologieanbieter Sandisk ISIN US80004C2008 WKN A411ZM mit einem Prozent im Plus. Die Aktien von Nvidia und Meta zeigten im vorbörslichen Handel hingegen kaum Veränderungen.

Auf den gesamten Aktienmarkt erstreckten sich die Kursgewinne nicht. Chinas CSI 300 verlor 1,3 %, der Hang Seng in Hongkong gab um 0,7 % nach. In Europa gewann der niederländische Chipanlagenbauer ASML ISIN NL0010273215 WKN A1J4U4 0,6 %, während der Stoxx Europe 600 leicht nachgab. Anleger bevorzugten damit offenbar gezielt Unternehmen, denen hohe Investitionen in KI-Infrastruktur zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.

Weitere Hinweise auf die Nachfrage nach KI-Technik könnten die anstehenden Geschäftsberichte liefern. SK Hynix will voraussichtlich am Mittwoch seine Zahlen vorlegen, Samsung Electronics am Donnerstag. Daneben beschäftigt die Anleger die bevorstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank, da Veränderungen der Finanzierungskosten insbesondere für kapitalintensive Technologieunternehmen relevant sind. Für die weitere Bewertung des KI-Sektors bleiben die tatsächlichen Auftragseingänge und die daraus erwirtschafteten Erträge maßgeblich.