Bild zum Artikel: Hohe Dividendenrenditen: Bescheren Nikotinbeutel Tabakaktien einen Schub?

Hohe DividendenrenditenBescheren Nikotinbeutel Tabakaktien einen Schub?

Der Markt für tabakfreie Nikotinbeutel wächst rasant, die Margen in diesem Geschäft sind wesentlich attraktiver als mit Tabakzigaretten. Die Aktien von Tabakkonzernen springen an: Wie weit kann der neue Hype tragen?

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: picture alliance / TT Nyhetsbyrån / Claudio Bresciani

Robert F. Kennedy Jr. tut es, Tucker Carlson ebenso: Nikotinbeutel erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Financial Times konstatiert: "In nur wenigen Jahren hat sich der Nikotinbeutel überall verbreitet, von den Umkleidekabinen der Premier League bis hin zu den Börsenparketten der Wall Street."

Tabakfreie Nikotinbeutel sind in Deutschland bislang nicht legal handelbar, in Skandinavien, Österreich, der Schweiz, Großbritannien und den USA jedoch auf dem Vormarsch. Die Beutel bestehen aus Füllstoffen in Lebensmittelqualität (z. B. Pflanzenfasern), Stärke, Aromen und Nikotin. Vergleichbar mit Snus setzt die Masse im Beutel Aromen und Nikotin frei, das über die Mundschleimhaut in die Blutbahn gelangt.

Ausgerechnet der US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. soll bei seiner Anhörung zur Bestätigung durch den Senat im Januar einen Nikotinbeutel konsumiert haben. Die Marke: Alp. Diese wurde kürzlich durch den US-Journalisten Tucker Carlson auf den Markt gebracht. Carlson freute sich über Kennedy als "besten Markenbotschafter überhaupt".

Nikotinbeutel sind lukrativer als Zigaretten: Tabakaktien ziehen an

Und auch Tabakkonzerne können von dem Boom profitieren: Laut Euromonitor wird der globale Markt bis 2026 voraussichtlich 18 Milliarden Dollar erreichen: Ein Anstieg von 2.700 Prozent gegenüber 2019. "Dieses Tempo war für fast alle eine Überraschung", konstatiert Citi Tabakanalyst Simon Hales.

Für die großen Tabakkonzerne könnte ein schnell wachsender neuer Markt zum Gamechanger werden. Das traditionelle Geschäft der Unternehmen ähnelt eher einer Abwicklung auf Raten als einem Geschäftsmodell mit Zukunft. Laut Daten der WHO ist der globale Tabakkonsum heute nur noch halb so hoch wie zur Jahrtausendwende. Die Folge: Tabakaktien haben sich in den letzten zehn Jahren deutlich schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt.

Wie relevant rauch- und tabakfreie Alternativen für die Konzerne sind, zeigt ein Blick auf Philip Morris (ISIN: US7181721090, WKN: A0NDBJ). Das Unternehmen erwarb 2022 die Nikotinbeutelmarke Zyn für 16 Mrd. USD. CEO Jacek Olczak zufolge hat sich das Unternehmen das Ziel gesetzt, bis 2030 zwei Drittel seines Umsatzes mit "rauchfreien" Produkten wie Beuteln zu erzielen.

Philip Morris rechnet in diesem Jahr mit einem Absatz von bis zu 840 Millionen Dosen Zyn in den USA: Ein Anstieg um 45 % gegenüber dem Vorjahr. Auch außerhalb der USA stiegen die Verkäufe: 2024 um nicht weniger als 75 %. Die Nachfrage ist so groß, dass eine neue Fabrik in Colorado nur für Zyn errichtet und eine weitere Fabrik ausgebaut wird.

Die Margen im Geschäft mit Nikotinbeuteln sind attraktiv: Philip Morris geht davon aus, dass der Umsatz von Zyn pro 1.000 Stück sechsmal höher ausfällt als bei klassischen Tabakzigaretten. Die Bruttomarge liegt Analysen zufolge etwa 15 Prozentpunkte höher.

Neben Philip Morris drängen deshalb auch andere Tabakhersteller in das Segment. BAT (ISIN: GB0002875804, WKN: 916018) etwa meldete für das vergangene Jahr einen Umsatzanstieg von mehr als 200 % auf dem US-Markt für "moderne orale Präparate". Altria (ISIN: US02209S1033, WKN: 200417) erzielte im vergangenen Jahr 11 % seines Umsatzes in diesem Segment, Imperial Brands (ISIN: GB0004544929, WKN: 903000) und Japan Tobacco (ISIN: JP3726800000, WKN: 893151) melden ebenfalls deutliche Zuwächse.

Sind Tabakaktien angesichts dieser Entwicklung einen Blick wert? Das lukrative Segment ist mit hohen Unsicherheiten verbunden. Regulierungsbehörden könnten hart durchgreifen und das Wachstum des Marktes stoppen. Doch auch die Entwicklung eines neuen, wachsenden Marktes mit hohen Margen scheint möglich.

Wie stehen Tabakaktien aktuell?

Die starke Position von Philip Morris im Bereich der Nikotinbeutel spiegelt sich im Aktienkurs wider: Dieser legte in den letzten 14 Monaten um rund 100 % zu. Niedrig bewertet ist die Aktie mit einem zukunftsgerichteten KGV von gut 24 nicht mehr.

Der Chart von BAT ist weniger auffällig: Der Aktienkurs durchläuft seit 2028 eine Seitwärtsbewegung, steuert derzeit allerdings deren oberen Bereich an. Mit einem zukunftsgerichteten KGV von 9,7 und einem KBV von 1,56 fällt die Bewertung niedriger aus.

Altria konnte seit Anfang 2024 deutlich zulegen, notiert aber immer noch unter dem Allzeithoch von 2017. Das zukunftsgerichtete KGV liegt bei gut 11.

Der Aktienkurs von Imperial Brands hat seit Anfang 2024 ebenfalls deutlich angezogen und nimmt Kurs auf die historischen Höchststände der Jahre 2007 und 2016. Das zukunftsgerichtete KGV liegt bei 11,4, das KBV knapp unter 5.