
Goldclearing startet: Asiens Goldmarkt bekommt eine neue Machtachse
Hongkong will im Goldhandel mehr sein als ein Umschlagplatz. Ein neues Clearinghaus, ein HAU-Benchmark und die Anbindung an Shanghai sollen Marktliquidität bündeln.
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Hongkong startet den Probebetrieb eines zentralen Goldclearings und erhöht seinen Anspruch im asiatischen Goldhandel. Kern des Systems ist HAU, ein neuer Hongkonger Referenzpreis für institutionelle Goldgeschäfte. Marktdatenanbieter Bloomberg führt den Benchmark bereits in seinen Terminals.
Hongkong verankert Gold stärker in seiner Finanzarchitektur
Mit Hong Kong Precious Metals Central Clearing entsteht eine Infrastruktur für Einlagen, Auslieferungen und OTC-Abwicklung, faktisch ein zentrales Konto- und Abwicklungsmodell für physisches Gold. Das System läuft seit dem 7. Juli im Testbetrieb. Flankierend treiben Hongkongs Behörden Lagerkapazitäten, Raffination und Handelsanbindung voran. Für den Standort rücken damit Tresorbestand, Abwicklung und Preisreferenz enger zusammen.
Der neue HAU-Benchmark soll den über das Clearing abgewickelten Goldgeschäften einen Hongkonger Referenzpreis geben. Damit rückt die Preisbildung näher an die physische Abwicklung vor Ort. Bislang prägen London und New York zentrale Teile der Marktarchitektur. Der Probebetrieb zeigt nun, ob Hongkong Benchmark, Lagerung und Abwicklung in einem Marktmodell bündeln kann.
Elf Finanzinstitute sitzen im Verwaltungsrat des Clearingunternehmens. Vertreten sind JPMorgan Chase (ISIN: US46625H1005, WKN: 850628), HSBC Holdings (ISIN: GB0005405286, WKN: 923893) und UBS Group (ISIN: CH0244767585, WKN: A12DFH). Hinzu kommen fünf chinesische Banken. Damit entsteht ein Netzwerk aus internationalen Handelsbüchern und chinesischen Marktkanälen.
Bereits vor dem Start wurde die physische Basis erweitert. Die Airport Authority Hong Kong erhöhte die Kapazität ihres Edelmetalldepots in einer ersten Stufe auf 200 Tonnen. Weitere Pläne sehen 1.000 Tonnen vor. Parallel eröffnete die Shanghai Gold Exchange ihren ersten Offshore-Tresor in Hongkong.
Banken liefern die operative Tiefe des neuen Systems
HSBC Holdings, ein globaler Finanzkonzern mit starkem Asiengeschäft, will seine eigene Goldlagerkapazität in Hongkong rasch auf 200 Tonnen erhöhen. Damit erweitert sich die bankseitige Basis des neuen Clearings. Für Hongkong rückt die Verbindung von Tresorbestand, OTC-Abwicklung und Benchmark näher an den operativen Marktalltag.
Der frühe Nutzerkreis reicht von Schmuckvertrieb und Banken bis zu Plattformanbietern und Wertpapierdienstleistern. Standard Chartered, eine britische Bank mit starkem Asien- und Rohstoffgeschäft, meldete bereits Transaktionen mit mehreren Kunden. Genannt wurden der Hongkonger Schmuckhändler Chow Sang Sang (ISIN: BMG2113M1203, WKN: A1C824), das private Wertpapierhaus Haitong International Securities, JD Technology, die Technologiesparte des chinesischen Onlinehändlers (ISIN: US47215P1066, WKN: A112ST), und die Shanghai Pudong Development Bank.
Vor dem Start importierten beteiligte Banken größere Barrenbestände, schwerpunktmäßig 400-Unzen-Barren, die im Londoner Markt üblich, in Asien aber weniger verbreitet sind. Ihre Einfuhr rückt Hongkong näher an die Lieferstandards des institutionellen Goldhandels.
Auch JPMorgan Chase bewegt sich in einem breiteren asiatischen Wettbewerb. Die Bank ist zugleich für Singapurs geplantes OTC-Goldclearing vorgesehen. Dort sollen auch die Deutsche Bank, DBS, OCBC, UOB und ICBC Standard Bank mitwirken. Die Singapore Exchange will das System bis Ende 2026 aufbauen.
Die Verbindung nach Shanghai erhöht die strategische Reichweite
Geplant ist zudem eine engere Anbindung an die Shanghai Gold Exchange. Teilnehmer sollen Goldbestände künftig direkt für Transaktionen einsetzen können. Drei Banken testen die Initiative bereits. Hongkong würde damit seine Offshore-Rolle enger mit der physischen Liquidität des Festlandmarkts verbinden.
Hong Kong Exchanges and Clearing (ISIN: HK0388045442, WKN: A0NJY9), die Börsengruppe der Stadt, hat ihren US-Dollar-Goldfuture neu belebt. Ein neuer Future in Yuan wird geprüft. Die Lieferung soll von der Shanghaier Goldbörse unterstützt werden. Frühere Goldfuture-Versuche in Hongkong blieben ohne dauerhafte Markttiefe.
Auch Peking stützt den Standort politisch. Hongkong hatte Notenbanken aus Staaten mit Bezug zur Belt-and-Road-Initiative angesprochen. Parallel kündigte Chinas Zentralbank an, mehr nationale Devisenreserven nach Hongkong zu verlagern.
Die Nachfragebasis bleibt greifbar. Chinas Zentralbank kaufte im Juni weitere 480.000 Unzen Gold. Damit stiegen die offiziellen Bestände auf rund 75,4 Millionen Unzen. Die Kaufserie läuft inzwischen seit 20 Monaten.
Der Goldmarkt bleibt für Hongkong kein Selbstläufer
Das Marktumfeld ist anspruchsvoll. Nach mehrjährigen Kursgewinnen verlor Gold zuletzt an Schwung. Am 8. Juli schlossen Comex-Goldfutures bei 4.070,90 USD je Unze. Heute notiert der Spotpreis wieder knapp über 4.100 USD.
Singapur arbeitet parallel an einem eigenen Clearingmodell und will bis Ende 2026 die technische Grundlage schaffen. Ab 2027 soll der Interbank-Handel ausgebaut werden. Das System soll 400-Unzen-Barren und Kilobarren unterstützen. Hongkongs Juli-Start trifft damit auf einen Standort, der den Anschluss bereits vorbereitet.
Hongkong ist früher im Markt, aber noch nicht stärker verankert. Der Vorsprung wird erst messbar, wenn Banken, Händler und Lieferketten das neue System regelmäßig im OTC-Geschäft nutzen. Bis dahin bleibt HAU ein neuer Preisanker mit offenem Praxistest.

