
Gold schlägt Bitcoin: Minenaktien gewinnen nach Kryptoschock an Stärke
Nach der Herbstkorrektur an den Kryptomärkten fließt Kapital in Gold, Silber und kritische Metalle. Anleger setzen wieder auf physische Werte und Explorationsfirmen - der Bergbausektor erlebt 2025 sein Comeback.
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Krypto verliert, Metalle gewinnen
Der Oktober 2025 hat erneut gezeigt, warum dieser Monat als volatilster des Jahres gilt. Binnen weniger Tage brachen Kryptowährungen zweistellig ein: Bitcoin verlor über 14 % und fiel auf 104.800 USD, nachdem US-Präsident Donald Trump eine 100 %-Zollankündigung auf chinesische Importe machte. Insgesamt wurden Positionen im Wert von rund 19 Mrd. USD liquidiert - die größte Krypto-Bereinigung der Geschichte.
Gleichzeitig zeigten Edel- und Industriemetalle eine erstaunliche Widerstandskraft. Gold erreichte im Oktober mit über 4.057 USD je Feinunze ein neues Rekordhoch und liegt seit Jahresbeginn fast 49 % im Plus. Auch Silber (+42,8 %), Platin (+50,1 %) und Palladium (+30,9 %) stiegen kräftig. Selbst Kupfer legte auf 4,96 USD je Pfund (+13,6 %) zu.
Analysten sprechen von einer "Kapitalrotation historischen Ausmaßes" - einem Umschwung von spekulativen, digitalen Anlagen zu greifbaren Vermögenswerten.
Minenaktien schlagen Tech - Sektor erlebt Renaissance
Die Kursentwicklung spiegelt die Verschiebung wider. Der FTSE Global All Cap Precious Metals and Mining Index liegt 2025 rund 86 % im Plus und übertrifft den globalen Aktienindex FTSE All Cap um mehr als 70 Prozentpunkte.
Der VanEck Gold Miners ETF (ISIN: US92189F1066, WKN: A1C8YY) hat sich 2025 mehr als verdoppelt. Auch Branchengrößen wie Newmont (ISIN: US6516391066, WKN: 853823) und Agnico Eagle Mines (ISIN: CA0084741085, WKN: 860325) verzeichnen Kursgewinne von über 100 %.
Laut Analyst Trevor Yates von Global X ist das erst der Anfang: "Die Untergewichtung von Minenaktien in globalen Portfolios ist historisch. Schon geringe Kapitalumschichtungen können große Kursbewegungen auslösen."
Geopolitik und Energiepolitik als Katalysatoren
Die neue US-Handelspolitik verstärkt die Entwicklung. Trumps Zollpolitik und Chinas Exportbeschränkungen für seltene Erden lenken Kapital in die westliche Rohstoffförderung. Im Mai 2025 gingen die US-Importe chinesischer Magnetmetalle um 93 % zurück.
Washington reagiert mit Investitionen in strategische Bergbauunternehmen wie MP Materials, Lithium Americas und Trilogy Metals. Ein 8,5 Mrd. USD schweres Rohstoffabkommen mit Australien unterstreicht den geopolitischen Charakter des Themas.
Diese "Renaissance der realen Assets" umfasst zunehmend kritische Metalle, die für Energie, Verteidigung und Elektromobilität unverzichtbar sind. The Oregon Group spricht von einer "Politisierung der Rohstoffversorgungsketten", die Investitionen in Bergbauprojekte zum Bestandteil der nationalen Sicherheit macht.
Zentralbanken kaufen Rekordmengen Gold - Zinspolitik stützt Trend
Neben der Geopolitik treiben auch makroökonomische Faktoren die Nachfrage. Die US-Notenbank senkte im September den Leitzins um 25 Basispunkte und beendete das Programm der quantitativen Straffung. Niedrigere Zinsen und steigende Haushaltsdefizite schüren Inflationssorgen.
Zentralbanken weltweit reagieren mit Goldkäufen. China stockte seine Reserven auf 2.235 Tonnen auf - so viel wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Damit übertraf Gold Ende 2024 erstmals den Euro als zweitwichtigste Reservewährung.
Auch Privatanleger reagieren: Goldfonds verzeichneten im dritten Quartal 2025 Nettozuflüsse von 5,4 Mrd. USD - der größte Anstieg seit der Finanzkrise 2009.
Explorer und Entwickler profitieren überproportional
Mit steigenden Metallpreisen rückt der gesamte Bergbausektor in den Fokus - von Förderern bis zu Explorern. Nach Jahren begrenzten Kapitals kehren Anleger in das Frühphasen-Segment zurück.
Unternehmen wie Quimbaya Gold (ISIN: CA74841L1013, WKN: A3DT3C), die in Kolumbien mehrere hochgradige Goldvorkommen erkunden, berichten von wachsendem Interesse internationaler Fonds. Auch Magma Silver (ISIN: CA5589221004, WKN: A411DV), das in Mexiko Silberprojekte im historischen Bergbaudistrikt Parral vorantreibt, nutzt das Marktumfeld zur Kapitalaufnahme. Aftermath Silver (ISIN: CA00831V2057, WKN: A2DMFN) konzentriert sich auf Silber-Kupfer-Projekte in Peru und Chile und gilt als einer der interessantesten Entwickler im Segment, nachdem Silberpreise um über 40 % gestiegen sind.
Analysten sehen in diesen Explorern "den Hebel auf die nächste Gold- und Silberhausse". Historisch fließt Kapital nach einem Produzentenboom typischerweise in frühe Entwicklungsstufen, sobald die Branche wieder Vertrauen genießt.
Vom "digitalen Gold" zurück zum physischen Metall
Bitcoin bleibt zwar mit rund +30 % Jahresperformance stabil, doch die Volatilität und der politische Druck mindern seine Funktion als "digitales Gold". Trump betont zunehmend die Bedeutung des US-Dollars und bekennt sich zu "harten" Werten wie Energie, Industrie und Metalle.
Viele Anleger werten das als strategisches Signal. Der Bergbausektor profitiert davon doppelt: Einerseits durch die politische Unterstützung kritischer Metalle, andererseits durch steigendes Anlegerinteresse an Sachwerten in Zeiten schwächerer Fiat-Währungen.
Peter Schiff, langjähriger Goldbefürworter, kommentierte auf X: "Volatilität ist unvermeidbar, aber Gold bleibt über 4.000 USD - Bitcoin mag kurzzeitig steigen, doch am Ende gewinnt das Reale."
Rohstoffsuperzyklus 2.0 - Realwerte als Stabilitätsanker
Ob es sich um eine dauerhafte Trendwende handelt, bleibt offen. Doch vieles spricht für einen anhaltenden "Rohstoffsuperzyklus". Inflation, geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Engpässe bei Metallen bilden die Basis eines längerfristigen Aufwärtstrends.
Für Explorations- und Minenunternehmen eröffnet sich damit eine historische Chance: Die Kombination aus Rekordpreisen, politischer Rückendeckung und Investoreninteresse schafft ein Umfeld, das zuletzt in den 2000er-Jahren zu beobachten war.
Anleger, die den Sektor lange gemieden hatten, kehren zurück - nicht nur aus Spekulation, sondern aus strategischer Neuausrichtung. Denn wenn Vertrauen in Papier- und Digitalwerte schwindet, wird das Fundament aus Erz, Gestein und Energie wieder attraktiv.

